Donnerwetter über Berlin

Sommer verabschiedet sich mit 65.000 Blitzen

Mit bis zu 65.000 Blitzschlägen und reichlich Regen meldete sich am Sonntag in Berlin das schlechte Wetter zurück. Schuld daran war Tief "Frank". Ist ein solches, stundenlanges Donnerwetter noch normal?

Foto: dpa / dpa/DPA

Temperaturunterschiede von mindestens zwölf Grad haben die blitzreichen Gewitter am Sonntagabend verursacht. Tief „Frank“ transportierte auf seinem Weg von Island und Schottland nach Deutschland unterschiedliche Luftmassen. In der Mitte Deutschlands prallten am Sonntag schwül-warme Luft mit mehr als 30 Grad und kühle Luft mit Temperaturen unter 20 Grad aufeinander. Nach einem beinahe hochsommerlichen Tag verdunkelte sich der Himmel auch über Berlin und Brandenburg. Gegen 19 Uhr ging es dann richtig los: Ein Blitz nach dem anderen schoss aus den Wolken, aus allen Richtungen war Donnergrollen zu vernehmen, durch Wetterleuchten entstanden gespenstische Szenerien, und es schüttete wie aus Eimern. Gefühlt war es eines der heftigsten Gewitter des Sommers. Doch wie stark war es tatsächlich?

„Ganze 60000 bis 65000 Mal hat es an diesem Abend geblitzt“, sagt Marcus Beyer, Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst in Offenbach. Schon tagsüber hatte es deutliche Hinweise gegeben, dass sich ein Unwetter zusammenbraut. Meteorologen um Norma Liefke vom Deutschen Wetterdienst in Potsdam hatten die Bewegung der Kaltfront bereits beobachtet.

Das Gewitter nahm seinen Ursprung südlich des Flämings und zog dann über Schönefeld bis nach Müncheberg östlich von Berlin. Um 21 Uhr maßen die Wetterstationen elf Liter Niederschlag pro Quadratmeter pro Stunde in Tempelhof und Marzahn. Am stärksten schüttete es innerhalb Berlins im Südosten an der Wetterstation Kaniswall. Hier fielen sechzehn Liter Wasser pro Quadratmeter pro Stunde vom Himmel.

Bei der Feuerwehr gingen viele Anrufe ein. Berliner meldeten Brände, die in Wirklichkeit gar keine waren. Wie sich herausstellte, hatten die Anrufer das grelle Licht der Blitze für Feuer gehalten. In Alt-Hohenschönhausen wurden durch einen Blitzschlag fünf Autos beschädigt. Darüber hinaus musste die Feuerwehr in Schöneberg einen Bauzaun wieder aufstellen und in Kreuzberg einen umgekippten Baum räumen. Verletzt wurde niemand. An einigen Stellen seien Straßen überflutet gewesen. Das Wasser sei aber abgelaufen, ohne dass die Feuerwehr tätig werden musste.

Deutlich stärker bekamen die Brandenburger das Unwetter zu spüren. Ganze 37 Liter Regen in einer Stunde fielen pro Quadratmeter in Müncheberg. „Das ist dann schon heftig“, kommentiert Liefke die Niederschläge und fügt hinzu: „Berlin war dieses Mal nur mittelmäßig dabei.“ Die stärksten Windspitzen wurden mit etwa 20 Metern pro Sekunde in Schönefeld und südlich davon gemessen. Das seien dann schon sehr kräftige Böen, erklärt die Meteorologin. Genau in dieser Region war das Gewitter auch am stärksten zu spüren. „In Brandenburg gab es durchaus ein Unwetter, das sich aber räumlich vor allem südlich des Berliner Raums zeigte. Nordbrandenburg war gewittermäßig relativ ruhig“, sagt Liefke.

Die Einsätze der Brandenburger Feuerwehren galten in erster Linie entwurzelten Bäumen, überfluteten Kellern und Straßen, so die Sonntagabend-Bilanz. In den Landkreisen Oder-Spree und Märkisch-Oderland mussten die Einsatzkräfte etwa 200 Mal ausrücken, 50 Mal davon in der Stadt Fürstenwalde. Auch im Landkreis Teltow-Fläming waren viele Kräfte mit Aufräumarbeiten beschäftigt. Der Dachstuhl eines Einfamilienhauses in Dolgelin (Kreis Märkisch-Oderland) geriet durch einen Blitzeinschlag in Brand, die beiden Bewohner des Hauses konnten sich jedoch rechtzeitig retten. Die Einsatzkräfte rückten in den Landkreisen Barnim, Oberhavel und Uckermark insgesamt 27 Mal aus. Im Nordwesten des Landes kam es zu 14 Einsätzen, so ein Feuerwehrsprecher in Eberswalde.

Trotz der vielen Blitze, des Donners und des teilweise besonders reichlichen Regens war das Unwetter aus Sicht von Meteorologen nicht weiter aufregend. Für einen normalen Sommer „nichts Ungewöhnliches“, fasst Meteorologin Liefke die Lage für Berlin zusammen. Nach dem von Tief „Frank“ verursachten Abschied vom Sommer beruhigt sich das Wetter jetzt wieder. Zwar erreichen die Temperaturen keine hochsommerlichen Werte mehr, doch sorgt Hochdruckeinfluss überwiegend für herbstlichen Sonnenschein, wie der Deutsche Wetterdienst mitteilte. Bei 20 bis 22 Grad könne es stellenweise lebhaften Wind geben. mit dpa