Prozess

Berliner verging sich vier Jahre lang an Kindern

35 Mal soll sich Andreas L. an Kindern vergangen haben. Die mutmaßlichen Opfer waren fünf Jungen, alle elf und zwölf Jahre alt. Jetzt muss sich der Berliner wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern vor Gericht verantworten.

Im März dieses Jahres kamen die Taten ans Licht, einen Monat später wurde Andreas L. festgenommen und landete in Untersuchungshaft. Seit Montag muss sich der 44-Jährige wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern vor der 8. Großen Strafkammer des Landgerichts Moabit verantworten.

Der Angeklagte hat die Taten weitgehend gestanden. Er bezieht Hartz IV, hat sich nebenher lange als Fußballtrainer im Jugendbereich engagiert. Außerdem versucht er sich unter dem Pseudonym Angelo Alemao als Schriftsteller und Drehbuchautor. Er ist intelligent und redegewandt, Eigenschaften, die ihm bei seinen Taten durchaus zugute kamen. Der Prozess gegen ihn wäre geeignet als Lehrstück für Kinderschutzorganisationen, Behörden und Eltern. Vom ersten Moment an wurde deutlich, wie es einem pädophilien Sexualtäter in der Regel gelingt, Kontakte zu seinen späteren Opfern herzustellen und ihr Vertrauen, ebenso wie das ihrer Eltern zu gewinnen.

Sein erstes Opfer fand L. 2005. Den älteren Bruder des Jungen hatte er trainiert, die Eltern schätzten und vertrauten ihn. Sie fanden auch nichts dabei, dass beide Kinder den Angeklagten regelmäßig besuchten. Bis zu sexuellen Kontakten zu dem Jüngeren war es dann für L. kein weiter Weg mehr. In einem anderen Fall vermittelte die Mutter eines Opfers, nichtsahnend, den Kontakt. Sie unterhielt freundschaftliche Kontakte zu dem Angeklagten und bat ihn eines Tages, sich mit ihrem Sohn einmal quasi von Mann zu Mann über dessen schulische Probleme zu unterhalten. L. folgte dem Wunsch, beim Reden blieb es allerdings nicht. Einmal reichte es, einem Jungen ein BMX-Fahrrad zu versprechen, ein anderes Mal lockte L. sein späteres Opfer mit dem Angebot, ihn zum Film zu bringen.

Die Opfer schwiegen jahrelang, aus Scham oder aus Angst. Erst im März dieses Jahres offenbarte sich einer der Jungen seiner Mutter. Sie erstattete umgehend Anzeige und L. landete hinter Gittern. Die Eltern der Kinder, insbesondere die Mütter traf es wie ein Schlag, als sie erfahren mussten, dass ein Mann, dem sie vertraut hatten und zu dem sie in freundschaftlicher Beziehung standen, ihre Kinder missbraucht hatte.

Doch nur eine Mutter nahm es auf sich, in der Verhandlung als Nebenklägerin für ihren Sohn aufzutreten. Ihre Befragung zeigt, dass nicht nur die Kinder zu Opfern wurden. Für die Mütter folgte nach Bekanntwerden der Taten eine Zeit tiefster Verzweiflung, sie stellten sich die Frage nach eigenen Versäumnissen und einer möglichen Mitschuld. Die Nebenklägerin erlitt einen Nervenzusammenbruch, der sie bis heute in psychologische Behandlung zwingt.

Andreas L. tritt hingegen ruhig und gelassen auf, Fragen beantwortet er nahezu geschäftsmäßig, als ginge es nicht um scheußliche Verbrechen, sondern um banale Alltagsdinge. Die Gelassenheit überrascht durchaus, L. dürfte ahnen, was auf ihn zukommt. Denn vor Beginn des Prozesses hatten Richter, Staatsanwältin, Nebenklagevertreterin und Verteidiger eine Absprache getroffen: Bei einem Geständnis wird die Staatsanwaltschaft nicht mehr als vier Jahre und zwei Monate fordern. Aber auch nicht weniger als drei Jahre und zehn Monate. Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt, dass Urteil wird in der kommenden Woche gefällt.