"Hinterm Horizont"

Udo Lindenbergs Musical wird zur Schulstunde

Geschichtsunterreicht der etwas anderen Art: Schüler aus Berlin und Brandenburg waren die ersten, die das Musical „Hinterm Horizont" von Udo Lindenberg im Theater am Potsdamer Platz als Schulstunde testen konnten.

Für Udo Lindenberg war es wohl einer der ungewöhnlichsten Auftritte seines Lebens. Am Mittwochvormittag, einer Zeit, zu der er normalerweise noch im Hamburger Hotel Atlantic im Bett liegt, stand der 65 Jahre alte Rocker vor 1800 kreischenden Teenagern und präsentierte eine Unterrichtsbroschüre.

Die Schüler aus Berlin und Brandenburg waren die ersten, die das Musical „Hinterm Horizont“ im Theater am Potsdamer Platz als Schulstunde testen konnten. Um die jüngste deutsche Geschichte zu behandeln, sollen die Lehrer mit ihren Klassen künftig in Berlin nicht nur das Stasigefängnis in Hohenschönhausen, sondern auch die schillernde Welt des Musicaltheaters am Potsdamer Platz besuchen können. Passend zum Bühnenstück hat das Landesinstitut für Schule und Medien Begleitmaterial für die Lehrer erarbeitet.

Geschichte ist "Rock'n'Roll"

Und Udo Lindenberg will den Jugendlichen zeigen, dass die deutsche Geschichte mehr ist als nur trockene Zahlen in den Büchern, nämlich „Power, Action und Rock'n'Roll“, wie er selbst sagte.

Der Anstoß, das Musical über seine Liebesgeschichte mit einem Mädchen in Ost-Berlin für den Schulunterricht zu nutzen, kam von Udo Lindenberg selbst.

„Viele denken ja immer noch, die DDR war ein Insektizid und Honecker eine Knackwurstfirma. Das müssen wir ändern und die ganze Story von der Stasi bis zu unserer Bunten Republik Deutschland erzählen“, sagt Lindenberg.

Anlass zur Diskussion

Zunächst war das Musiktheater für jene gedacht, die mit den alten Songs in Erinnerung ihrer Jugend schwelgen und ihre eigene bewegte Geschichte Revue passieren lassen wollen. Aber funktioniert es auch bei Teenagern, die weder mit der Musik von Lindeberg aufgewachsen sind, noch eigene Bilder mit dem Palast der Republik oder dem Oberindianer Erich Honecker verknüpfen?

„Die Musik ist nicht so oberflächlich wie heute oft und die Texte sind toll“, sagt Paul von der Flatow-Schule in Köpenick. Für ihn ist Udo Lindenberg kein Unbekannter. Mit der Musik ist er praktisch groß geworden. Seine Eltern haben das Musical schon gesehen. Und sie meinten, dass nicht alles so gewesen sei wie in dem Stück. Beispielsweise die Darstellung der DDR-Sportler. Na ja, sagt der 18-Jährige, ihm sei klar, dass nicht alles ganz Ernst sei und dass vieles auch überspitzte Satire sei. Auf jeden Fall sei der Musicalbesuch schon vorher ein Anlass gewesen, zu Hause über die Geschichte zu diskutieren.