Autos angezündet

Mutmaßlicher Brandstifter muss in U-Haft

Die intensiven nächtlichen Kontrollen der Polizei haben einen Erfolg gebracht. Der mutmaßliche Autobrandstifter Tobias P. wurde in Berlin-Mitte gefasst, am Abend erhielt er einen Haftbefehl. Er war bereits vor zwei Jahren in das Visier der Ermittler geraten.

Mit der Festnahme eines Mannes in der Nacht zum Sonnabend verbucht die Berliner Polizei einen Erfolg im Kampf gegen die Autobrandstifter. Bei dem mutmaßlichen Brandstifter handelt es sich nach Informationen von Morgenpost Online offenbar um den polizeibekannten Tobias P. Zivile Einsatzkräfte der Bundespolizei hatten den 25-Jährigen in den frühen Morgenstunden um 3.50 Uhr an der Rosenthaler/Ecke Steinstraße in Mitte beobachtet. Dort soll er mit einem Brandbeschleuniger am Kühlergrill eines Audi hantiert haben, der kurze Zeit später in Flammen aufging. Daraufhin nahmen Polizisten in Zivil den Mann nur wenige Meter vom Tatort entfernt fest. „Die beiden Bundespolizisten haben sich taktisch sehr clever verhalten. Sie haben den Mann beim Hantieren an dem Wagen beobachtet und sofort zugegriffen, als der Wagen wenig später in Flammen stand. Somit gilt die Tat als beobachtet“, sagte ein Ermittler. Am Abend wurde ein Haftbefehl gegen ihn erlassen.

Sicherlich, so der Beamte weiter, würde der neue Polizeierfolg die Brandstifter abschrecken. Innerhalb der Polizei gehe man aber nicht davon aus, dass die Brandstiftungen an Autos wie auch in Hausfluren und Müllcontainern ganz aufhören würden. „Es gibt so viele Verrückte in der Stadt, die sich nicht einmal von Haftstrafen abschrecken lassen und zudem die Gefährdung des Lebens anderer Menschen offenbar wissentlich in Kauf nehmen.“

Der Staatsschutz ermittelt

Zuvor waren die Beamten wegen eines anderen brennenden Autos, ebenfalls einem Audi, an die Joachim/Ecke Gipsstraße gefahren. Bei der Suche in der Umgebung entdeckten die Beamten den Mann, der sich verdächtig verhielt und unter anderem auch durch die Gormannstraße gelaufen war. Nach der Festnahme von Tobias P. stellten weitere hinzugezogene Beamte der Bundespolizei einen brennenden BMW und ein durch das Feuer beschädigten VW an der nahe gelegenen Gormannstraße fest. Die Feuerwehr löschte die Brände. Der Polizeiliche Staatsschutz hat die Ermittlungen übernommen. In den Vernehmungen des Tatverdächtigen geht es den Beamten unter anderem darum, ob der polizeibekannte Mann für weitere Brände in der Nacht und auch in den zurückliegenden Wochen zur Verantwortung gezogen werden kann.

Tobias P., der unbestätigten Berichten zufolge als freier Fotograf arbeiten soll, war bereits vor zwei Jahren in das Visier der Polizei geraten. Damals stand der Sohn eines Linken-Politikers in Lichtenberg im Verdacht, Feuer an zwei Luxusautos gelegt zu haben. Zivilfahnder erwischten ihn im November 2009 in unmittelbarer Nähe des Tatorts im Samariterkiez in Friedrichshain.

Kontakte in die linksextreme Szene

Um mögliche Beweise zu sichern, stülpten die Ermittler damals Plastiktüten über seine Hände. So sollten mögliche Spuren von Brandbeschleunigern gesichert werden. Er kam in Untersuchungshaft. Nach mehr als 40 Tagen Haft musste er jedoch wieder auf freien Fuß gesetzt werden. Der Tatverdacht der Brandstiftung hatte sich nicht erhärtet. Nach seiner Festnahme im November 2009 hatten 140 Polizisten auch zwei besetzte Häuser an der Liebigstraße durchsucht. Dabei sollten weitere Beweismittel gesichert und geklärt werden, ob der damals 23 Jahre alte Tobias P. als Verursacher weiterer Brandstiftungen in Betracht kommt. Während seiner Untersuchungshaft hatte die linke Szene zu Solidaritätsbekundungen aufgerufen. Der gebürtige Berliner, der in Hohenschönhausen zur Grundschule ging und bis 2003 die Fritz-Reuter-Oberschule besuchte, pflegt intensive Kontakte zur linksextremen Szene.

Die Suche nach den Brandstiftern war in den vergangenen Monaten nur mäßig erfolgreich: Ende August wurden eine Frau und ein Mann in Prenzlauer Berg festgenommen. Sie gelten jedoch als „Trittbrettfahrer“, die nicht für weitere Taten infrage kommen. Eine Woche später gab es eine weitere Festnahme in Kreuzberg. Der 28-jährige Mann kam wieder frei, weil sich der Verdacht gegen ihn nicht erhärten ließ.

Vor dem Amtsgericht Tiergarten läuft derzeit ein Prozess gegen einen mutmaßlichen Autozündler. Doch auch hier musste ein Polizist vor wenigen Tagen einräumen, dass ein politisches Motiv nicht erkennbar sei. Zwei Brandstifter sind in diesem Jahr bereits zu Bewährungsstrafen verurteilt worden, zwei andere Prozesse um politisch motivierte Brandstiftungen endeten mit Freisprüchen.

Im laufenden Jahr sind in Berlin weit mehr als 570 Autos komplett ausgebrannt oder durch Feuer beschädigt worden. Die Ermittler machen dafür drei Tätergruppen verantwortlich: Linksextreme, die aus politischen Gründen Fahrzeuge anzünden, Nachahmungstäter sowie Täter, die aus persönlichen Motiven wie Rache oder Versicherungsbetrug handeln.

Um ihnen auf die Spur zu kommen, sind auf Druck der Öffentlichkeit seit etwa zwei Monaten jede Nacht bis zu 650 Polizisten auf Berlins Straßen im Einsatz, darunter auch Beamte der Bundespolizei. Dennoch ist es auch in der vergangenen Nacht zu weiteren Anschlägen gekommen. So auf zwei Fahrzeuge der Deutschen Bahn. Am Blumberger Damm in Marzahn löschte gegen 0.30 Uhr ein Passant das neben einem Firmenfahrzeug entfachte Feuer – noch bevor die Flammen auf das Auto übergeschlagen konnten. Zwei weitere Zeugen gaben an, dass an dem Fahrzeug vier hell gekleidete Personen hantiert hätten und in Richtung Blumberger Damm geflüchtet seien. Etwa 100 Meter vom Tatort entfernt entdeckten Polizisten ein Fahrrad mit brennenden Reifen. Bei einem weiteren Bahn-Fahrzeug an der Krautstraße in Friedrichshain ist es bei einer eingeschlagenen Seitenscheibe geblieben. Gegen fünf Uhr hatten Beamte einer Polizeistreife einen Knall gehört und beobachtet, wie sich mehrere Personen von dem Fahrzeug entfernten. Dabei könnte es sich um die bereits kurz nach Mitternacht gesehene Tätergruppe gehandelt haben.