S-Bahn-Gewalt

21-Jähriger auf Bahnhof Nikolassee verprügelt

Wieder hat sich ein brutaler Überfall auf einem S-Bahnhof ereignet. Drei Unbekannte schlugen im S-Bahnhof Nikolassee in Zehlendorf einen jungen Mann bewusstlos und raubten ihn aus.

Foto: dpa / dpa/DPA

Sonntagmorgen gegen 5.40 Uhr. Der 21 Jahre alte Mann steigt an der Station Nikolassee aus einem Zug der S-Bahn-Linie 7 Richtung Potsdam. Der junge Mann aus Schönefeld (Dahme-Spree-Kreis) ist nicht allein auf dem Bahnsteig: Drei Männer haben ebenfalls die Bahn verlassen. Das Trio hatte offenbar schon zuvor den Vorsatz gefasst, jemanden auszurauben. Der 21-Jährige ist auf dem Weg zum Ausgang, als ihn plötzlich ein Schlag auf den Kopf trifft. Er stürzt zu Boden und verliert für einen Moment das Bewusstsein. Die Angreifer nutzen das kaltblütig aus, durchsuchen die Jacke des Verletzten und stehlen seine Geldbörse. Sie nehmen sich auch das Mobiltelefon des Opfers. Als der Brandenburger wieder zu sich kommt, sieht er gerade noch, wie „drei Männer südländischen Aussehens in eine S-Bahn steigen“, die gerade in Richtung Innenstadt abfährt, sagt er später aus. Sie hatten alle weiße T-Shirts und dunkle Jeans an, erzählt er den Beamten der Bundespolizei.

Nach dem Angriff bat der 21-Jährige andere Passanten auf dem Bahnsteig um ein Telefon und meldete den Überfall der Polizei. Bis auf eine dicke Beule am Kopf und Kopfschmerzen hat der junge Mann den Überfall relativ gut überstanden, er musste nicht im Krankenhaus behandelt werden. Eine sofortige Fahndung der Bundespolizei nach den Tätern blieb ergebnislos. Die Beamten übergaben den Fall, im Amtsdeutsch „Verbrechenstatbestand“, an die Berliner Polizei.

Insgesamt 709 Fälle von Raub hatte die Polizei 2010 im Bereich des öffentlichen Nahverkehrs zu bearbeiten. Ein Jahr zuvor waren es mit 785 Taten noch fast zehn Prozent mehr gewesen. Bei insgesamt 31 000 Straftaten in Bussen und Bahnen pro Jahr spielt Raub eine untergeordnete Rolle. Sachbeschädigung (8175 Fälle) und Taschendiebstahl (6407) nehmen die Spitzenplätze der Straftaten ein. Besorgniserregend: Körperverletzungen rangierten im vergangenen Jahr mit 4446 Fällen auf Rang drei. 2009 waren sogar 120 Fälle mehr gemeldet worden.

Die Berliner Verkehrsbetriebe haben erst kürzlich die Kampagne „Deine Waffe gegen Gewalt“ gestartet. Sie soll bei den Fahrgästen die Bereitschaft zur Zivilcourage wecken und darauf aufmerksam machen, dass oft nur ein Fingerdruck genügt, um sich selbst und anderen zu helfen: Durch die Notrufsäulen ist Hilfe in Gefahrensituationen möglich, ohne sich selbst zu gefährden.