"Mercedes-Effekt"

O2-World-Areal wird Büro-Hotel-Quartier

Nach der Mercedes-Zentrale zieht jetzt ein weiterer Investor an die Spree. Porr Solution wird ein Büro- und Hotelquartier auf dem jetzigen P3-Parkplatz der Arena bauen. Die ersten Büros sind bereits vermietet: an die Eisbären.

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Als vor genau drei Jahren die O2 World auf dem Gelände des ehemaligen Ostbahnhofs eröffnete, wirkte die riesige Veranstaltungshalle wie ein im Niemandsland gestrandetes Ufo. Ein Eindruck, der sich bis heute nicht wesentlich geändert hat. Doch mit dem Ende August erfolgten Baubeginn für die Vertriebszentrale von Mercedes-Benz tut sich nun etwas auf der Brachlandschaft. Nachdem die Daimler AG ihre Absicht bekundet hat, an die Mühlenstraße zu ziehen, wagen sich weitere Investoren aus der Deckung: Am Mittwoch gab der Projektentwickler Porr Solution bekannt, im kommenden Jahr mit dem Bau eines Hotel- und Bürocampus zu beginnen. Der Kaufvertrag für ein 7500 Quadratmeter großes Baugrundstück von der Anschutz Entertainment Group, denen das Areal um die Halle gehört, sei bereits unterschrieben.

Ein belebtes Quartier

Auf dem Baugrundstück zwischen Mühlen-, Tamara-Danz-, Hedwig-Wachenheim- und Wanda-Kallenbach-Straße befindet sich derzeit der Parkplatz P3 der O2 World. Der geplante Bürocampus besteht aus vier Gebäuden mit Büroflächen zwischen 400 und 8000 Quadratmetern. Insgesamt entstehen 26.000 Quadratmeter Bürofläche, die Platz für rund 900 Arbeitsplätze bieten. Die Gebäude gruppieren sich um zwei Innenhöfe, die sich zu den umgebenden Straßen öffnen. „In den Erdgeschossflächen werden Einzelhandels- und Gastronomieflächen für ein belebtes Quartier sorgen“, so Christian Berger, Geschäftsführer von Porr Solutions Deutschland, einer Tochter der österreichischen Porr-Gruppe. Im nördlichen Gebäuderiegel ist zudem ein Drei- bis Vier-Sterne Hotel mit etwa 220 Zimmern und Konferenzflächen geplant. Insgesamt entstehen 34.000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche. Berger beziffert das Investitionsvolumen auf 71 Millionen Euro.

Erste Büromieter auf dem Campus sind die Eisbären Berlin sowie die Porr Solutions Deutschland selbst. Wer das Hotel betreiben soll, will Berger indes noch nicht sagen. Nur soviel: „Es ist nicht Best Western, für die wir in Berlin schon das Haus am Spittelmarkt und an der Frankfurter Allee errichtet haben.“

Im Januar 2012 will Berger den Bauantrag einreichen. „Ich rechne damit, im Juni mit dem Bau beginnen zu können“, so Berger weiter. Die Bauzeit soll maximal 18 Monate betragen. Damit könnte das Bauvorhaben noch im Herbst 2013 fertig werden – und damit noch im gleichen Jahr wie die Mercedes-Zentrale auf der gegenüberliegenden Seite der Arena. Anders als beim Bau des Daimler-Turms besteht die Aussicht, dass der Protest gegen das Bauvorhaben diesmal wesentlich verhaltener ausfallen wird: Schließlich sollen die Porr-Häuser nur sieben bis acht Geschosse hoch werden und eine Maximalhöhe von 26 Metern erreichen. Bei der Mercedes-Zentrale hatte es ebenso heftige wie erfolglose Proteste von der Initiative „Mediaspree versenken!“ und auch der Grünen im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg gegeben, die Hochhäuser im Spreebereich verhindern wollten.

54 Meter hohes Haus

Zwar wurden die Planungen für das Verwaltungsgebäude inzwischen modifiziert, an der Höhe von 54 Metern hat sich jedoch nichts geändert. Die Vivico, die das Baugrundstück von der Anschutz Entertainment Group, den Bauherren und Betreibern der O2 World, gekauft hat, kann sich auf einen seit sieben Jahren gültigen Bebauungsplan für ein Entertainment- und Büroviertel berufen, das den Bau von insgesamt fünf Hochhäusern mit einer Höhe von bis zu 135 Metern zulässt.

„Ich kenne das Vorhaben noch nicht im Detail, doch es hört sich nach einem Konzept an, das an diese Stelle passt“, so Franz Schulz, Bürgermeister von Friedrichshain-Kreuzberg (Grüne).

„Wir spüren am gestiegenen Interesse an unseren Baufeldern ganz klar den Mercedes-Effekt“, so Michael Kötter, Projektleiter bei der Anschutz-Gruppe. Mit dem Bau des Büro- und Hotelcampus sei nun ein Meilenstein für die weitere Entwicklung gegeben. „Wir haben aktuell mehrere Anfragen für Wohngebäude“, sagt Michael Kötter. Langfristig müsse man sich nun Gedanken über den Bau von zusätzlichen Parkhäusern machen: „Schon mit dem Verkauf des nächsten Baufeldes wird es sonst langsam eng“.

Neues Stadtquartier

Anschutz-Areal: Das Bauland zwischen Ostbahnhof und Spree umfasst 21 Hektar. Benannt ist das Areal nach dem Eigentümer und Bauherren der O2 World, dem US-Milliardär Phil Anschutz.

520.000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche können entstehen. Zulässig ist der Bau von Büros, Wohnungen, Kinos, Einkaufsmöglichkeiten und Kultureinrichtungen. Der Bebauungsplan sieht vier weitere Hochhäuser zwischen 80 und 135 Meter vor.