Tag der offenen Tür

Kanzlerin Merkel und ihre 150.000 "Staatsgäste"

Die Bundesregierung zum Anfassen: Das Kanzleramt und die 14 Ministerien haben wieder für's "Volk" geöffnet. Zu den prominenten Gastgebern gehören Merkel, Westerwelle und Schäuble.

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Für dieses Wochenende hat die Bundesregierung zum 13. Tag der offenen Tür eingeladen. Auch am Sonntag haben das Bundeskanzleramt, die 14 Ministerien und das Bundespresseamt ihre Türen für die Besucher geöffnet. Von 10 bis 18 Uhr können die Gäste noch einmal unter dem Motto „Einladung zum Staatsbesuch“ hinter die sonst verschlossenen Bürotüren treten und einen Blick in den Regierungsalltag werfen. Zu den 485 verschiedenen Veranstaltungen an den zwei Veranstaltungstagen werden wie im Vorjahr insgesamt rund 150.000 Gäste erwartet.

Bereits am Sonnabendvormittag sind Zehntausende den Einladungen der Bundeskanzlerin und der Ministerinnen und Minister gefolgt. Hunderte Besucher warten schon zu Beginn des Veranstaltungswochenendes auf Einlass in das Kanzleramt. Großes Interesse und dichtes Gedränge herrscht an den Staatsgeschenken aus aller Welt, die ausgestellt sind.

Schreibtische der Spitzenpolitiker

Zum bereits traditionellen Tag der offenen Tür haben Ministerinnen, Minister, ihre Stellvertreter und sogar die Bundeskanzlerin die Gastgeberrollen übernommen. Führungen bringen Besucher zum Teil bis an die Schreibtische der Spitzenpolitiker. Einige von ihnen, wie etwa Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU), Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) und Innenminister Hans-Peter Friedrichs (CSU) suchen am Sonnabend Gespräche mit den Besuchern. Für Sonntag haben Außenminister Guido Westerwelle (FDP) und Bildungsministerin Anette Schavan (CDU) ihr Kommen an ihren Dienstsitzen angekündigt. Doch auch ohne Westerwelles Anwesenheit am Sonnabend lockt das Auswärtige Amt zahlreiche Besucher.

Wilhelm und Evelyn Jungbauer aus Stuttgart sind auf Berlin-Besuch und von dem Tag der offenen Tür begeistert. „Was wir sonst nur aus dem Fernsehen kennen, erleben wir jetzt hautnah“, sagen sie. Bei Rundgängen wird die Arbeit des Krisenreaktionszentrums erklärt und die Organisation eines Staatsbesuches gezeigt. Viele junge Menschen kommen in diese Regierungsbehörde, um sich über die Ausbildungsmöglichkeiten im Auswärtigen Dienst zu informieren, so auch Leonie Böhm (17). Sie spricht Englisch und Spanisch. „Ich möchte mich erkundigen, welche Laufbahnen ich mit diesen Sprachen einschlagen kann“, sagt sie. Andere erkundigen sich über den Freiwilligendienst. „Wir sind in das Auswärtige Amt gekommen, um uns über die Möglichkeiten und die Bedingungen des Freiwilligendienstes des Auswärtigen Amtes zu informieren“, sagt Katharina Schmermbeck. Mit zwei gleichaltrigen Freundinnen plant die 17 Jahre alte Schülerin die Zeit zwischen Abitur und Studienbeginn im kommenden Jahr. „Wir möchten schon gern im Ausland im sozialen Bereich tätig sein, es geht uns aber auch darum, andere Kulturen kennenzulernen.“

Die Eurokrise scheint weit weg

Im Bundesministerium der Finanzen an der Wilhelmstraße herrscht Gartenpartystimmung. Livemusik, Vorführungen des Zolls und Grillstände lassen die Eurokrise, Staatsverschuldung und Griechenlandbankrott für kurze Zeit vergessen. Zahlreiche Mitarbeiter des Amtes stehen Rede und Antwort und auf Infotafeln werden die komplizierten Themen verständlich aufgearbeitet. Auch der Hausherr, Finanzminister Wolfgang Schäuble, lässt sich in „seinem“ Garten auf der Bühne blicken und stellt sich dem Dialog.

Vor dem Verkehrsministerium an der Invalidenstraße sind zahlreiche Infostände und Bierbänke aufgebaut. Die Besucher können kleine Modellboote testen und an einem ADAC-Geschicklichkeitsparcours teilnehmen. Die Attraktion vor dem Ministerium ist ein Taucher, der in einem knapp drei Meter tiefen Becken ein simuliertes Leck zusammenschweißt. Fasziniert beobachtet die dreijährige Line das Geschehen. „Wir sind seit Sonntagmorgen unterwegs und haben mehrere Ministerien besucht“, sagt Mutter Kristin Richter (31) aus Pankow. Selbst für kleine Kinder sei der Tag der offenen Tür lohnenswert. Line erlebt ihr größtes Abenteuer im Teddybär-Krankenhaus des Gesundheitsministeriums. „Ich habe einem Teddy Medizin gegeben und ihn verarztet“, erzählt sie. Zum Verschnaufen spendiert ihr ihre Mutter ein Eis. Außerdem werden die Besucher Zeugen des Startschusses für ein Zukunftsprojekt: Den elektronischen Fahrausweis, kurz E-Ticket. Die Ausweise im Checkkarten-Format sollen den Fahrgästen des ÖPNV ein bequemeres Fahren ermöglichen. Das Ziel: „Mit einem E-Ticket quer durch Deutschland reisen zu können“, stellt Sjev Janssen vom Verband Deutscher Verkehrsunternehmen die Idee vor und zückt ein E-Ticket. Er steigt in den BVG-Bus und hält die Karte an die Eintrittskontrolle. Ab September testen 300 BVG-Stammkunden das E-Ticket.

Am Sonntag haben alle Häuser erneut von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Programm unter www.bundesregierung.de