Urteil

Fünfeinhalb Jahre Haft für Berliner Brandstifter

Ende Januar hat ein Arbeitsloser Feuer in einem Wohnhaus in Wedding gelegt, in dem er selbst wohnte - aus Frust vor der drohenden Zwangsräumung. Das Berliner Landgericht verurteilte ihn nun wegen versuchten Mordes an seinen Mitmietern.

Nach einem Brandanschlag auf ein Wohnhaus im Stadtteil Wedding muss der Täter fünfeinhalb Jahre in Haft. Das Berliner Landgericht verurteilte den Mann am Dienstag wegen versuchten Mordes an seinen Mitmietern. Der 61-Jährige hatte in der Nacht zum 19. Januar 2011 in dem Haus, in dem er selbst wohnte, Feuer gelegt. Nach Überzeugung des Gerichts nahm er damit den Tod von 120 Mitmietern in Kauf.

Der arbeitslose Drucker hatte behauptet, Menschen seien nicht in Gefahr gewesen. In dem Haus fing das Treppengeländer Feuer. Ein Bewohner erlitt eine Rauchvergiftung. Zum Zeitpunkt der Tat drohte dem Angeklagten die Zwangsräumung. Er habe auf ihm zugefügtes Unrecht hinweisen wollen, sagte er im Prozess. Das Gericht schloss einen Akt der Verzweiflung aus.

Der frustrierte Arbeitslose hatte sich damals schriftlich beim „Stern“-Journalisten Hans-Ulrich Jörges gemeldet und ihm ein Paket mit sämtlichen Unterlagen über die geplante Zwangsräumung geschickt. Nach der Tat war er untergetaucht. In Berlin entdeckten die Ermittler lediglich den erschossenen Hund des Mannes in einer Grünanlage in Plötzensee. Der Mann wurde schließlich eine Woche später vor dem Hauptbahnhof in Hof in einem aus Bayreuth kommenden Reisebus von Polizisten während einer Routinekontrolle entdeckt und festgenommen.