Brennende Autos

Berlins Polizeichefin vor erster Bewährungsprobe

Für Berlins amtierende Polizeichefin Margarete Koppers sind die vielen brennenden Autos die erste echte Bewährungsprobe. Die von der Gewerkschaft geforderte Hilfe der Bundespolizei will sie nicht einholen, auch weil es sich bei den Taten nicht um Terrorismus handele.

Die nächtlichen Autobrände in Berlin sind nicht nur zu einer großen, wenn nicht gar übergroßen Herausforderung für die Polizei der Hauptstadt geworden. Sie sind auch die erste echte Bewährungsprobe für Polizeivizepräsidentin Margarete Koppers. Seit Ende Mai leitet die 49 Jahre alte Juristin die Behörde kommissarisch. Vorher war sie hauptsächlich für die wenig öffentlichkeitswirksamen Angelegenheiten der Polizeiverwaltung zuständig, jetzt steht sie plötzlich im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Wann hört die unheimliche Brandserie endlich auf, was tut die Polizei dagegen? Das sind die Fragen, die die Menschen in der Stadt, die Medien und derzeit vor allem die im Wahlkampf befindlichen Berliner Politiker stellen. Und die „oberste Polizistin“ Berlins soll die Antworten geben.

Verfahren enden mit Freispruch

Immer wieder stehen Autos in Flammen, seit mehr als drei Jahren geht das so. Und gerade mal ein halbes Dutzend Tatverdächtige konnten seither vor Gericht gestellt werden, die meisten von ihnen wurden freigesprochen. Erfolg sieht anders aus. Margarete Koppers weiß natürlich, dass die Polizei dabei oftmals einen hilflosen Eindruck macht. Aber den will sie ebenso natürlich nicht stehen lassen. „Wir setzen zur Bekämpfung der Brandstiftungen alles ein, was uns rechtlich zur Verfügung steht“, stellt die Behörden-Chefin klar. Nacht für Nacht seien zudem Zivilfahnder, szenekundige Beamte, Funkstreifenwagen und Beamte der Einsatzhundertschaften unterwegs. „Nicht nur der Staatsschutz ist mit den Ermittlungen befasst, sondern auch die vier Brandkommissariate des Landeskriminalamtes. Dazu kommen noch Fachdienststellen aus den örtlichen Direktionen.“

Seit einiger Zeit gebe es im Landeskriminalamt auch eine Stelle, die die Arbeit der verschiedenen Fachdienststellen und Einheiten bündelt und koordiniert. Unterschiedliche Fachdienststellen seien mittlerweile nötig, weil auch die Täter längst aus höchst unterschiedlichen Motiven handeln. Und natürlich agiere die Polizei nicht planlos, sondern nach ausgearbeiteten und ständig der jeweiligen Lage angepassten Konzepten, ergänzt Koppers. Details dazu könne sie aus ermittlungstaktischen Gründen allerdings nicht nennen. Der Einwand, diese Aussage könne auch als Ausrede gewertet werden, lockt sie nicht aus der Reserve. Ein Ermittlungskonzept, dessen Einzelheiten öffentlich und damit auch potenziellen Tätern bekannt werden, ist letztlich nutzlos, also schweigt sie.

Die Vizepräsidentin argumentiert mit der Sicherheit und Gelassenheit eines Menschen, der zutiefst überzeugt ist, das Richtige zu tun und früher oder später damit auch Erfolg zu haben. Früher wäre angesichts der Stimmung in der Stadt sicherlich besser. Dennoch, auf die harsche Kritik an der Polizei und deren politischer Führung angesprochen, verwendet sie einige Male das Wort Wahlkampf, das muss reichen, um die Kritik einzuordnen.

Wenn es hingegen um fachliche Details geht, wird sie wieder konkret. Berlin müsse sich jetzt Unterstützung bei der Bundespolizei und aus anderen Bundesländern holen, haben Oppositionspolitiker und Polizeigewerkschaftler gefordert. Margarete Koppers quittiert diese Forderung zunächst einmal mit Kopfschütteln. Es komme bei der Bekämpfung der Brandstifter nicht auf die Zahl der eingesetzten Beamten an, sondern auf die Qualität der Konzepte und Strategien. Außerdem seien auswärtige Einsatzkräfte ohne Orts- und Szenekenntnis nur wenig hilfreich. „Und es ist überaus naiv zu glauben, der Bund oder irgendein anderes Bundesland würde uns über Wochen oder Monate Kräfte zur Verfügung stellen. So etwas geht nur bei Großlagen über wenige Tage, wie etwa am 1.Mai“, sagt die 49-Jährige.

Koppers widerspricht Bundespolitikern, die die Brandstifter in die Nähe von Terroristen der RAF gerückt haben. „Es hat mit Terrorismus gar nichts zu tun. Eine ernsthafte politische Zielsetzung ist nicht erkennbar.“ Dies schließe nicht aus, dass sich der oder die Brandstifter auch in der linksextremistischen Szene oder an ihrem Rand bewegten. „Die Täter haben eher eine pseudopolitische Motivation und sind Mitläufer. 2009 war das noch anders, da konnte man anhand der Taten politische Motive erkennen. Diese Hinweise gibt es derzeit nicht.“

Das Vorgehen der Brandstifter sei aus kriminalistischer Sicht eher primitiv. „Das sind keine intelligenten, sondern feige, heimtückische Taten.“ Koppers zeigt sich sicher, dass die Polizei Erfolg haben werde: „Ich bin überzeugt, dass wir die Taten aufklären. Gerade Serientäter lassen sich leichter fassen, weil sie immer wieder zuschlagen und Fehler machen.“