Von Kosmos bis Ritter Butzke

Berlin-Wahl – hier wollen die Parteien feiern

Die Parteien haben für Sonntagabend in der ganzen Stadt Wahlpartys organisiert. Morgenpost Online sagt, wo die Politiker feiern wollen.

Noch ist offen, wer die Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus gewinnt und welche Koalitionen möglich sind. Eins ist aber sicher: Alle Parteien wollen feiern und haben große Wahlpartys vorbereitet. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hat auch an diesem Abend ein volles Programm.

Wowereit plant seinen ersten Auftritt nach der Bekanntgabe der ersten Hochrechnungen im Kreise seiner politischen Freunde. Kurz nach 18 Uhr will er auf der Bühne der Kulturbrauerei in Prenzlauer Berg erscheinen, wo die Sozialdemokraten sich versammeln. „Wir rechnen mit 2000 Gästen“, sagte SPD-Sprecherin Daniela Augenstein am Sonnabend. Viele Parteimitglieder und Anhänger der SPD wollen ab 17 Uhr mit dabei sein, wenn Wowereit möglicherweise seinen dritten Wahlsieg einfährt. An Wowereits Seite wird auch sein Lebensgefährte Jörn Kubicki sein, hieß es aus Parteikreisen. Bei der vergangenen Wahl 2006, bei der die SPD im E-Werk in Mitte feierte, war Kubicki auf der Bühne erschienen und von Wowereit umarmt worden. Es war das Bild des Abends.

In diesem Jahr gehören zu den prominenten Gratulanten in der Kulturbrauerei auch der Bundesvorsitzende der SPD, Sigmar Gabriel und Generalsekretärin Andrea Nahles. Nahles war es auch, die Wowereit Qualitäten eines Kanzlerkandidaten nachgesagt hatte. Gabriel wiederum gilt selbst als einer der möglichen Kanzlerkandidaten. Wowereit hat sich zu seiner möglichen beruflichen Zukunft auf der Bundesebene nie endgültig geäußert.

Viel hängt aber davon ab, wie die Abgeordnetenhauswahl 2011 für die SPD ausgeht. „30 plus x“ ist das selbst gesteckte Ziel. 30,8 Prozent hatte die Partei bei der Wahl vor fünf Jahren. Während Wowereit dann in der Kulturbrauerei sein wird, eilt der Berliner Landes- und Fraktionsvorsitzende Michael Müller zum Abgeordnetenhaus, um an den ersten TV-Runden teilzunehmen. Bis zum Schluss war offen, ob Wowereit, der etwas später folgen will, es noch bis zur ZDF-Heute-Sendung ins Abgeordnetenhaus schafft.

Deutlich wahrscheinlicher ist sein Fernsehauftritt um 20 Uhr in der ARD-Tagesschau. Später am Abend wird Wowereit dann auch noch bei Günther Jauch in der ARD zu sehen sein. Wowereit, der häufig in TV-Sendungen zu Gast ist, weiß um die Wirkung der Bilder an diesem Abend. Die Sozialdemokraten und ihre Anhänger können diese Sendungen und die Hochrechnungen auf mehreren großen Bildschirmen in der Kulturbrauerei verfolgen.

Die CDU versammelt ihre Anhänger zunächst im Abgeordnetenhaus. Ihr Spitzenkandidat Frank Henkel wird um 18.15 Uhr in Raum 311 vor seine Fraktion und Mitarbeiter treten und die ersten Hochrechnungen kommentieren. Für die Union, die nach der Koalitionsabsage durch Grünen-Spitzenkandidatin Renate Künast nur noch ein Bündnis mit der SPD schmieden kann, geht es auch darum, ein besseres Ergebnis als 2006 zu erzielen. Mit dem Spitzenkandidaten Friedbert Pflüger kam die Union auf 21,3 Prozent der Stimmen – ein historisches Tief. Die Stimmung im Raum 311 wird also auch davon abhängen, wie groß der Abstand zu 2006 sein wird. Die letzten Umfragen sahen die Partei bei 22 Prozent. Auch für Henkel stehen am Sonntag mehrere Auftritte im Abgeordnetenhaus vor den Fernsehkameras an. Eine weitere zentrale Feier ist nicht geplant. Die CDU, die traditionell föderal organisiert ist, feiert in den Kreisverbänden in den Bezirken. So feiert beispielsweise die CDU in Steglitz-Zehlendorf ab 17.30 Uhr im Ratskeller des Rathauses Zehlendorf das Wahlergebnis.

Die Grünen wollen in ihrem „Heimatbezirk“ Kreuzberg feiern. Im Festsaal Kreuzberg in der Skalitzer Straße werden sowohl Spitzenkandidatin Renate Künast als auch Bundespolitiker, die Landesspitze und viele Anhänger ab 17.30 Uhr erwartet. Selbst wenn das Wahlergebnis nicht so ausfällt wie Umfragen vor einigen Monaten prognostiziert haben, wollen die Grünen Party machen. „Wir werden ein Rekordergebnis erreichen“, so Renate Künast kurz vor der Wahl. Ihr Auftritt vor der Partei ist gegen 18.30 Uhr geplant. Dafür müssten die Grünen ihr Ergebnis der vergangenen Wahl übertreffen. Damals lagen sie bei 13,1 Prozent. Die letzten Umfragen sahen die Partei bei 18 Prozent. Ob allerdings nach dem Wahlkampf die Feiernlaune bis tief in den Abend reichen wird, hängt auch davon ab, ob die SPD positive Aussagen zu einer Koalition mit den Grünen machen wird. Bisher geben sich die Sozialdemokraten auch offen für andere Bündnisse. Geplant ist jedenfalls vorläufig mit einem Ende gegen 22.30 Uhr.

Die FDP, die um den Wiedereinzug bangen muss, versammelt ihre Mitglieder und Anhänger ab 17.30 Uhr sowohl im Abgeordnetenhaus als auch in der Bundeszentrale, dem Thomas-Dehler-Haus in der Reinhardtstraße in Mitte. Da im Abgeordnetenhaus hohe Sicherheitsvorkehrungen herrschen und nur Personen mit Akkreditierungen eingelassen werden, müssen FDP-Anhänger ohne Einlasskarten zur Bundeszentrale. Dort hatte auch schon die Wahlkampfabschlussveranstaltung der Liberalen stattgefunden. Spitzenkandidat Christoph Meyer, der im Endspurt das Thema Eurorettung setzen wollte, wird im Abgeordnetenhaus vor die Kameras treten. Die Anhänger der Linkspartei finden sich ab 17 Uhr im Kosmos in der Karl-Marx-Allee ein. Sollte das Ergebnis ähnlich werden wie die letzten Umfragen es verheißen, wird die Feierlaune nicht überschwänglich sein. Denn die Linke käme dann nur auf etwa zwölf Prozent – einen Prozentpunkt weniger als bei der Wahl vor fünf Jahren. Allerdings könnte der Einzug der Piraten ins Abgeordnetenhaus jegliche Koalition mit der SPD zunichte machen. Sollten die Piratenpartei allerdings nicht über die Fünf-Prozent-Hürde kommen, wäre möglicherweise eine Neuauflage von Rot-Rot oder ein Rot-Rot-Grünes-Bündnis möglich. Von den ersten Umfragen wird dann auch die Reaktion des Spitzenkandidaten Harald Wolf abhängen.

Linke versteckt Schatzkisten

Trotzdem werden am Wahlabend Sektkorken knallen. Denn in den vergangenen Tagen hatte die Linkspartei per Internet zu einer Schatzsuche aufgerufen. An zehn Orten in Berlin sollte die soziale Politik der Partei sichtbar werden – und eine Schatzkiste versteckt sein. „Wer mit seiner Schatzkiste zur Wahlparty am 18. September in das Kino Kosmos kommt, erhält eine Flasche Sekt“, versprach die Partei im Internet allen Mitspielern.

In der Ritterstraße in Kreuzberg wollen ab 17 Uhr die Piraten feiern. Denn sie könnten zum ersten Mal in ihrer jungen Geschichte in ein Landesparlament einziehen. Die letzten Umfragen sahen sie deutlich über der Fünf-Prozent-Hürde. Der Einzug in einige Bezirksverordnetenversammlungen, wo die Partei über drei Prozent kommen muss, scheint ebenfalls möglich. „Wir sind selbst von der Welle der Euphorie überrascht“, sagte Spitzenkandidat Andreas Baum. Feiern wollen die Piraten im „Ritter Butzke“.