Arbeitskampf

Lohn-"Willkür" - Charité-Mitarbeiter streiken

Nach dem Scheitern der Tarifverhandlungen haben Reinigungskräfte, Rettungsassistenten und Küchenhilfen der Berliner Charité Ernst gemacht und bestreiken ihren Arbeitsplatz. Auswirkungen auf Patienten gebe es aber nicht.

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An den drei Standorten der Charité-Klinik hat am Montagmorgen ein unbefristeter Streik der Servicekräfte begonnen. Rund 250 der etwa 1800 Beschäftigten der Tochtergesellschaft Charité Facility Management seien am Montagmorgen nicht zur Arbeit erschienen, sagte Verdi.

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Ungerechte Bezahlung, zu wenig Urlaub, niedrige Löhne: Erneut sind die Mitarbeiter in Europas größtem Krankenhausbetrieb in den Arbeitskampf getreten. 250 der 1800 Beschäftigten der Charité Facility Management GmbH (CFM) kamen Montag Morgen um fünf Uhr nicht zur Frühschicht, sondern stellten sich mit Plakaten, Trillerpfeifen und Fahnen auf den Campus in Mitte. Reinigungskräfte, Rettungsassistenten, Küchenhilfen, Sicherheitsleute und Laborassistenten wollen nach dem Scheitern der Tarifverhandlungen auf unbestimmte Zeit streiken. 99 Prozent der Verdi-Mitglieder hätten für den Streik gestimmt. Ihre Forderungen: Tarifverträge und 168 Euro mehr Monatslohn für die Mitarbeiter.

Keine Nachteile für Patienten

Laut CFM-Sprecherin Lena Weith habe der Streik „keinerlei Auswirkungen auf die Patienten“. Alle vorgesehenen Operationen hätten planmäßig stattfinden können. Bereits im Mai hatten Beschäftigte der CFM sowie Pflegepersonal der Charité für bessere Arbeitsbedingungen gekämpft. Seitdem verhandelt Verdi mit der Geschäftsführung über die Einführung eines Tarifvertrages und eine einheitliche Bezahlung für die CFM-Beschäftigten. Den ersten Streik hatte Verdi für die Verhandlungen ausgesetzt, diesmal jedoch wollen sie bis zur Einigung streiken. 2006 hatte die Charité die Servicekräfte an die CFM ausgegliedert, um Kosten zu sparen. Die Gesellschaft gehört der Charité und privaten Dienstleistungsunternehmen. Die Mitarbeiter erledigen unterschiedliche Aufgaben, von einfachen Dienstleistungen wie Essensausgabe bis zu hochqualifizierten Tätigkeiten. Für die 1800 Mitarbeiter der CFM gibt es keinen Tarifvertrag. Ihre 700 Kollegen, die die Charité der CFM stellt, kommen in den Genuss des Charité-Tarifvertrages. Das Geschäftsjahr 2010 hatte CFM erfolgreich abgeschlossen. Der Gewinn belief sich laut Jahresbericht auf 414?000 Euro.

„Es regt uns auf, wenn der eine Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes 955 Euro im Monat verdient und sein Kollege 1200 Euro“, sagt Streikführerin Sylvi Krisch, „hier herrscht ein hohes Maß an Willkür.“ CFM-Mitarbeiter wie Kristina Schmalz und Aaron Williams bekämen etwa 30 Prozent weniger als Charitébeschäftigte mit Tarifvertrag.

Von Willkür könne keine Rede sein, sagt CFM-Sprecherin Weith. „Wir zahlen Löhne, die auf Tarifniveau der Branche liegen.“ Außerdem sei die Grenze des wirtschaftlich Machbaren erreicht. Denn CFM habe die Löhne bereits zum Teil erhöht und die Urlaubs- und Arbeitsbedingungen verbessert. So bekämen Mitarbeiter in der OP-Reinigung bereits 9,10?Euro pro Stunde statt 8,67? Euro.

„Die Zahlen täuschen“, sagt Sylvi Krisch von Verdi. „Die Erhöhung betrifft nur eine geringe Anzahl der 700 Leute, die in der Reinigung angestellt sind.“ Generell mache CFM Scheinangebote, um Lohnerhöhungen bei Zuschlägen wieder einzusparen. Viele Beschäftigte müssten zusätzlich Hartz IV beantragen.

Nach Ansicht der Berliner Linke-Fraktion verhält sich die CFM-Geschäftsführung „inakzeptabel“. „Immer noch werden in dem Unternehmen Tarifstrukturen geduldet, die teilweise unter dem Mindestlohn liegen“, kritisiert der gesundheitspolitische Sprecher der Linken, Wolfgang Albers. Auch Mario Czaja, gesundheitspolitischer Sprecher der CDU, ist für eine schnelle Einigung mit Tarifverträgen. „Jeder Tag, an dem die Mitarbeiter nicht tätig sind, kostet die Charité viel Geld.“