Katholische Kirche

Amtseinführung von Woelki ohne Wowereit

Klaus Wowereit war bei der Amtseinführung des neuen Erzbischofs Woelki nicht mit dabei und sorgte damit für Verwunderung. Auch seine Äußerungen zu den angekündigten Protesten gegen den Papstbesuch in Berlin Ende September stießen auf Kritik.

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Eine festliche Stimmung herrschte am Sonnabendvormittag auf dem Bebelplatz in Mitte. Rund 2000 Besucher waren zum Pontifikalamt gekommen, mit dem Berlins neuer Erzbischof Rainer Maria Woelki in sein Amt eingeführt wurde. Hunderte Berliner verfolgten auf einer Großleinwand vor der voll besetzten St.Hedwigs-Kathedrale, wie sich Woelki, zunächst sichtlich nervös, nach der Übergabe der päpstlichen Ernennungsurkunde auf dem Bischofsstuhl niederließ. Unter den zahlreiche Würdenträger bei der feierlichen Messe waren mehr als 30 Bischöfe sowie der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch.

Das Land Berlin war durch seine Bürgermeisterin und Senatorin für Stadtentwicklung, Ingeborg Junge-Reyer (SPD), vertreten. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) war bei der Einführung des neuen Berliner Kirchenoberhauptes nicht dabei. Wowereit eröffnete laut seinem Terminplan stattdessen die 37. Berliner Seniorenwoche auf dem Breitscheidplatz. Doch nicht nur mit seiner Abwesenheit sorgte der Regierende Bürgermeister für Verwunderung. Auch seine Äußerungen zu den angekündigten Protesten gegen den Papstbesuch in Berlin Ende September stießen auf Kritik. Wowereit hatte am Freitag gesagt, er habe „großes Verständnis“ für die angekündigten Proteste gegen die Sexuallehre der katholischen Kirche. Er würde verstehen, dass Bürger den Besuch benutzten, um „hier darauf aufmerksam zu machen, dass die katholische Kirche mit ihrer Lehre Thesen vertritt, die weit in die zurückliegenden Jahrtausende gehören, aber nicht in die Neuzeit“.

Kritik aus der Politik

Diese Formulierung sei „heftig“, sagte Wolfgang Klose, der an der Spitze des Diözesanrates als dem höchsten Laiengremium im Erzbistum Berlin steht. „Als Regierender Bürgermeister auf diese Weise die Position der Gegendemonstranten einzunehmen, dafür fehlt mir das Verständnis“, sagte Klose der Morgenpost Online. Eigentlich gebe es ein gutes Verhältnis zwischen der katholischen Kirche und Wowereit. „Der Papstbesuch ist ein wichtiges Ereignis für die ganze Stadt.“ Klose betonte, dass die katholische Kirche es aber aushalte, wenn andere Meinungen „angemessen vertreten“ würden. Offizielle Vertreter des Erzbistums lehnten eine Stellungnahme zu den Äußerungen Wowereits ab.

Kritik kam allerdings aus der Politik. CDU-Chef Frank Henkel fand es „fragwürdig“, sich mit so großem Verständnis auf die Seiten der Papstgegner zu stellen. „Da geht der Regierende Bürgermeister über seine Rolle hinaus, ich hätte mir eine ausgewogenere Reaktion auf diesen historischen Besuch gewünscht“, sagte Henkel und kritisierte, Wowereit würde sich sonst meist nicht so klar äußern. Der Berliner FDP-Chef Christoph Meyer sieht in der Äußerung des Senatschefs dessen Pflichten als Gastgeber verletzt: „Herr Wowereit sollte sich auf seine Rolle als Regierender Bürgermeister konzentrieren, nicht auf seine Gedanken zum Papstbesuch als Privatmann.“ Grünen-Landeschefin Bettina Jarasch, selbst bekennende Katholikin, sprach sich aber für einen kritischen Dialog mit der Kirche aus. „Es gibt Fragen an die katholische Kirche, die muss man stellen dürfen“, sagte sie. Das gelte für den bevorstehenden Papstbesuch ebenso wie für die Zusammenarbeit mit Berlins neuem Erzbischof.

"Es geht nicht nur um das Zeitgemäße"

Kritische Stimmen an der Amtskirche gibt es auch unter Berlins rund 315.000 Katholiken. „Themen wie das Zölibat oder die Beteiligung der Frauen in der Kirche werden längst diskutiert“, sagte Bruder Florian, Franziskaner aus Pankow. Für ihn und die übrigen Gottesdienstbesucher stand am Sonnabend allerdings der neue Erzbischof im Mittelpunkt. „Sehr sympathisch und offen “ fanden Martin und Walburga Hasselberg aus Königs Wusterhausen ihr neues Kirchenoberhaupt. Er sei sofort auf die Berliner zugegangen, lobte der 18-jährige Simon Tannen aus Zehlendorf. Dass er in Berlin auch auf Kritiker stoßen werde, sei ihm wohl bewusst und er werde damit umgehen, ist die Pankowerin Eva-Maria Bergmann überzeugt.

In seiner Predigt hatte Woelki gesagt, in Fragen des Glaubens gehe es nicht „nur um konservativ oder liberal, nicht um alt oder neu. Es geht nicht einfach nur um das sogennante Zeitgemäße.“ Vielmehr rief er dazu auf, „auch wenn wir numerisch in der Minderzahl sind“, die christliche Botschaft weiterzutragen. Weihbischof Matthias Heinrich, der nach dem Tod von Kardinal Georg Sterzinsky Ende Juni das Erzbistum geleitet hatte, hatte zuvor erklärt, Woelki werde „in Berlin auf eine kämpferische Gottvergessenheit genauso treffen wie auf einen tiefen Glauben“.