Wahl in Berlin 2011

Künast sendet deutliches Koalitionssignal an SPD

Vor dem Fernsehduell mit SPD-Kontrahent Wowereit geht Grünen-Kandidatin Künast auf Schmusekurs: "Ich sage seit Wochen, dass wir am liebsten mit der SPD regieren würden." Der Ball liege bei den Sozialdemokraten - die sich zurückhalten.

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Einen Tag vor dem Fernsehduell mit dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hat Herausforderin Renate Künast (Grüne) von der SPD ein klares Bekenntnis zu einer rot-grünen Koalition gefordert. „Ich sage seit Wochen, dass wir am liebsten mit der SPD regieren würden“, sagte Künast der „Stuttgarter Zeitung . Der Ball liege jetzt bei den Sozialdemokraten.

Die SPD wollte sich am Mittwoch nicht festlegen, setzt aber auch auf eine Annäherung mit den Grünen, die sie nach den vergangenen beiden Wahlen noch als wenig zuverlässig als Koalitionspartner verschmäht hat. Es gebe „große Schnittmengen mit Grünen wie Linken“, sagte Fraktions- und Landeschef Michael Müller. „Eine Koalition mit der CDU können wir nicht vollständig ausschließen, auch wenn sie nur schwer vorstellbar ist.“ Nur wenn keine Mehrheit für eine Koalition mit den Grünen oder der Linkspartei möglich sei, komme eine Koalition mit der CDU infrage, ergänzte SPD-Fraktionsgeschäftsführer Christian Gaebler. Die SPD befürchtet vielmehr, dass die Grünen trotz der Beteuerungen Künasts immer noch auf eine Koalition mit der CDU setzen, sollte eine Regierungsmehrheit möglich sein. „Nur so können die Grünen ihr erklärtes Wahlziel, Renate Künast zur Regierenden Bürgermeisterin zu küren, erreichen“, sagte Gaebler.

Voraussichtlich keine Mehrheit für Rot-Rot

Sollten sich die aktuellen Umfragen bestätigen, reicht es aller Voraussicht nach nicht für eine Fortführung der rot-roten Koalition. Nach der September-Umfrage von Infratest Dimap im Auftrag von Morgenpost Online und der RBB-„Abendschau“ kommt die SPD derzeit auf 30 Prozent, die Linkspartei auf 11. Grüne und CDU liegen demnach gleichauf bei 22 Prozent. Die FDP käme folglich mit 3 Prozent nicht mehr ins Abgeordnetenhaus, die Piraten stehen mit aktuell 4,5 Prozent unmittelbar vor dem Einzug in das Parlament.

Am Donnerstag treffen nun Künast und Wowereit beim Duell der Spitzenkandidatin im RBB aufeinander.

RBB-Chefredakteur und -Programmdirektorin moderieren

Moderiert wird die Sendung wie schon das erste Duell von RBB-Chefredakteur Christoph Singelnstein und Programmdirektorin Claudia Nothelle. Bereits am Dienstagabend war das Rededuell Wowereit gegen seinen CDU-Konkurrenten Frank Henkel über den Sender gegangen. Nach Angaben des RBB verfolgten 190.000 Zuschauer das Duell. Das Brauhaus Südstern in Kreuzberg veranstaltet ein Public Viewing zum zweiten Duell zwischen Wowereit und Künast. Der Eintritt ist frei.