Späte Ehrung

Berliner gedenken Lufts "Stimme der Kritik"

Friedrich Luft prägte über Jahrzehnte das Kulturleben Berlins als Kritiker der Berliner Morgenpost, Radiopionier und Fernsehmoderator. Der legendären „Stimme der Kritik" beim RIAS wird jetzt eine Gedenktafel in Schöneberg gewidmet.

„Kommen Sie näher, kommen Sie ran“, sagt Kulturstaatssekretär André Schmitz zu den rund 200 Menschen, die vor der noch verhüllten Gedenktafel für Friedrich Luft (1911 bis 1990) am ehemaligen Rias-Gebäude in Schöneberg stehen. Sie seien gewissermaßen auch gekommen, um dem Theaterkritiker zum Geburtstag zu gratulieren: Gestern wäre Luft 100 Jahre alt geworden – der passende Anlass, um an seinem früheren Arbeitsplatz an den legendären Kritiker zu erinnern, dessen „Stimme der Kritik“ das West-Berliner Kulturleben über Jahrzehnte geprägt habe, wie Schmitz betonte.

Es sei Luft gelungen, mit seiner Sendung eine kulturelle Brücke über Mauer und Stacheldraht hinweg zu schlagen. Unter seinen Zuhörern waren auch zwei Familienangehörige des Kritikers, Ursula Luft, die Ehefrau seines Neffen, und Magdalena Kiepenheuer-von Bismarck, die in Lufts Haus aufwuchs.

Für den Rias arbeitete Luft erstmals am 7. Februar 1946 und blieb dem Sender 44 Jahre lang treu, rund 2000 Mal wurde seine „Stimme der Kritik“ ausgestrahlt. Anfangs hieß die Sendung „15 kritische Minuten“ und wurde am Sonnabend ausgestrahlt, so Deutschlandradio-Intendant Willi Steul in seiner Laudatio. Sein Sender residiert heute dort, wo einst der Rias war. Der Bühnenautor Horst Pillau hörte Lufts Kritiken regelmäßig – schließlich wurden auch seine Stücke besprochen. „Luft unterschied nicht zwischen unterhaltsamer und ernster Kunst. Er war theaterbegeistert, gelitten hat er unter schlechten Stücken oder Inszenierungen.“ Auch die Berliner Morgenpost erinnert an Luft, der jahrelang Chefkritiker dieser Zeitung war. Seit 1992 verleiht die Morgenpost den Friedrich-Luft-Preis für die beste Berliner Theater-Inszenierung eines Jahres. Schauspielerin Martina Gedeck gehört der achtköpfigen Jury an, ebenso wie Ernst Elitz und Jutta Limbach, die an der Gedenktafel-Enthüllung teilnahmen.