Bosch/Siemens

Waschmaschine der Zukunft entsteht in Berlin

Weiße Wäsche aus der Hauptstadt: Im neuen Forschungszentrum von Bosch und Siemens wird die Waschmaschinengeneration von morgen entwickelt. An einigen Wünschen scheitern die Tüftler jedoch noch.

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Der Raum der 1000 Waschmaschinen und Trockner kommt nie zur Ruhe. Gerade röhrt der Bosch WBV, der zehn Kilogramm Wäsche fasst und in Amerika sehr beliebt ist, neben dem 44 Zentimeter tiefen Siemens WS12X440. Die schmalen Geräte stellen sich die Russen gern in die Wohnung. Trockner mit chinesischer Beschriftung lärmen gegenüber Topladern für den englischen Markt. Hier wird 24 Stunden, sieben Tage die Woche gewaschen, geschleudert und getrocknet. Die Aufpasser der Waschmonster tragen graue Latzhosen, nur wenige sind hin und wieder zwischen den Reihen zu sehen. Sie füttern das Waschbataillon mit Handtüchern. „2000 Waschzyklen simulieren wir hier“, sagt Andreas Hanau, dessen Visitenkarte die Bezeichnung „Referatsleiter Innovation Washers“ schmückt. So oft wird im Durchschnitt ein Automat in seinem Leben benutzt. Es werden Prototypen getestet und solche, die schon im Handel sind. 2000 mal wird jede Maschine beladen, der Wasserzulauf geöffnet, Waschpulver zugegeben, dann rotieren sich die Trommeln durchs Programm und liefern Daten, die die Entwickler auswerten. Hanau, promovierter Ingenieur und Waschmaschinenentwickler bei Bosch Siemens Hausgeräte, kurz BSH, gehört zu den Menschen, die mit den Daten etwas anfangen können. Wer wissen will, wie die Waschmaschine der Zukunft aussieht und was sie alles kann, ist bei ihm richtig.

700 Entwickler

Seit Donnerstag hat Andreas Hanau einen neuen Arbeitsplatz. BSH hat mit viel Pomp und dem wahlkämpfenden Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) das „Technologiezentrum Wäschepflege“ eröffnet. Dort arbeiten Ingenieure und Techniker an Waschmaschinen und Trocknern der Zukunft. Zuvor haben sie es am alten Siemens-Standort Berlin-Gartenfelde getan. Dass die Entwicklung von Vollautomaten und Trocknern noch längst nicht ausgereizt ist, zeigt die Tatsache, dass BSH seine Belegschaft am neuen Standort aufstockt: von 550 auf 700.

Wer glaubt, dass das lange bewährte Prinzip Waschmaschine schon an seine Grenzen gestoßen ist, wird von Leuten wie Hanau schnell eines Besseren belehrt. Denn die Welt der Textilpflege ist ein ähnlicher Flickenteppich wie die Welt der Vereinten Nationen. Es herrschen große kulturelle Unterschiede, und das Wäsche- und Schmutzwesen entwickelt sich sehr dynamisch. „Die Art der Kleidung ändert sich“, sagt Hanau, „und der Schmutz auch.“ Und das alleine ist es ja nicht. Die Entwickler müssen damit klarkommen, dass Chinesen anders waschen als Inder, Amerikaner oder Europäer.

„Eigentlich kommen wir alle bei unseren Waschmaschinen mit drei Programmen aus“, sagt Hanau. Das Problem sei nur: Jeder Erdteil braucht seine eigenen drei Programme. Damit nicht genug. Die Menschen in Asien stehen auf blinkende, verspielte Displays, was beim deutschen Kunden nicht so gut ankommt. Die Deutschen würden nie eine Maschine ohne Vorwaschprogramm kaufen. „Obwohl man das eigentlich nicht mehr braucht“, sagt Hanau. Doch die Menschen wollen das Gefühl haben, es benutzen zu können. Deswegen hat BSH wie jeder Hersteller, der in Deutschland erfolgreich sein will, solche im Grunde unnützen Programme im Angebot.

„Hier in Berlin entwickeln wir technische Plattformen. Vor Ort werden sie dann noch mal an die Bedürfnisse des Marktes angepasst“, sagt Standortleiter Anton Peisl. Sein Credo lautet: Man kann die Kunden nicht erziehen. Das gilt natürlich auch für die Chinesen, die eine andere Marotte haben: Unter keinen Umständen würden Menschen im Reich der Mitte Babykleidung in die Maschine stecken. Da können Bosch Siemens, Miele, Whirlpool oder sonst wer noch so sehr ihre Schonprogramme bewerben: „Was besonders sauber werden soll, wird dort mit der Hand gewaschen“, sagt Hanau.

Neben solchen waschkulturellen Differenzen müssen die Entwickler ein großes Problem angehen: den Wassermangel. In Indien beispielsweise werden die Wasserleitungen in einigen Regionen nur stundenweise durchspült. Daher haben die Forscher mit drei Berliner Unis ein ehrgeiziges Projekt in Angriff genommen. Zu besichtigen ist es im Showroom, wo die jüngsten Wasch- und Trockner-Generationen ins rechte Licht gerückt werden. Dort steht ein schrankgroßes Ungetüm aus Zylindern, Röhren und Ventilen. Abwasser wird darin gereinigt. „Nach zehn Minuten sind 20 Liter in Trinkwasserqualität gewonnen“, sagt Forscher Hanau.

Maschine mit Wasseraufbereiter

Es steht noch ganz am Anfang, aber das Ziel lautet, dass es irgendwann einmal die Waschmaschine mit integriertem Aufbereiter geben soll. Ein solcher Vollautomat wäre dann ein geschlossener Kreislauf, wo Abwasser nach jedem Waschgang wieder zu Brauchwasser wird. Aber im Prinzip sind die Entwickler guter Dinge. Denn vieles, was vor gar nicht langer Zeit undenkbar gewesen wäre, ist nun mit einer Waschmaschine möglich. Beispielsweise haben Ingenieure von Hausgerätekonzernen Programme entwickelt, mit denen sich die beliebte Funktionsbekleidung von Jack Wolfskin, North Face und Co. reinigen und sogar wieder beschichten lässt.

Generell gilt: „Es wird immer weniger Baumwolle, dafür mehr Synthetik getragen“, sagt Hanau. Die Waschgänge werden kühler, benötigen weniger Waschmittel, dauern dafür aber länger. Allerdings hat noch kein Forscher die Lösung für jenen Wunsch gefunden, den Kunden immer wieder äußern: eine Waschmaschine, die nach der Wäsche die Klamotten sortiert. „Vielleicht kann man da was mit Funkchips machen.“ Die Waschmaschine ist also noch längst nicht ausgereizt.