Autobrandanschläge

Berlin lehnt Hilfe von Bundespolizisten ab

Innenminister Hans-Peter Friedrich will wegen der anhaltenden Brandanschläge auf Autos notfalls zusätzliche Bundespolizisten in der Hauptstadt einsetzen. Die Berliner Polizei ist aber der Meinung, dass auswärtige Einsatzkräfte ohne die entsprechenden Orts- und Szenekenntnisse aktuell wenig hilfreich sind.

Das Video konnte nicht gefunden werden.

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich hat sich wegen der zahlreichen Brandanschläge auf Autos in Berlin besorgt gezeigt.

Video: Reuters
Beschreibung anzeigen

In der fünften Nacht in Folge haben Unbekannte wieder zwei Autos und ein Motorrad angezündet. Ein weiteres Fahrzeug wurde durch die Flammen beschädigt. Diesmal schlugen die Brandstifter in der Nacht zu Sonnabend in Alt-Hohenschönhausen, Altglienicke und Friedrichshain zu. Damit wurden allein von Montag bis Sonnabend 76 Autos zerstört. Angesichts der anhaltenden Brandserie sagte Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) bei Bedarf die Unterstützung des Bundes zu.

Wenn Not am Mann ist, sei die Bundespolizei zur Hilfe bereit, sagte Friedrich am Sonnabend. So werde die Fahndung nach den Brandstiftern schon jetzt mit Hubschraubern unterstützt. Allerdings sei es nicht möglich, dass der Bund dauerhaft Defizite in einzelnen Bundesländern ausgleiche, so Friedrich. Zudem forderte der Minister ein hartes Durchgreifen gegen die Täter. Die Brandserie sei sehr beunruhigend. „Deswegen plädiere ich für ein hartes und konsequentes Vorgehen gegen diese Art von Kriminalität.“ Durch Fahndungserfolge und klare Urteile müsse deutlich gemacht werden, „dass sich die Bürger das nicht gefallen lassen“.

Die Berliner Polizei dankte für das Angebot, will aber vorerst die Hilfe von Bundesbeamten nicht in Anspruch nehmen. Polizeisprecher Frank Millert sagte Morgenpost Online: „Zur Zeit setzen wir weiter auf die Mischung ortskundiger Berliner Bereitschaftspolizisten sowie besonders geschulter und erfahrener Fahndungskräfte.“ Diese würden je nach der jeweiligen Lage eingesetzt, so Millert weiter. Die Polizei sei bereits jede Nacht mit deutlich mehr als 100 Polizisten im Einsatz. Allerdings komme es nicht auf die Quantität, sondern auf die Qualität der Umsetzung der Strategien an. „Insbesondere deshalb sind auswärtige Einsatzkräfte ohne die entsprechenden Orts- und Szenekenntnisse aktuell wenig hilfreich“, so Millert. Man werde auf das Angebot allerdings gerne zurückkommen, wenn sich der Bedarf für noch mehr uniformierte Beamte ergibt.

CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt schlug unterdessen vor, die Polizei durch die Ordnungsämter zu unterstützen. So sollen die Mitarbeiter auf nächtliche Streifen gehen. „Um das Eigentum der Bürger zu schützen, müssen die Ordnungsämter ihre vielen Mitarbeiter, die sonst überall in der Stadt die Parkautomaten überwachen, zu nächtlichen Patrouillendiensten gegen die Brandstifter heranziehen“, sagte Dobrindt der „Bild am Sonntag“. Denkbar sei für ihn auch ein Einsatz privater Sicherheitsdienste.

Die Polizei sucht weiterhin mit Hochdruck nach den Tätern. Bislang sind 30 Hinweise eingegangen. Eine heiße Spur ist allerdings noch nicht darunter. Mehr Erfolg hatten die Beamten hingegen bei der Aufklärung einer Serie von Kinderwagen-Brandstiftungen in Prenzlauer Berg. Nach monatelangen Ermittlungen konnten Fahnder am Freitag einen 29-jährigen Mann in Prenzlauer Berg auf frischer Tat ertappen. Der Zeitungsausträger aus Neukölln wurde am frühen Morgen festgenommen. Gegen 5.30 Uhr bemerkten Mieter eines Wohnhauses in der Winsstraße zwei brennende Kinderwagen. Polizeibeamte konnten das Feuer schnell löschen. Wenig später nahmen die Beamten den Mann in der nahe gelegenen Heinrich-Roller-Straße fest. Die Fahnder hatten ihn bereits seit längerem observiert. In der Nacht zu Freitag verfolgten sie den Mann bei der Auslieferung der Zeitungen. Dabei kontrollierten die Polizisten jeden Hausflur, den er betrat. In der Winsstraße hielt sich der Verdächtige längere Zeit auf. Nachdem er das Haus verlassen hatte, entdeckten die Beamten die brennenden Kinderwagen. Bei der Vernehmung gestand er schließlich elf Brandstiftungen aus den vergangenen fünf Wochen, teilte ein Polizeisprecher am Sonnabend mit. Gegen den Mann wurde Haftbefehl erlassen.

Einen weiteren Erfolg konnte die Polizei ebenfalls am Freitag vermelden. Wie die Polizei erst am Sonnabend mitteilte, nahmen Beamte eine 30-jährige Frau fest, die in einem Hausflur in Moabit mehrere Briefe und Werbeprospekte angezündet hatte. Anwohner hatten sie beim Zündeln ertappt und die Polizei gerufen.