Berliner Museum

Gropius-Bau für elf Millionen Euro saniert

Nach einem Jahr sind die Bauarbeiten am Martin-Gropius-Bau abgeschlossen. Nicht nur die Ausstellungsräume wurden erweitert, sondern auch moderne Technik installiert. So soll sich der Publikumsmagnet im internationalen Wettbewerb noch besser behaupten können.

Es gibt wohl nur wenige Menschen, die der globalen Finanzkrise positive Aspekte abgewinnen können. Einer von ihnen ist Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU). „Um der deutschen Wirtschaft zu helfen, hat die Bundesregierung 2009 das Konjunkturpaket II aufgelegt“, sagte Neumann. Insgesamt 100 Millionen Euro aus diesem Paket seien daraufhin „in die kulturelle Infrastruktur“ geflossen. Von den 18 Projekten, die mit diesen Mitteln saniert werden konnten, sei der Martin-Gropius-Bau an der Niederkirchnerstraße in Kreuzberg sicher der schönste und international bekannteste, so Neumann am Dienstag in Berlin beim Festakt zum Ende der Bauarbeiten in der prächtigen Ausstellungshalle.

Mit dem Abschluss der einjährigen Sanierung, die insgesamt rund elf Millionen Euro gekostet hat, ist einer der größten Publikumsmagneten in der deutschen Hauptstadt nunmehr „fit für die Zukunft und den internationalen Wettbewerb um die Gunst der Ausstellungsbesucher“, so Gereon Sievernich, Direktor am Martin-Gropius-Bau. Denn das Haus müsse sich international gegen so starke Konkurrenten wie etwa das Grand Palais in Paris behaupten. „Derzeit arbeiten wir daran, den Anteil der ausländischen Besucher, der zwischen 20 und 30 Prozent liegt, deutlich zu erhöhen“, so der Direktor. Schließlich erwirtschafte das Haus 65 Prozent der eingesetzten Mittel selbst. Der Martin-Gropius-Bau erhält aus dem Etat des Kulturstaatsministers nach dessen Angaben zudem jährlich knapp 2,6 Millionen Euro. Vor zehn Jahren hat der Bund das Haus vom Land Berlin in seine Verantwortung übernommen. Seitdem ist auch der Bund für den Unterhalt des Hauses zuständig.

Hüllenloser Prachtbau

Pünktlich zum 130-jährigen Bestehen des Gebäudes, das 1881 als Kunstgewerbemuseum eröffnet wurde, ist der palastartige Backsteinbau endlich auch von außen in voller Schönheit zu bewundern. Seit ein paar Tagen ist das Haus komplett ausgerüstet; die im Stil der Renaissance konzipierte und mit vielen Ornamenten verzierte Fassade „hat nun erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg ihr Nachkriegsflair endgültig abgelegt“, so Bernd Neumann. Errichtet wurde der Bau von den Architekten Martin Gropius und Heino Schmieden. Besonders üppig schmückten die beiden den Lichthof im Zentrum des Gebäudes aus, das mit Mosaiken und den Wappen deutscher Länder glänzt.

Der Bauhaus-Gründer Walter Gropius, Großneffe von Martin Gropius, setzte sich nach dem Krieg übrigens erfolgreich dafür ein, dass das von Fliegerbomben stark zerstörte Gebäude seines Großonkels nicht etwa abgerissen, sondern 1966 unter Denkmalschutz gestellt wurde.

Der Wiederaufbau des Hauses begann jedoch erst 1978. Noch während der Bauarbeiten wurde das Haus 1981 mit einer Schinkel-Ausstellung seiner Bestimmung übergeben.

Sanierung längst überfällig

Seit seiner Wiedereröffnung vor 30 Jahren hat das Haus viele erfolgreiche Ausstellungen beherbergt. Die bislang erfolgreichste Einzelausstellung 2006 widmete sich „Ägyptens versunkenen Schätzen“. 450.000 Besucher kamen, um Fundstücke aus den versunkenen, antiken Städten Heraklion, Kanopus und Alexandria zu sehen, die der französische Unterwasserarchäologe Franck Goddio zusammengetragen hatte.

Ein solcher Massenandrang hinterlässt seine Spuren. Die erneute Sanierung nach 30 Jahren war damit eigentlich längst überfällig. Nun sorgt zudem ein neuer Aufzug bis unters Dach für Barrierefreiheit. Entscheidend für den weiteren Erfolg des Hauses, das im vergangenen Jahr mit der Frida Kahlo-Retrospektive und der Schau des isländischen Künstlers Olafur Eliasson allein 630.000 Besucher anlockte, ist jedoch, dass die Nutzfläche um gut 20 Prozent erweitert werden konnte. „Durch den Einbau einer Klimaanlage können wir künftig auch das zweite Obergeschoss mit seiner Fläche von 1400 Quadratmetern vollwertig für Ausstellungen nutzen“, so Sievernich. Selbst hochempfindliche und wertvolle Leihgaben wie etwa die Ausstellung „Kompass – Zeichnungen aus dem MoMa New York“ konnten so in diesem Jahr in den neuen Räumen präsentiert werden.

Der Berliner Martin-Gropius-Bau wird nun auch eines der ersten deutschen Museen sein, das seinen Strom selbst erzeugt: Auf dem Dach wurde eine Photovoltaik-Anlage installiert, und eine Dachdämmung sorgt dafür, dass Heizenergie nicht gleich wieder an die Umwelt abgegeben wird. Damit sei der Martin-Gropius-Bau künftig „nicht nur künstlerische, sondern auch umwelttechnische Avantgarde“, so Neumann.

Aus Mitteln des Konjunkturpaketes II wurde in den vergangenen anderthalb Jahren auch eine zweite Berliner Kulturinstitution saniert: das Haus der Berliner Festspiele an der Schaperstraße in Wilmersdorf. Das 1963 vom Architekten Fritz Bornemann im Stil der Moderne mit viel Glas errichtete Theater wurde technisch rundum erneuert. Kosten: rund 15 Millionen Euro. Neumann wird das Haus am Donnerstag an Joachim Satorius, den Intendanten der Berliner Festspiele, übergeben.