"Höchste Priorität"

Zöllner widerspricht Merkel bei Charité-Kritik

Wissenschaftssenator Zöllner wehrt sich gegen die Kritik von Bundeskanzlerin Angela Merkel an Berlins Umgang mit der Charité. Für die Hauptstadt habe das Universitätsklinikum „höchste Priorität".

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Wissenschaftssenator Jürgen Zöllner (SPD) hat die Kritik von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Umgang des Landes mit der Charité zurückgewiesen. „Für Berlin hat die Charité höchste Priorität“, sagte Jürgen Zöllners Sprecher, Christian Walther, am Donnerstag. Zöllner befinde sich seit Monaten in Gesprächen mit Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) über die Zukunft des Traditionshauses in Mitte.

Merkel hatte im Interview mit der den Umgang des rot-roten Senates mit der Charité kritisiert. „Wie der Senat mit der Charité umgeht, ist schlimm“, hatte Merkel gesagt. „Die Investitionsquote ist so gering, dass die Leistung vieler Professoren nicht ausreichend zur Geltung kommen kann.“ Mittelfristig müsse man sich Sorgen um die Charité machen. Seit Jahren schwelt ein Streit zwischen Landesregierung und Charité über die Finanzen des Universitätsklinikums. Die Charité klagt über einen Sanierungsstau in Höhe von 660 Millionen Euro, das Land billigte dem Krankenhaus bislang lediglich 330 Millionen Euro zu. Seit mehreren Monaten laufen Gespräche zwischen Landes- und Bundesregierung über eine gemeinsame Finanzierung des Universitätsklinikums. Bundesbildungsministerin Anette Schavan (CDU) hatte vorgeschlagen, das Uniklinikum in eine Bundesuniversität umzuwandeln.

Kritik zu scharf

Günter Stock, Präsident der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und zugleich Aufsichtsratsmitglied der Charité, begrüßte das Engagement Merkels für die Charité. „Ich finde es gut, dass die Bundeskanzlerin sich um die Berliner Belange kümmert“, sagte Stock. „Die Charité ist ein Glanzstück in unserer Region. Die Kanzlerin hat Recht, wenn sie kritisiert, dass im baulichen Bereich seit Jahren zu wenig in die Charité investiert wird.“ Allerdings sei die Kritik zu scharf formuliert, „denn die vom Senat beschlossenen Investitionen in Höhe von 330 Millionen Euro für die nächsten Jahre sind für Berlin schon eine beachtliche Anstrengung.“ Der Senat müsse sich neben der Charité auch noch um andere Einrichtungen kümmern, so etwa um den Krankenhauskonzern Vivantes. „Man muss also auch ein bisschen Verständnis für den Senat haben, wenn die Charité nun auch Unterstützung durch den Bund erfährt, freut mich das sehr“, sagte Stock.

Für die Zukunft der Charité sei das Engagement des Bundes sehr wichtig, in welcher Form muss nach Ansicht Stocks noch geklärt werden. „Wichtig ist die Idee und diese kann man nur begrüßen.“ Bevor aber über eine „Bundesuniversität“ geredet werde, sollten sich die Beteiligten auf eine Konstruktion einigen.

Kein Verständnis für die Kritik der Kanzlerin zeigte SPD-Gesundheitsexperte Thomas Isenberg. Er griff Merkel wegen ihrer Kritik direkt an. „Die Kanzlerin sollte vor ihrem eigenen Laden kehren“, sagte Isenberg. Sie habe keine Vorstellung zur Rettung des Euro. „Wir machen unsere Hausaufgaben, die Kanzlerin sollte die Charité nicht schlecht reden“, sagte der Gesundheitspolitiker.

Universität des Bundes mit MDC

Unterstützung erhielt Merkel für ihre Schelte vom Fraktionschef der Grünen, Volker Ratzmann. „Das Land hat die Charité jahrelang links liegen lassen, die Kritik ist daher richtig“, sagte Ratzmann. Der Wissenschaftsexperte der Berliner FDP, Mirko Dragowski forderte ein Konzept des Senates für die Uniklinik. Zuerst müsse Berlin seine Hausaufgaben machen, bevor der Bund Mittel zur Sanierung des Krankenhauses beisteuert.

Nach den Vorstellungen von Bildungssenator Zöllner sollen die Charité und das in Berlin-Buch ansässige Max Delbrück Centrum (MDC) zu einer Universität des Bundes vereint werden. Beide Einrichtungen begrüßen die Pläne. Schon jetzt kooperieren Charité und MDC eng miteinander. Klinische Forschung auf der einen Seite und Grundlagenforschung auf der anderen Seite würden sich bestens ergänzen, heißt es aus beiden Einrichtungen. Das MDC gilt bereits weltweit als eine der besten Forschungseinrichtungen.