Dauerstreik

CFM-Streik bedroht Sparziele der Charité

Die niedrigen Lohnkosten bei den Service-Kräften des Universitätsklinikum sind politisch gewollt - denn die Charité muss sparen. Sollte die CFM zu teuer werden, würden andere Firmen einspringen. Verdi sagt deshalb einen langen Arbeitskampf voraus.

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Im Arbeitskampf des Servicepersonals am Universitätsklinikum Charité sind auch am dritten Streiktag die Fronten verhärtet. Am Mittwoch zogen 200 Mitarbeiter der Charité Facility Management (CFM) vor das Rote Rathaus. Sie fordern einen Tarifvertrag und für dieses Jahr pauschal 168 Euro mehr Gehalt. „Unser Streik richtet sich an die CFM-Geschäftsführung, die Charité selbst und auch an das Land“, sagte die Verhandlungsführerin der Gewerkschaft Verdi, Sylvi Krisch.

Die CFM ist keine normale Firma. 2006 gründete der Charité-Vorstand auf Druck des Senats das Unternehmen, um Kosten in der Reinigung, bei Wachdiensten, technischen Leistungen, im Catering, bei der Sterilisation und in der Bauplanung zu sparen.

Negativ-Schlagzeilen von Anfang an

Das Unternehmen, das zu 51 Prozent der landeseigenen Charité und zu 49 Prozent den privaten Partnern Dussmann, Vamed und Hellmann gehört, machte von Anfang an negative Schlagzeilen. Zuerst gab es den Verdacht, bei der Vergabe der Dienstleistungen für die Charité an die CFM sei gemauschelt worden. Mitarbeiter bis hin zum ehemaligen Geschäftsführer flogen als Stasi-Mitarbeiter auf. Von Anfang an gab es Kritik daran, die Kosten ausgerechnet über niedrigere Löhne der Mitarbeiter zu drücken. 2012 muss die Politik entscheiden, ob sie das Modell fortsetzen will.

Von den 2500 CFM-Beschäftigten werden 700 von der Charité gestellt und verdienen mehr als ihre 1800 Kollegen ohne Tarifvertrag.

Höchstens eine schwarze Null

Der von der Vergangenheit unbelastete CFM-Chef Toralf Giebe sieht keinen Spielraum: „Wenn wir den Forderungen der Gewerkschaften nachgeben, wären wir von der Insolvenz bedroht.“ Mit der Charité mache die Firma 125 Millionen Euro Umsatz und 400.000 Euro Gewinn. Nachdem die Verhandlungen mit den Gewerkschaften gescheitert waren, hatte die CFM für viele Mitarbeiter die Stundenlöhne leicht angehoben, für die Wachleute auf 7,50 Euro, in der Logistik auf 8 Euro. Reinigungskräfte erhalten nun auch Urlaubsgeld. Deshalb werde es 2011 höchstens eine schwarze Null geben, sagt der Manager.

Die CFM spare der Charité etwa 12 Millionen Euro an Kosten für die nicht-medizinischen Leistungen pro Jahr, rechnet Giebe vor. Würden die Mitarbeiter nach dem Tarifvertrag für die Charité bezahlt, wären diese Entlastungen nicht mehr zu halten. Letztendlich müsste die Charité mehr bezahlen. Das wiederum würde das vom Senat dem Charité-Vorstand Karl Max Einhäupl ultimativ vorgegebene Ziel sprengen, 2011 für das Uni-Klinikum ohne Defizit abzuschließen.

Verdi kündigt Kampf an

Der CFM-Chef argumentiert, anders als in der Charité selbst, wo Pflegekräfte noch immer weniger verdienen als ihre Kollegen andernorts, würden Wachleute, Fahrer, Reinigungskräfte oder Ingenieure bei ihm so viel verdienen wie in anderen Unternehmen der jeweiligen Branche auch. Sollte die CFM zu teuer werden, würden andere Firmen einspringen, die ihre Leute auch nicht höher besolden. Die Streikbereitschaft sei deshalb nicht stark ausgeprägt, heißt es in der Chefetage, viele Mitarbeiter seien hochqualifiziert und verdienten entsprechend gut. Die Gewerkschaft IG Bau, der viele Putzkräfte angehören, hat das Angebot der CFM für ihre Leute angenommen und ruft nicht zum Streik auf. Inzwischen seien aber auch viele Gebäudereiniger aus der IG Bau aus- und bei Verdi eingetreten, sagt Funktionärin Krisch.

Aber für Verdi steht auch tarifpolitisch vieles auf dem Spiel. Die Gewerkschaft will nicht zulassen, dass es im öffentlichen Sektor ein großes Unternehmen ohne Tarifvertrag gibt. Bisher, so heißt es bei der CFM, hielten sich die Folgen des Arbeitskampfes für den Betrieb in Grenzen, notfalls würden die Leistungen extern eingekauft. Verdi-Frau Krisch kündigt einen langen Arbeitskampf an. Und folgenlos sei der Streik nicht. Patienten müssten schon jetzt zwei Stunden auf einen Transport warten. Und externe Firmen zu beauftragen, lasse die Kosten steigen.