Ungewöhnliches Wahlprogramm

"Die Partei" will Eisbär Knut wiederbeleben

Nach dem Fackelzug durch das Brandenburger Tor plant Martin Sonneborn, Vorsitzender von Die Partei und Ex-"Titanic"-Chefredakteur, Klaus Wowereit auszustopfen und Eisbär Knut wiederzubeleben.

Foto: dpa

„Im Wahlkampf geht es nicht um politische Inhalte“, sagt Martin Sonneborn, Vorsitzender von Die Partei und ehemaliger Chefredakteur des Satiremagazins „Titanic“. Vielmehr entschieden Bilder über die Gunst der Wähler. Meint Martin Sonneborn, wenige Minuten nachdem er am Sonnabend um 22 Uhr mit einer brennenden Fackel in der Hand durch das Brandenburger Tor gezogen ist, gefolgt von etwa 30 Mitgliedern seiner Partei. „Das war doch ein starkes Bild“, freut sich der große, schlaksige Mann.

Die Reaktionen der Passanten auf den Fackelmarsch am 50. Jahrestag des Mauerbaus waren jedoch völlig unterschiedlich. Eine Frau bekam einen Lachanfall, als sie Die Partei durch das Brandenburger Tor kommen sah, lauthals ihr Parteilied „Die Partei hat immer recht“ singend. Ein junger Mann auf dem Fahrrad fand hingegen, dass der Fackelmarsch schlimme Erinnerungen an das Hitler-Regime wecke. Vor Entsetzen würde er am liebsten irgendwie eingreifen. Bis ihn die Frau mit dem Lachanfall aufklärt, dass es keine Neonazis sind, die da entlangmarschieren. Sondern eine satirische, politische Gruppierung. „Muss ich mich mal informieren“, meint er, bevor er davonradelt.

Sollte er. Immerhin hat es Die Partei geschafft, zur Berliner Wahl am 18. September zugelassen zu werden. Auf Partys und Volksfesten hat die 2004 gegründete politische Gruppe Unterschriften dafür gesammelt. Aber Martin Sonneborn weiß, dass Die Partei nicht allen Berlinern ein Begriff ist. Deshalb die Bilder. Provokante Aktionen, zu denen Journalisten eingeladen werden. „Wir brauchen die Medien, Wahlplakate können wir uns nicht leisten.“

Dabei bedient sich der 46-jährige Satiriker, wie er sagt, bei „Propagandamethoden, die sich in der Geschichte bewährt haben“. Wie dem Fackelmarsch. Er sehe nicht ein, wieso solche Aktionen Neonazis vorbehalten bleiben sollten. Auch seine Partei wolle die dadurch entstehende Aufmerksamkeit nutzen. Der gebürtige Göttinger distanziert sich aber von rechtsradikalen Ansichten. Vielmehr wolle Martin Sonneborn damit die NPD aus dem Weg räumen, sie ihrer Methoden berauben.

Die Parteimitglieder laufen nach dem Fackelmarsch Unter den Linden in Richtung Alexanderplatz. Die Aktion ist bislang ungestört verlaufen, keine Polizei ist gekommen, wie es Martin Sonneborn erwartet hat. Plötzlich sind sie doch da, die Männer in grüner Uniform. Ob das hier eine nicht angemeldete Versammlung sei, wollen die Polizisten wissen. „Wir gehen nur spazieren“, gibt Sonneborn an. Dabei singe man eben auch ein bisschen, Sprüche wie „Ho-ho-hoch die Mauer“ oder „Wir sind zwei Volk“, aber daran sei ja nichts Verwerfliches. „Oder?“

Irritierte Polizisten stehen nun Unter den Linden, Die Partei kennen auch sie nicht. Vorsorglich werden Personalien von 14 Personen aufgenommen, eine Ermittlung wegen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz eingeleitet, das derzeit 16. Verfahren. Zum Glück wird Sonneborn nicht verhaftet.

Knut soll wiederbelebt werden

Schließlich soll er um 23.59 Uhr in der Kalkscheune bei der dortigen „Schönen Party“ sein Parteiprogramm vorstellen. Was er dann auch macht: „Ich will Wowereit ausstopfen, Künast frisieren und Knut wiederbeleben“, kündigt er an. Die Partygäste johlen. Der wichtigste Punkt seines Wahlprogramms: Die Partei will die Mauer zwischen Ost und West wieder aufbauen. „Die endgültige Teilung Deutschlands ist unser Ziel.“ In Berlin soll es aber Durchlässe geben, die Bundeshauptstadt soll keine „Sonderbewirtschaftungszone“ werden, wie die neuen Bundesländer heißen. Um sein Ziel zu erreichen, ist Sonneborn jedes Mittel recht, am liebsten aber populistische. Er instrumentalisiere Kinder, sagt er, während er ein Foto von sich und der niedlichen Tochter eines Kollegen zeigt. Zudem wolle die Partei auf „Negatives an anderen Parteien“ hinweisen. Bewährte Wahlkampfstrategien anderer Parteien seien das.

Auch einem TV-Duell mit dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) würde sich Martin Sonneborn stellen. „Dann können sich die Bürger entscheiden, ob sie frischen Wind wollen.“ Vorteilhaft am Programm der Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative sei, dass es wenige Inhalte habe und leicht zu verstehen sei. Den Gästen der „Schönen Party“ kündigt Martin Sonneborn einen harten Wahlkampf an. In einem Nebensatz erwähnt er dann noch: „Nicht ernsthaft, natürlich.“