Zweijährige Ausbildung

Fluggesellschaft sucht Piloten-Nachwuchs

Trotz des auferlegten Sparkurses will Air Berlin in die Ausbildung von jungen Piloten investieren. Die Aufnahmekriterien sind weniger streng als bei anderen Airlines, doch eine Jobgarantie gibt es nicht.

Foto: David Heerde

„Der Sitz ist schon mal bequem“, sagt Sebastian Jacobs und testet die Polsterung, indem er auf und ab wippt. Er sitzt im Cockpit eines Airbus A320, das Licht ist gedimmt, Flugmodus. Sebastian Jacobs hat die Regler und Schaltknöpfe im Blick. Alles ruhig, es ist windstill da draußen.

Kein Wunder: Denn der 26-Jährige sitzt zwar in einer echten Maschine. Die steht aber längst ausrangiert in der Halle der Flugschule TFC Käufer in Waltersdorf. Der Flugzeugrumpf ist echt, das Cockpit aber eine Attrappe. Sebastian Jacobs trägt keine Uniform und Pilotenmütze, sondern einen türkisfarbenen Pullover und eine Baseball-Kappe. Vor ihm auf dem Bildschirm läuft eine Computersimulation. Neben ihm sitzt seine Freundin Marina Henke (21). Wenn es nach ihr ginge, könnte er gleich sitzen bleiben. Pilot, sagt sie, das sei doch ein Beruf mit Perspektive.

Informationen über die Ausbildung

Um sich über die Ausbildung zum Piloten und die Voraussetzungen dafür zu informieren, hat Sebastian Jacobs die Flugschule im Süden der Hauptstadt besucht. Gastgeber ist die Fluggesellschaft Air Berlin, die derzeit in Berlin, Hamburg, Essen und München über ihre Ausbildung informiert. Und an diesen Tagen der offenen Tür gleichzeitig nach neuen Flugtalenten sucht – trotz des Sparkurses, den sich die Gesellschaft vor Kurzem verordnet hat. Im Zuge dessen sollen die Flotte um etwa zehn Prozent verkleinert und Strecken gestrichen werden. Weil die Airline in Turbulenzen geraten war, hatte Air-Berlin-Gründer Joachim Hunold zum 1. September sein Amt an den ehemaligen Bahnchef Hartmut Mehdorn übergeben.

Ralf Nagel, Flugbetriebsleiter von Air Berlin, und der Geschäftsführer der Flugschule, Christian Käufer, präsentieren rund 40 Besuchern, worauf sie sich einstellen müssen, wenn sie Pilot werden wollen. Und machen klar, dass der Job vor allem eines erfordert: Disziplin.

Sebastian Jacobs sitzt noch immer in einem Flugzeugsitz, jetzt aber nicht mehr im Cockpit, sondern in der Halle der Flugschule. Flugbetriebsleiter Ralf Nagel sagt: „Wenn Sie auch nur den Ansatz eines Zweifels haben, dass Sie den Job machen wollen, lassen Sie es gleich ganz sein.“ Sebastian Jacobs schüchtert das nicht ein. Nagel sagt auch: „Sie müssen sich darauf einstellen, dass sie wenig Zeit haben, Schichtdienst machen und um drei Uhr morgens der Wecker klingelt.“ Damit muss man leben, sagt Sebastian Jacobs. Und die Voraussetzungen für eine Bewerbung erfülle er.

Zu den wichtigsten Kriterien zählen: Der Bewerber braucht Abitur oder eine Fachhochschulreife und muss die Altersgrenze einhalten, die zwischen 19 und 35 Jahren liegt. „Auch ein Führerschein der Klasse B ist Voraussetzung“, sagt Ralf Nagel. Außerdem müssen die Pilotenschüler ein paar körperliche Vorgaben erfüllen – die bei Air Berlin aber nicht so streng sind wie bei anderen Fluglinien.

Da horcht Sebastian auf. „Ich wollte früher auch immer schon Pilot werden. Abgeschreckt haben mich aber die sehr strengen Voraussetzungen bei anderen Fluggesellschaften.“ Mit seiner Sehschwäche, sagt er, wäre er schon gescheitert. Hier rechnet er sich Chancen aus, unter die 30 Flugschüler zu kommen, die die Airline auf zwei Lehrgänge pro Jahr verteilt. Seit dem Jahr 2009 bildet die Fluggesellschaft Air Berlin in Kooperation mit TFC Käufer als erste Flugschule in Deutschland zur sogenannten Multicrew Pilot Licence (MPL) aus. Diese soll Flugschüler intensiver auf das Fliegen von Passagiermaschinen vorbereiten. „Bei der MPL findet die Teamausbildung schon nach rund 40 Flugstunden statt. Bereits dann werden unsere Schüler im Zwei-Mann-Cockpit ausgebildet“, sagt Nagel. Üblicherweise geschehe das erst nach etwa 190 absolvierten Flugstunden.

Die rund zweijährige Ausbildung kostet insgesamt 120.000 Euro. Die Hälfte der Ausbildungskosten übernimmt die Airline – aber nur dann, wenn sie den Flugschüler auch als Pilot übernimmt. Eine Übernahmegarantie gibt es jedoch nicht. Wer keinen Job bekommt, muss auch die restlichen 60.000 Euro aufbringen.

„Tolles Gefühl, über den Wolken“

Sebastian Jacobs ist optimistisch: „Wenn ich später viel verdiene, dann kann ich es mir auch leisten, in meine Ausbildung zu investieren.“ Er arbeitet momentan noch als Kundenbetreuer für eine Bürofirma. Als Pilot kann er am Anfang mit einem Brutto-Jahresgehalt von 44.000 Euro rechnen. Für ihn ist noch wichtiger: „Über den Wolken als Pilot, das muss schon ein tolles Gefühl sein.“ Um dieses Gefühl erleben zu können, will er sich im nächsten Jahr bewerben.

Sebastian Jacobs sitzt wieder im Cockpit, um sich noch mal alles erklären zu lassen. Einen großen Vorteil, sagt er augenzwinkernd, hätte es ja, wenn er Pilot wäre: Er müsste sich mit seiner Freundin nicht mehr um den Fensterplatz streiten.

Informationen unter www.airberlin-flightschool.com , Bewerbungen sind jederzeit möglich, die Teilnahme kostet 400 Euro, bei Vertragsabschluss wird die Gebühr erstattet