Philharmoniker in der Waldbühne

Warum das Konzert abgesagt werden musste

Erstmals haben die Berliner Philharmoniker ihr Waldbühnenkonzert absagen müssen. Grund war das schlechte Wetter. Der langjährige Veranstalter Peter Schwenkow spricht im Interview mit Morgenpost Online über Wetterkapriolen, Open Air-Konzerte und Denkmalschutz.

Morgenpost Online: Herr Schwenkow, Sie veranstalten seit mehr als 20 Jahren das Waldbühnenkonzert der Philharmoniker. Am Sonnabend musste es zum ersten Mal wegen Regens abgesagt werden. Eine schwere Entscheidung?

Peter Schwenkow: Natürlich. Ich selbst habe zwischen 18 und 21 Uhr mehr als 30-mal mit Martin Hoffmann, dem Intendanten der Philharmoniker, telefoniert. Am Ende war die Entscheidung aber leider unumgänglich.

Morgenpost Online: Warum?

Peter Schwenkow: Das Schlimme war nicht der Regen, sondern der Wind. Normalerweise weht er über die Waldbühne hinweg. Am Sonnabend hat er aber den Regen auf die Bühne getrieben. Es wären nicht nur die ersten Reihen der Streicher nass geworden, sondern die halbe Bühne bis hin zu den Blechbläsern. Wir hatten wegen der Wettervorhersage noch am Nachmittag den kompletten Aufbau nach hinten gezogen, aber bei dieser sehr seltenen Wetterlage hat das nichts gebracht.

Morgenpost Online: Können sie sich an ähnliche Situationen erinnern?

Peter Schwenkow: 1986 stand ein Konzert mit Leonard Bernstein kurz vor der Absage. Damals hat es glücklicherweise aufgehört zu regnen. Häufiger sind solche Situationen früher bei Pop- und Rockkonzerten vorgekommen, als die Gitarren noch Kabel hatten und die Musiker befürchten mussten, einen elektrischen Schlag zu bekommen.

Morgenpost Online: Wie anfällig sind Open-Air-Konzerte heute für Wetterkapriolen?

Peter Schwenkow: Wir haben in den vergangenen fünf Wochen mehr als 50 Open-Airs veranstaltet mit David Garrett und Peter Maffay. Bei normalen Konzerten bauen wir die Überdachung selbst. Droht Regen, können wir den Wetterschutz vergrößern. In der Waldbühne geht das aber nicht.

Morgenpost Online: Würde ein Umbau helfen, die Waldbühne wettersicherer zu machen?

Peter Schwenkow: Die Waldbühne steht zu Recht unter Denkmalschutz. Das Dach, das in Abstimmung mit dem Land Berlin gebaut wurde, prägt die einzigartige Optik und damit auch das Image des Veranstaltungsortes. Daran etwas zu ändern, kann sich niemand wünschen. Und, wie gesagt: Eine Wetterlage wie am Sonnabend ist wirklich sehr selten. Ich bin zuversichtlich, dass die nächste Verschiebung wegen Regens frühestens wieder in 27 Jahren nötig ist.

Morgenpost Online: Am Sonnabend wurde der 23. August als Ersatztermin genannt. Steht das Datum?

Peter Schwenkow: Ja. Und das ist keineswegs so selbstverständlich. Ich muss da die tolle Zusammenarbeit mit dem Intendanten, dem Dirigenten und den Musikern loben. Die Vorbereitung eines Konzertes dauert sonst bis zu zwei Jahre. Dass wir es trotz des prall gefüllten Terminkalenders geschafft haben, in nur 45 Minuten einen Ersatztermin zu organisieren, ist wirklich außergewöhnlich. Das ist auch eine Hommage der Philharmoniker an das Berliner Publikum.