Brandstiftungen

Nach einer Woche Pause brennen wieder Autos

Wieder hat es in Berlin Brandanschläge gegeben. In Gesundbrunnen und Friedrichshain wurden mehrere Fahrzeuge schwer beschädigt.

Foto: dapd / dapd/DAPD

Nach einer ruhigen Woche ohne Brandanschläge haben in der Nacht zu Sonnabend in Berlin wieder mehrere Autos gebrannt. Die Feuerwehr musste drei Brände in Hellersdorf, Gesundbrunnen und Friedrichshain löschen, bei denen vier Pkw zum Teil erheblich beschädigt wurden. Menschen kamen nicht zu Schaden. In zwei Fällen ermittelt der polizeiliche Staatsschutz des Landeskriminalamtes gegen die unbekannten Brandstifter, wobei ein politisches Motiv nicht ausgeschlossen werden kann.

Der erste Notruf erreichte die Feuerwehr am Freitagabend um 23.20 Uhr aus Hellersdorf. Eine Anwohnerin der Nossener Straße hatte Feuerschein im Innenraum eines Nissan Micra bemerkt. Trotz Löscharbeiten brannte das Wageninnere vollständig aus. Die Polizei geht von einem technischen Defekt als Ursache aus, ein Brandkommissariat hat die Ermittlungen übernommen.

Passanten rufen Feuerwehr

Kurz nach 2 Uhr war ein Ford Fiesta in Gesundbrunnen betroffen. Passanten hatten die Polizei und die Feuerwehr alarmiert, nachdem offenbar ein Brandstifter Feuer in dem Innenraum des Wagens gelegt hatte. Nach Polizeiangaben war eines der hinteren Seitenfenster beschädigt und mit einer Folie abgeklebt gewesen. Der oder die Täter hatten diese zunächst entfernt und dann das Auto in Brand gesetzt. Auch in diesem Fall brannte der Innenraum des Fahrzeuges komplett aus. Der Ford wurde von der Polizei für die Spurensicherung sichergestellt. In Friedrichshain brannte schließlich gegen 4.45 Uhr ein Audi A3 in der Rigaer Straße. Unbekannte hatten Feuer an einem Radkasten des Wagens gelegt. Der Brand führte nach Polizeiangaben zu Beschädigungen im Heckbereich. Durch die Hitzeabstrahlung wurde auch ein neben dem Audi geparkter Wagen beschädigt. Der angezündete Audi wurde sichergestellt. In diesem und dem Fall des Fiesta ermittelt der Staatsschutz. Seit Jahresbeginn sind in Berlin mehr als 570 Fahrzeuge durch Feuer zerstört oder beschädigt worden. Schon jetzt steht fest, dass 2011 bei Autobränden ein Rekordjahr werden wird. Im bisherigen Rekordjahr 2009 brannten 476 Autos. Im Vorjahr zählte die Polizei 300 brennende Fahrzeuge.

Nach deren Angaben stünden jedoch weniger als die Hälfte der Schadensfälle in diesem Jahr in Zusammenhang mit politisch motivierten Brandstiftern. „Seit Beginn des Jahres sind in Berlin 156 politisch motivierte Brandanschläge auf Autos verübt worden. 93 weitere Pkw wurden dabei beschädigt“, sagte Polizeisprecher Martin Otter am Sonnabend. Zudem hätten 248 Autos gebrannt, bei denen nicht von einem politischen Tathintergrund ausgegangen wird. Bei diesen Taten wurden 74 Pkw beschädigt, die im Umfeld der angegriffenen Autos geparkt standen. Insgesamt identifizieren die Fahnder drei Tätergruppen: Linksextreme, Nachahmungstäter sowie Täter, die aus persönlichen Motiven wie Rache oder Versicherungsbetrug handelten.

Nachdem es zu Jahresbeginn kaum Brandstiftungen gab, stieg ab Mai die Anzahl der Brandanschläge deutlich an. Mitte August eskalierte die Situation, keine Nacht verging mehr ohne gezielte Brandstiftungen, bei denen zum Teil mehr als 15 Wagen pro Nacht betroffen waren.

Die Brandserie wurde zum Wahlkampfthema, die Berliner CDU druckte Plakate mit Autos in Flammen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) schaute „mit großer Sorge“ auf die Stadt, Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CDU) bot der Berliner Polizei Unterstützung an. Der Senat lehnte das Angebot zunächst ab. Nur zwei Tage später akzeptierte er es dann doch. Seither unterstützen rund 100 Bundespolizisten ihre inzwischen 550 pro Nacht eingesetzten Berliner Kollegen. Kurz darauf konnten in Prenzlauer Berg zwei mutmaßliche Brandstifter gefasst werden. Die Täter hatten offenbar einen BMW an der Ibsenstraße angezündet, ein Anwohner hatte die Verdächtigen zuvor bemerkt und der Polizei eine Personenbeschreibung gegeben. Beide Tatverdächtige, ein 27-Jähriger und eine 23-Jährige, befinden sich in Untersuchungshaft.