Kampf gegen Autobrandstifter

Was Berlin von Hamburg lernen kann

Während Berlin bei der Jagd nach den Autobrandstiftern auf den verstärkten Einsatz von Polizisten und Hubschraubern setzt, versucht es Hamburg mit Prävention. Die Hansestadt konnte in diesem Jahr bislang 15 Fälle von Brandstiftungen aufklären.

Foto: Andr Zand-Vakili

In der achten Nacht in Folge haben Unbekannte insgesamt elf Fahrzeuge angezündet . Fünf weitere Autos wurden dabei in Mitleidenschaft gezogen. Die Brandstifter schlugen diesmal in Reinickendorf, Spandau, Schöneberg, Kreuzberg, Alt-Rudow, Gesundbrunnen und Neukölln zu. In allen Fällen prüft der Polizeiliche Staatsschutz des Landeskriminalamtes eine politische Motivation. Doch nicht nur Berlin hat mit den immer wiederkehrenden Brandanschlägen zu tun. Auch in Hamburg wurden in diesem Jahr bereits 190 Fälle von Brandstiftungen registriert. Mehr als 300 Fahrzeuge wurden dabei zerstört oder beschädigt. Allerdings hat die Zahl der Attacken der Hamburger Polizei zufolge seit dem Frühjahr abgenommen. Die Berliner Morgenpost vergleicht, wie beide Metropolen gegen den Vandalismus vorgehen.

Taktik

Die Berliner Polizei setzt auf beweissichere Festnahmen durch den Einsatz von zivilen und uniformierten Polizisten, die die Täter auf frischer Tat stellen sollen. Die Hamburger Polizei setzte im vergangenen Jahr ebenfalls auf eine personalintensive Taktik. Bis zu 200 Beamte in Zivil und Uniform machten Jagd auf die Brandstifter. „Im Anschluss haben wir unser Konzept modifiziert“, sagt Polizeisprecher Mirko Streiber. In der Hansestadt verfolgt man nun einen „täterorientierten Ansatz“ und führt seit einiger Zeit sogenannte Gefährderansprachen durch. Dabei werden in der Vergangenheit straffällig gewordene Personen zu Hause aufgesucht, auf die Brandstiftungen angesprochen und auf mögliche strafrechtliche Konsequenzen aufmerksam gemacht. Die Polizei erhofft sich, auf diese Weise potenzielle Autobrandstifter von zukünftigen Taten abhalten zu können. In Berlin wird es nach Informationen dieser Zeitung keine Gefährderansprachen geben. Laut Angaben eines Beamten habe man zum einen keinen Verdächtigen, den man besuchen könne. Ferner würde man ihn eher observieren und versuchen, ihn nach einer Tat zu überführen.

Hubschraubereinsatz

Bei der Berliner Polizei war bisher ein Helikopter im Einsatz. Seit der Beteiligung der Bundespolizei an der Fahndung nach den Brandstiftern sind es nun zwei. Eine weitere Aufstockung wird nicht ausgeschlossen. Alle diese Hubschrauber sind mit Wärmebildkameras ausgestattet.

Die Hamburger Kollegen setzten bis 2010 ebenfalls einen Hubschrauber mit Wärmebildkamera ein. Wegen der Taktikänderung verzichtet die Polizei nun auf seinen Einsatz. Unter anderem aber auch, weil sich Anwohner wegen der Lautstärke beschwerten.

Polizisten

Bis zur Unterstützung durch die Bundespolizei waren zur Nachtzeit nur zur Bekämpfung der Brandstiftungsserie in Berlin zwischen 100 und 150 Polizisten im Einsatz. In der Nacht zum Dienstag waren es bereits 250 Beamte. Nach Angaben eines Polizeiführers soll die Zahl in den kommenden Tagen weiter aufgestockt werden.

In Hamburg sind nach Angaben der Polizei zurzeit rund 20 Beamte in Funkstreifen im Einsatz. Außerdem werden bei Bedarf weitere Beamte zur Aufklärung der Taten hinzugezogen. Wie viele das genau sind, möchte man bei der Polizei allerdings nicht sagen. Eine eigene Ermittlungsgruppe wie die Soko „Florian“ im vergangenen Jahr, der zeitweise bis zu 200 Mann angehörten, gibt es nun nicht mehr.

Erfolge

Bei der Berliner Polizei halten sich die Erfolge noch in Grenzen. Im Juni konnten zwei mutmaßliche Autobrandstifter festgenommen werden. Allerdings musste einer der beiden noch am selben Tag freigelassen werden. Sein mutmaßlicher Komplize konnte später wegen einer anderen Brandstiftung verurteilt werden. Bei den Beamten macht sich mit jedem Tag ohne Fahndungserfolg mehr und mehr der Frust breit. „Wir hatten gehofft, mit Unterstützung der Kollegen von der Bundespolizei endlich die Kette der Hilflosigkeit zu durchbrechen. Doch stattdessen müssen wir erneut eine Niederlage hinnehmen“, so ein Zivilfahnder.

Unterdessen wird auch Kritik an der Politik des Senats im Zusammenhang mit den Brandstiftungen laut. „Man hätte die Sache noch eindämmen können, als es noch ,nur Linke' waren, die selbsternannt ihren Kiez gegen zugezogene ,Bonzen' verteidigen wollten“, so ein ranghoher Polizeiführer. „Doch anfänglich wurde dieses Problem eher verniedlicht und nicht richtig ernst genommen. Jetzt agieren unpolitisch motivierte Täter und Extremisten unabhängig voneinander.“ Dies sei eine gefährliche Mischung, weil die unpolitisch motivierten Täter wahllos Autos anzünden, so der Polizeiführer.

Die Hamburger Polizei konnte in diesem Jahr nur 15 Fälle von Brandstiftungen aufklären. Wie in Berlin sind die Täter nur schwer zu fassen. Im vergangenen Juni konnten die Beamten in Hamburg-Rahlstedt, im Osten der Hansestadt, einen 17Jahre alten Tatverdächtigen festnehmen. Während der Vernehmungen gab er zu, zwei Fahrzeuge angezündet und bei sieben weiteren Autos die Scheiben eingeschlagen zu haben.