Spreeuferweg

Bürgermeister droht Berggruen mit Enteignung

Eigentlich sollte auch Kreuzberg nach dem Bürgerentscheid "Spreeufer für alle" diesen Sommer einen Uferweg an der Spree bekommen. Doch mit einem Vertrag gibt es noch Probleme.

Auch Kreuzberg soll einen Uferweg an der Spree bekommen. Das ist eine Forderung aus dem Bürgerentscheid „Spreeufer für alle“ vom Sommer 2008. Geplant war, dass ein 600 Meter langer Abschnitt zwischen Schillingbrücke und Brommystraße in diesem Sommer eröffnet wird. Doch das Vorhaben ist ins Stocken geraten. Denn der Uferweg soll über drei Grundstücke führen. Dazu muss das Bezirksamt mit den drei Eigentümern Verträge abschließen. Es sind die Behala, die Nicolas Berggruen Holdings und das Unternehmen, dem die Heeresbäckerei gehört.

Mit der Behala sei ein Vertrag zum Uferweg abgeschlossen, sagt Friedrichshain-Kreuzbergs Bezirksbürgermeister Franz Schulz (Grüne). Für das Gelände der Heeresbäckerei ist die Möglichkeit eines Uferwegs seit langem festgeschrieben. Schwierig ist die Situation beim Grundstück Köpenicker Straße 18-20, das Berggruen Holdings gehört. Man habe noch keine Einigung erzielt, sagt Bürgermeister Schulz. Deshalb werde jetzt ein Bebauungsplan vorbereitet, nur für den etwa 50 Meter langen und fünf Meter breiten Streifen für den Uferweg auf diesem Gelände. Zweck ist, für diese kleine Fläche die künftige Nutzung Uferweg festzulegen. Dann könne der Streifen enteignet werden, sagt Schulz. Das Land müsste ihn vom Grundstückseigentümer kaufen.

Doch der Bürgermeister hofft, dass es zu einer gütlichen Lösung kommt. Darauf setzt auch die Berggruen Holding. „Wir nehmen an den Planungen des Bezirkes zur Gestaltung des Uferwegs seit Jahren konstruktiv teil und sind über die noch offenen Fragen im guten Gespräch“, sagte eine Sprecherin. Es gebe jedoch noch eine Reihe zu klärender Fragen, zum Beispiel, wer für die Verkehrssicherheit auf dem Uferweg zuständig ist und haftet. Berggruen Holdings hat das Grundstück an die Exil Wohnmagazin GmbH vermietet. Die wiederum hat den Platz an die Betreiber des Restaurants Sage vermietet.

Am Ufer stehen Liegestühle, Tische und eine Bar. „Der Uferweg bedeutet das Ende für unsere Strandbar“, sagt Sascha Disselkamp. Einer der wenigen, noch „wilden“ Orte in Berlin werde verschwinden. Stattdessen werde ein glatter, platter Weg mit Geländer zur Spree hin entstehen. Auch Exil-Geschäftsführerin Conny Neiber meint, es müsse ein Uferweg entstehen, der zu Kreuzberg passt. „Wenn er dicht am Ufer geführt wird, dann müssten Bäume gefällt werden.“ Sie schlägt vor, dass der Uferweg auf dem Berggruen-Grundstück einige Meter entfernt von der Böschung durch das Gelände geführt wird, hinter der Bar. Dazu habe es keine Einigung gegeben, sagt Schulz, der dennoch auf eine Lösung hofft. Die Kosten für den Uferweg werden auf 1,5 Millionen Euro geschätzt und sollen aus dem Programm Stadtumbau West bezahlt werden.