Sommerfest

Wowereits Wahlkampfstart geht im Regen unter

Regen und Wind schafften eine wenig sommerliche Stimmung zum Wahlkampfauftakt der Berliner SPD. Der Regierende Bürgermeister ließ sich jedoch nicht die Laune vermiesen – und versetzte den Grünen ein paar Seitenhiebe.

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Die beste Pointe an diesem verregneten Sonnabend setzte der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) spontan. „Seid ihr von den Grünen?“, rief er einer Gruppe johlender junger Menschen zu, die am Tauentzien mit dem Bierbike unterwegs waren. „Es ist so feucht-fröhlich bei euch“, sagte er in Anspielung auf den in dieser Woche wegen einer Trunkenheitsfahrt abgelösten Wahlkampfmanager der Grünen. Aber der Spruch hellte die Laune der wenigen Dutzend Zuhörer nur kurz auf. Das Familienfest der SPD, das zugleich den Auftakt zum Wahlkampf für die Wahlen zum Abgeordnetenhaus am 18. September darstellte, fiel am Sonnabend ins Wasser.

Regen und Wind machte den Sozialdemokraten auf dem Wittenbergplatz tüchtig zu schaffen, Zelte drohten, vom Wind weggetragen zu werden, aufgestautes Regenwasser ergoss sich an den Ständen in unregelmäßigen Abständen in Sturzbächen auf den Boden. Dennoch schauten viele Spitzen-Sozialdemokraten vorbei. Neben Wowereit kamen SPD-Chef Sigmar Gabriel, SPD-Landeschef Michael Müller, DGB-Chef Michael Sommer und Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer. Allerdings verspürten die wenigsten von ihnen Lust, sich an den rund 25 Ständen über das Wirken der SPD in den Bezirken zu informieren. Stattdessen suchten sie lieber irgendwo unter einem Dach Schutz vor den Wetterturbulenzen. Schließlich musste Landesgeschäftsführer Rüdiger Scholz die Anwesenden drängen, sich vor die Bühne zu stellen, um der als Polit-Talk angekündigten Rederunde auf der Bühne zu folgen.

Auch der Moderator konnte die Stimmung unter tristgrauem Himmel nicht aufhellen. „Wie viele Kinder haben sie?“, fragte er Landeschef Müller. Zwei. „Und die gehen zur Schule. Was tut die SPD für die Schulen?“, fragte er unvermittelt. Und was für die Studierenden? Und was ist mit den Sprachtests an Grundschulen? Danke. Der nächste. „Herr Gabriel, wann waren sie zum ersten Mal in Berlin?“ Und was ist das Besondere an Berlin. Was hat es mit dem Atomausstieg auf sich? Danke. Klaus Wowereit wurde zum Tourismus, dem Großflughafen, den Arbeitsplätzen, dem Öffentlichen Nahverkehr und der Elektro-Mobilität abgefragt.

„Berlin verstehen, darum geht es“, sagte Wowereit im Regen auf dem Wittenbergplatz. „Es reicht nicht, hier zu leben.“ Schon jetzt wird deutlich, dass Wowereit im Duell mit seiner Herausforderin von den Grünen, Renate Künast, im Wahlkampf als der Platzhirsch dastehen will, der im Gegensatz zur Bundespolitikerin Künast das Gefühl der Berliner anspricht und versteht. Zehn Jahre habe er hart dran gearbeitet, dass Berlin bei den Touristen aus aller Welt so angesagt ist. Deswegen brauche Berlin künftig einen leistungsfähigen Großflughafen. Auch für die Flugroutengegner, die zuletzt auch Wowereit heftig kritisiert hatten, fand der Regierende Bürgermeister am Sonnabend warme Worte. „Die Bürger haben zu Recht protestiert. Ich habe großes Verständnis dafür“, sagte Wowereit.

Er verteidigte den Ausbau der Videoüberwachung auf den U-Bahnhöfen und schimpfte auf die S-Bahn. „Sie wurde jahrelang ausgeschlachtet, um die Braut für den Börsengang schönzumachen“, kritisierte er den Eigentümer, die Deutsche Bahn. Zurzeit bemühe sich Berlin, vom Bund als Modellregion für die Elektro-Mobilität ausgewählt zu werden. Hier soll ein neuer Schwerpunkt für die Wirtschaft entstehen. Zum Schluss überraschte Wowereit dann noch mit der Aussage, dass er die energetische Sanierung der Gebäude vorantreiben werde. Einen entsprechenden Gesetzesentwurf hatte der Senat Ende des Jahres allerdings versenkt. Das sagte Wowereit den zuhörenden Sozialdemokraten allerdings nicht.

SPD-Chef Müller verriet auf dem Sommerfest allerdings noch ein Familiengeheimnis. Er werde am Wahltag wie jeden Sonntag mit seiner Familie gemütlich frühstücken. „Und dann werden wir uns wie jeden Sonntag die Sendung mit der Maus anschauen. Egal, wie alt die Kinder sind (13 und 16), wir schauen uns alle vier jeden Sonntag die Sendung mit der Maus an“, sagte Müller.

Davon war Sigmar Gabriel so verblüfft, dass er vor mehreren 100 Zuhörern ankündigte: „Ich werde auch frühstücken und mir dabei zum ersten Mal die Sendung mit der Maus anschauen, versprochen.“ Er werde Müller anrufen und ihm dann den Hörer hinhalten, damit er überprüfen könne, dass er sein Versprechen halte, sagte Gabriel lachend. Nur Klaus Wowereit versicherte: „Ich frühstücke auch und werde mir dabei die Sendung mit der Maus garantiert nicht ansehen.“