Fünfeinhalb Jahr Haft

Brandstifter wegen versuchtem Mord verurteilt

Im Januar hatte ein 61-Jähriger in einem Haus in Wedding gleich mehrere Eingängen angezündelt. Damit wollte er auf seine unrechtmäßige Zwangsräumung aufmerksam machen. Für das Gericht nahm er damit den Tod von 120 Menschen in Kauf.

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Das Berliner Landgericht hat am Dienstag einen 61-jährigen Mann wegen versuchten Mordes zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt. Horst Richard P. hatte in der Nacht zum 19. Januar 2011 in dem Haus an der Seestraße in Wedding, in dem er selbst wohnte, Feuer gelegt. Nach Überzeugung des Gerichts nahm er damit den Tod von 120 Mitmietern in Kauf. Der arbeitslose Drucker hatte behauptet, Menschen seien nicht in Gefahr gewesen. Zum Zeitpunkt der Tat drohte dem Angeklagten die Zwangsräumung. Er habe auf ihm zugefügtes Unrecht hinweisen wollen, sagte er im Prozess. Das Gericht schloss einen Akt der Verzweiflung aus und verurteilte ihn deshalb zu einer Haftstrafe.

Der Festnahme und der Verurteilung von P. war eine Fahndung der Berliner Polizei vorausgegangen. P. hatte gegen 3.30 Uhr am 19. Januar an mehreren Eingängen des Wohnhauses an der Seestraße Feuer gelegt. Bei dem Brand ging das Treppengeländer in Flammen auf. Ein Bewohner erlitt eine Rauchvergiftung. P. selbst wurde in seiner Wohnung nicht angetroffen. Allerdings entdeckten die Ermittler später seinen erschossenen Schäferhund in einer Grünanlage in Plötzensee. Eine Woche später wurde P. in Bayern von der Polizei festgenommen.

Auch Brände im Märkischen Viertel

Die Verurteilung dürfte für die Menschen an der Seestraße eine Genugtuung sein. Denn nicht nur dort sorgen notorische Brandstifter für Angst und Schrecken. Auch im Märkischen Viertel treiben Unbekannte seit einiger Zeit in unregelmäßigen Abständen ihr Unwesen. In der Nacht zu Dienstag brannten wieder mehrere Müllcontainer. Gegen 22.30 Uhr wurde die Feuerwehr an die Treuenbrietzener Straße gerufen. Verletzt wurde glücklicherweise niemand. Allerdings fiel den Einsatzkräften ein Mann auf, der interessiert die Arbeit der Einsatzkräfte beobachtete und wie ein Mitarbeiter der Feuerwehr – typische Feuerwehrhose mit Reflektoren und ein T-Shirt mit Feuerwehr-Aufdruck – gekleidet war. Da der Mann schon mehrere Male bei früheren Brandstiftungen im Märkischen Viertel in Tatortnähe gesehen worden war, alarmierten sie die Polizei. Diese konnte den Verdächtigen, der einschlägig bei der Polizei bekannt ist, wenig später festnehmen. Wie Morgenpost Online erfuhr, entließen die Beamten den Mann jedoch noch am Dienstagnachmittag nach einer Vernehmung. Der Tatverdacht konnte nicht erhärtet werden, sagte ein Polizeisprecher.

Erst in der Nacht zum vergangenen Freitag brannten an der Treuenbrietzener Straße Sperrmüll und zwei Müllcontainer. Eine 56 Jahre alte Mieterin hatte den brennenden Sperrmüll gegen 5.30 Uhr im Hausflur und die Flammen an den Müllcontainern vor dem Haus entdeckt. Eine 20 Jahre alte Anwohnerin musste mit einer leichten Rauchgasvergiftung in einem Krankenhaus behandelt werden. Nur 20 Minuten später brannte im wenige Hundert Meter entfernten Senftenberger Ring ein weiterer Müllcontainer. Die Polizei prüft einen Tatzusammenhang.

Einen Erfolg kann die Polizei dennoch im Märkischen Viertel vermelden. Zivilfahnder erwischten am Freitagnachmittag einen 46-jährigen Mann auf frischer Tat, nachdem er einen Müllcontainer im Dannenwalder Weg angezündet hatte. Während der Vernehmung am darauffolgenden Tag gab er zu, eine Stunde vor seiner Festnahme eine weitere Mülltonne angezündet zu haben. Gegen den wegen ähnlicher Taten bereits Vorbestraften wurde ein Haftbefehl erlassen.