Neueröffnung

Café Moskau ist zurück im Berliner Nachtleben

Das Café Moskau in Berlin-Mitte ist wieder da. Zu Ost-Zeiten noch Tummelplatz der Eliten, soll am Abend der Nachtklub mit einer Party wiedereröffnet werden. Den Charme der Vergangenheit will Chef Oliver Rübenkamp jedoch erhalten.

Foto: Christian Schroth

In der einen Hand hält Oliver Rübenkamp (40) eine Zigarette, in der anderen eine Dose Red Bull. Auf dem Dach des Café Moskau glänzt in der Nachmittagssonne die Nachbildung des sowjetischen Satelliten Sputnik. Rübenkamp ist Geschäftsführer vom Moskau Berlin und wird am heutigen Freitag den Club im Keller des legendären Baus an der Karl-Marx-Allee in Mitte eröffnen. In letzter Zeit raucht er zuviel und schläft zu wenig.

Zahlreiche Berliner Clubs und Kneipen mussten in den vergangenen Wochen schließen. Die Anwohner hatten sich wegen des Lärms beschwert. Das Café Moskau traut sich trotzdem und eröffnet nach vielen Jahren wieder einen Nachtclub mit regelmäßigem Betrieb.

Seit 1964 gibt es das Moskau. Zu Ost-Zeiten machte sich vor allem die Berliner Elite auf den Weg dorthin, um im Nationalitätenrestaurant zu essen und sich bei einem Absacker an der Bar der Gesellschaft zu präsentieren. Nach der Wende wurde aus dem Restaurant ein Nachtcafé, und die Szene feierte bis in die Morgenstunden die Freiheit, Berlin und sich selbst. Noch herrscht Chaos auf den 600 Quadratmetern, auf denen am Freitag rund 500 Berliner feiern und tanzen sollen. Zwischen Kisten, Kabeln, Leitern und Mobiliar arbeiten Techniker und Maler. Das Licht soll violett werden, die Wände goldfarben.

Die Bar aus hellem, glänzendem Holz steht schon da, wo sie hingehört. Sie ist der Mittelpunkt des Raumes. Hier werden an einem normalen Abend 20 Kisten Bier und 80 Liter Wodkamischgetränke verkauft, schätzt Rübenkamp.

Wer sitzen möchte, kann sich auf eine der 13 roten Ledercouchen lümmeln, die an den Wänden des Raums verteilt sind. Die Sofas sind noch original aus den Anfängen des Café Moskau. „Wir wollten unbedingt den Charme der vergangen Zeit erhalten und mit neuen Akzenten kombinieren“, sagt Rübenkamp. Zu den modernen Akzenten gehört ein futuristisch geformtes DJ-Pult aus glänzendem weißem Plastik. Es steht gegenüber der Bar, dazwischen liegt die Tanzfläche. Die Atmosphäre in den Clubräumen ist schon jetzt edel, obwohl noch so vieles unfertig ist. Die Wände sind mokka- und goldfarben gestrichen, der Boden ist mit dunklem Parkett belegt, an vielen Wänden hängen Spiegel.

Nostalgie und gute Drinks

Viele Berliner haben zu DDR-Zeiten ihre Jugendweihe oder ihre Hochzeit im Moskau gefeiert. Noch heute würden sie in Nostalgie schwelgen, wenn sie hierher kommen, erzählt Rübenkamp. Die jüngeren Leute erwarten vor allem angesagte Musik, schickes Ambiente und gute Drinks. Die Schnittmenge dieser beiden Welten wird vermutlich das Reizvolle an dem neuen Club in Mitte sein. Die Räume tragen alle Namen ehemaliger sowjetischer Raumsonden. Der Vorraum heißt Zond, der Tanzraum Bion.

Die Zielgruppe des neuen Clubs liegt im Kern zwischen 20 und 30 Jahren. Doch Rübenkamps wichtigster Gast bei der Eröffnung ist seine Mutter. „Sie soll doch sehen, dass aus der Rotzgöre was geworden ist“, sagt er und lacht. Sei 20 Jahren macht er Events in Berlin und Hamburg. Doch das Café Moskau umgibt eine besondere Magie, der Rübenkamp gerecht werden will. Er will die Geschichte des Cafés bewahren. Er will einen angesagten Club etablieren. Und er will, dass die Leute glücklich nach Hause gehen und sagen: „Unser Café Moskau ist wieder da.“

Seine Barkeeper und Sicherheitsleute hat er persönlich ausgewählt, sie sind das Herzstück eines Clubs. „ Ansonsten wollen wir uns alles offen lassen“, sagt Rübenkamp. „Wir wollen flexibel sein und versuchen, mit unseren Gästen zusammenzuwachsen.“ Rübenkamp lehnt an der Bar und betrachtet seinen Club. In den Kellerräumen herrscht Dämmerung, das Licht funktioniert noch nicht. Eines der roten Ledersofas liegt umgedreht auf dem Boden. Der Rückwand des Sofas sieht man die vielen Jahrzehnte an, in denen es Liebespaare, Betrunkene und Einsame getragen hat. Die Vorderseite ist schon frisch bezogen. Einer der Arbeiter balanciert auf einer klapprigen Leiter und hantiert mit meterlangen Kabeln. Es wird gehämmert, geflucht und gelacht. In einem kleinen Kühlschrank stehen immerhin schon Cola und Energydrinks. Die braucht Rübenkamp im Moment fast genauso dringend wie seine Zigaretten.

Mit Hund Horst nach Brandenburg

Er steht jeden morgen um 5 Uhr auf. Seit vier Monaten läuft die Planung für den neuen Club auf Hochtouren. Alles muss perfekt organisiert sein. Personal, Einrichtung, DJs, Logistik, Bestellungen. Bis zur letzten Zitrone hat Rübenkamp alles im Blick. „Dabei hab ich es eigentlich gar nicht so mit Partys“, sagt er. Er mag es lieber gemütlich, friedlich, häuslich.

Deshalb ist er nach Brandenburg gezogen, zusammen mit seinem Hund Horst. Der dreijährige Bouvier hat in den vergangenen Wochen viel Zeit unter dem Schreibtisch in Rübenkamps Büro verbracht. „Das gehört alles dazu“, sagt Rübenkamp. „Der Stress. Die Bauchschmerzen. Die ganze Nervosität.“ Er steigt die Treppen aus dem Keller hinauf, um vor dem Gebäude eine Zigarette zu rauchen. Kaum zwei Minuten braucht er für eine Kippe.

Im Club selbst wird es eine Raucherlounge geben. „Wegen der Anwohner“, sagt Rübenkamp. Es sei enorm wichtig, dass die sich nicht durch Lärm belästigt fühlen. Deshalb wird auch die Schlange der Wartenden von der Straße in einen Vorraum des Cafés verlegt. „Wir hätten Zettel verteilen sollen“, sagt Rübenkamp. So wie damals, wenn man eine Geburtstagsparty gefeiert hat: „Liebe Nachbarn, bitte entschuldigen Sie, wenn es etwas lauter wird. Kommen Sie doch einfach vorbei und feiern mit!“

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