Tat gestanden

Brandstifter-Paar filmt brennendes Auto

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Michael Behrendt und Steffen Pletl
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Zwei mutmaßliche Brandstifter gefasst

Bis zu 650 Beamte der Landes- und Bundespolizei sind mittlerweile nachts in Berlin gegen die unbekannten Autobrandstifter im Einsatz. Dieser Aufwand scheint sich zu lohnen. Am frühen Dienstagmorgen nahm die Polizei zwei mutmaßliche Brandstifter in Prenzlauer Berg fest.

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Die zwei von der Berliner Polizei festgenommenen Auto-Brandstifter haben die Tat gestanden. Das Paar - er 27, sie 23 Jahre alt - haben zugegeben, einen BMW angezündet und sich anschließend gegenseitig vor dem brennenden Auto gefilmt zu haben.

Durchbruch oder Zufall? Angehörige der Berliner Polizei haben in der Nacht zum Dienstag zwei Verdächtige festgenommen, die für die Brandstiftung an einem Auto in Prenzlauer Berg verantwortlich gemacht werden. Zwar zeigte man sich bei der Behörde erleichtert über diesen Erfolg, Ermittler schließen eine Tatbeteiligung der beiden Personen an der „großen“ Serie von Taten in den vergangenen Tagen allerdings aus. Insgesamt wurden in der Nacht stadtweit fünf Fahrzeuge durch Flammen beschädigt.

Zunächst hatte gegen 2.30 Uhr ein Passant die Feuerwehr zur Karl-Marx-Allee in Mitte alarmiert, als er Feuerschein an einem Mercedes entdeckt hatte. Die Einsatzkräfte löschten den Brand, durch den der Wagen sowie ein danebenstehender VW beschädigt wurden. Ein Anwohner eines Wohnhauses an der Ibsenstraße hatte dann gegen 5.25 Uhr einen Mann und eine Frau beobachtet, die sich auffällig für einen BMW interessierten und um das Auto herumliefen. Als er das Fahrzeug kurz darauf in Flammen stehen sah, alarmierte er die Polizei. Eine Funkwagenbesatzung wurde in das Gebiet geschickt, aufgrund der detaillierten Personenbeschreibung des Zeugen konnten die Polizisten wenig später an der Ibsen- Ecke Bergener Straße einen 27 Jahre alten Mann und seine 23 Jahre alte Begleiterin festnehmen. Durch das Feuer wurde der BMW völlig zerstört und zwei daneben abgestellte Wagen – ein VW und ein Mercedes – stark beschädigt.

Die beiden Geständigen, Anne J. und Matthias T., wurden am Dienstag vom Staatsschutz vernommen. Das Paar hatte die Tat und sich selbst vor den Flammen stehend mit einem Handy gefilmt. Das Mobiltelefon wurde wie die zwei Rucksäcke der beiden beschlagnahmt. Dies sei unter anderem ein Hinweis darauf, dass es sich bei den Festgenommenen nicht um die gesuchten Serienbrandstifter handeln kann. „So zynisch es klingen mag, Profis bleiben nicht 40 Meter entfernt von einem lichterloh brennendem Wagen stehen und machen Fotos“, so ein Ermittler. Die aus einem kleinen Dorf in Brandenburg stammende junge Frau soll bei ihrem Freund in dessen Wohnung an der Spandauer Straße in Mitte in einer Einzimmerwohnung gelebt haben. Nachbarn beschreiben den 27-Jährigen als Sturkopf, das junge Paar soll Pläne für einen Umzug gehabt haben. Nachbarn berichten von einer angekündigten Zwangsräumung. Straffällig geworden seien beide nach Informationen von Morgenpost Online nicht, Matthias T. soll Anfang der 90er-Jahre mit Drogen erwischt worden sein.

In Ermittlerkreisen ist man sich sicher, keinen der gesuchten Serienbrandstifter erwischt zu haben. „Wir haben welche erwischt, aber nicht diejenigen, die wir haben wollten“, so ein Beamter. Dennoch gab es auch positive Reaktionen. So wertete Polizeisprecher Michael Gassen die Festnahmen als Erfolg. „Wir freuen uns über aufmerksame Bürger, die uns die richtigen Hinweise geben. Und wir freuen uns über die Kollegen, die so schnell zur Stelle waren und die Verdächtigen stellen konnten.“

Ähnliche Worte fand auch der Fraktions- und Landesvorsitzende der Berliner CDU, Frank Henkel: „Unsere Polizei hat bewiesen, dass es möglich ist, Erfolge gegen die Brandtstifter zu erzielen, wenn man ihnen die Mittel dazu an die Hand gibt.“ Höherer Fahndungsdruck könne bessere Ergebnisse bringen. „Sollte sich der Verdacht gegen die mutmaßlichen Autozündler erhärten und es zur Anklage kommen, ist die Justiz aufgerufen, ein deutliches Zeichen der Abschreckung zu setzen.“ Das erneute Verhängen einer Bewährungsstrafe wäre nach Henkels Meinung kontraproduktiv und würde in der Szene wieder als Freispruch gefeiert.

Bis zu 650 Beamte im Einsatz

Sorgen, die sich auch immer mehr Polizisten und Ermittler machen. Bis zu 650 Beamte sind in die „Besondere Aufbauorganisation ,Feuerschein'“ (BAO) eingebunden, die für die Fahndung nach den Brandstiftern eingerichtet wurde. Unter ihnen befinden sich auch Bereitschaftspolizeieinheiten der Bundespolizei aus dem brandenburgischen Blumberg und aus Niedersachsen, die für die Zeit ihres Aufenthalts auch in Hotels untergebracht sind. „Es ist sehr frustrierend, sich Nacht für Nacht die Stunden um die Ohren zu schlagen und dann ohne Zugriff in den Feierabend zu gehen“, so ein Beamter. „Man beginnt teilweise schon, an den eigenen Fähigkeiten zu zweifeln, wenn einfach nichts gelingen will. Sollten die beiden Verdächtigen nun wieder auf einen verständnisvollen Richter stoßen, würde das die Motivation nicht unbedingt steigern.“

Brandstiftung kann für den Beschuldigten im Falle einer Anklage mit Verurteilung harte Folgen haben. Der Gesetzgeber sieht dafür eine Haftstrafe von bis zu zehn Jahren vor. Zudem können die Versicherungen die Gelder von den Tätern zurückfordern, die sie an die Besitzer von angesteckten Autos zahlen mussten. „Wenn jemand beispielsweise in einer Straße drei Fahrzeuge der Marken Mercedes oder BMW angesteckt hat, kommen da schnell mal 100.000 Euro zusammen“, so ein Kriminalbeamter. „Dieser Umstand und auch die zu erwartende Haftstrafe macht deutlich, dass es sich hier um schwere Straftaten handelt. Das sollten sich junge Menschen überlegen, wenn sie als Nachahmungstäter losziehen wollen.“

Polizeivizepräsidentin Margarete Koppers hatte am Montag während der Sitzung des Innenausschusses bekannt gegeben, dass bis zu diesem Zeitpunkt 530 Fahrzeuge in Berlin Opfer der Flammen wurden. Davon waren 382 direkt angegriffen worden, 148 weitere wurden durch übergreifende Flammen in Mitleidenschaft gezogen. 249 der 530 Fahrzeuge wurden nach bisherigen Erkenntnissen aus politischen Motiven in Brand gesteckt.