Müggelsee

14 Jugendliche kentern durch starke Windböen

"SOS" auf dem Berliner Müggelsee: Wegen unerwartet starkem Wind kenterten vier Ruderboote. 14 Jugendliche landeten mitsamt ihrer Zelte und Schlafsäcke im Wasser.

Foto: Reto Klar

„SOS“ hieß es am Müggelsee für Rettungskräfte und Wasserwacht, als ein Ausflug von 14 jungen Mitgliedern eines Ruderklubs ein plötzliches Ende nahm. Die Kinder und Jugendlichen zwischen 13 und 17 Jahren waren am Freitagabend gegen 18 Uhr mit ihren Betreuern in vier Ruderbooten vom Clubhaus an der Müggelspree zu einer längeren Tour aufgebrochen. Nur wenige Minuten später – die jungen Ruderer waren gerade in den Großen Müggelsee eingefahren – ließen plötzlich auftretende heftige Winde die Boote zunächst mit Wasser volllaufen und brachten sie schließlich zum Kentern. Unverhofft fanden sich die Insassen im Wasser wieder. Es dauerte einige bange Minuten, bis feststand, dass alle Verunglückten heil das Ufer des Sees erreicht hatten. Sie kamen mit dem Schrecken davon.

Während einige der Kinder und Jugendlichen sich aus eigener Kraft schwimmend an Land gerettet hätten, seien andere vom Wasserrettungsdienst aus dem Wasser gezogen worden, teilte die Polizei am Sonnabend mit. Ein vorsorglich gerufener Notarzt stellte bei den Betroffenen leichte Unterkühlungen fest, weitere Untersuchungen im Krankenhaus seien nicht nötig, befand der Mediziner.

Traditioneller Ferienabschluss

Es sollte der traditionelle Abschluss der Ferien werden, zu dem der Rudernachwuchs aus Friedrichshagen am späten Freitagnachmittag am Clubgelände an der Spreestraße aufgebrochen war. Ziel war der Peetzsee, östlich von Erkner, wo ein Campingwochenende geplant war. Eine solche Tour führt der Verein nach Angaben eines Vorstandmitgliedes in jedem Jahr durch, mal zum Ende der Ferien, mal zum Ausklang der Wassersportsaison. Die diesjährige Tour stellte für die jungen Sportler eine besondere Herausforderung dar, knapp 30 Kilometer beträgt die Strecke vom westlichen Ufer des Müggelsees bis zum Peetzsee. Dass die lange geplante Tour am Freitag so frühzeitig und abrupt endete, ersparte den Beteiligten zwar viel Schweiß und Mühe, glücklich war darüber allerdings keiner. Ganz im Gegenteil.

Denn nicht nur die 14 Teilnehmer und ihre Betreuer landeten plötzlich und ohne Vorwarnung im Wasser, auch Gepäck, Proviant, Schlafsäcke, Zelte und sonstiges Equipment schwamm nach dem plötzlichen Kentern im Müggelsee. Einige der Sachen konnten noch am Freitagabend geborgen werden, andere wurden von Mitgliedern des Ruderklubs am Sonnabend von einem Motorboot aus eingesammelt.

Am Sonnabendvormittag – die noch im Müggelsee schwimmenden Reste der Camping-Ausstattung waren inzwischen geborgen worden – beherrschte das vorabendliche Geschehen auch die Diskussionen der älteren Vereinsmitglieder, die sich auf dem Clubgelände eingefunden hatten. Schön sei das natürlich nicht gewesen, aber wirklich gefährlich auch nicht, erklärte ein Vorstandsmitglied, das nicht namentlich genannt werden möchte. „Die Kinder und Jugendlichen bei uns im Verein werden natürlich im Rahmen ihrer regelmäßigen Trainingsstunden auch auf solche möglichen Vorfälle vorbereitet, für sie ist das nichts Ungewöhnliches“, beteuerte der Vorstand. Die modernen Boote des Vereins seien so konstruiert, dass sie nach dem Kentern oben schwimmen und die Insassen sich daran festhalten könnten, bis Hilfe komme, aber das sei in diesem Fall ja auch gar nicht nötig gewesen, ergänzte er. Vorhersehbar, so dass Vorstandmitglied, sei der Unfall nicht gewesen, vom Startplatz der geplanten Tour an der Müggelspree aus habe man den Wellengang im Großen Müggelsee nicht erkennen können.

Etwas allerdings hat den Mann nachdenklich gemacht: „Zum Zeitpunkt des Unfalles herrschte auf dem See reger Verkehr, es waren zahlreiche Freizeitkapitäne und auch zwei Fahrgastschiffe in der Nähe des Unfallortes unterwegs. Geholfen hat allerdings niemand.“