"Flugroutengipfel"

Wowereit verweigert Erfolgsregisseur den Zutritt

Nach wiederholten Einladungen war der Regierende Bürgermeister nun doch zu einem Gespräch mit den Flugrouten-Gegnern bereit. Allerdings musste der Friedrichshagener Regisseur Leander Haußmann („Sonnenallee") draußen bleiben.

Foto: Michael Brunner

Lange haben die Menschen im Berliner Südosten auf das Gespräch mit dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) warten müssen. Denn auf den Friedrichshagener Flugrouten-Demonstrationen, mittlerweile sechs an der Zahl, hatte er sich trotz wiederholter Einladungen durch die Bürgerinitiative nicht blicken lassen. Am Dienstagabend war es nun endlich so weit. Zwar ist der Regierende, zugleich Aufsichtsratsvorsitzender der Berliner Flughafengesellschaft, nicht an den Müggelsee gekommen. Aber immerhin hat er sechs Delegierte der Friedrichshagener Initiative gegen die Flugrouten (FBI) in seinem Amtszimmer im Roten Rathaus empfangen. „Es war ein ernsthaftes Gespräch, aber konkret erreicht ist vorerst noch nichts“, sagte Bernd Ebert, Sprecher der Initiative, kurz nach dem zweistündigen „Flugroutengipfel“, zu dem die Presse keinen Zutritt hatte.

Keinen Zutritt zum Krisengespräch hatte auch der Friedrichshagener Schauspieler und Regisseur Leander Haußmann. Zwar hatte die Bürgerinitiative den Macher von Erfolgsfilmen wie „Sonnenallee“ „Herr Lehmann“ und „NVA“ auf die Delegiertenliste gesetzt. Doch die Senatskanzlei teilte der Initiative mit, dass Herr Wowereit keinen Wert auf die Anwesenheit des Filmemachers lege. Als Grund für die Ablehnung des 52-Jährigen verweist das Büro des Bürgermeisters auf die „beleidigenden Worte“, mit denen Haußmann den Bürgermeister Ende Juli bedacht hatte. Haußmann hatte vor 2000 Demonstranten auf der Flugroutenkundgebung ins Mikrofon gerufen: „Wowereit, komm endlich her! Lass die spitzmündigen Feiern, deine Partys und das Fashionzeugs. Hebe deinen Arsch hierher und übe deinen Beruf aus – sei ein Meister der Bürger!“ Dass der Bürgermeister „so dünnhäutig“ sei, so Haußmann vor den rund 5000 Demonstranten am vergangenen Montag in Friedrichshagen, habe ihn überrascht. Aber auf ein Treffen im Rathaus sei er ohnehin nicht erpicht gewesen.

620.000 Menschen betroffen

Die Herzen der Menschen im Südosten der Stadt hatte sich Haußmann mit diesen Worten im Sturm erobert. Schließlich leben in der Region nach Angaben der Bürgerinitiative rund 620.000 Menschen, die von den jüngsten Flugroutenplänen der Deutschen Flugsicherung für den Hauptstadtflughafen BER in Schönefeld unmittelbar betroffen sind. 80.000 von ihnen müssen mit erheblichen Lärmbelästigungen rechnen, wenn BER in rund zehn Monaten in Betrieb geht. Bei Ostwind sollen demnach täglich bis zu 120 startende Flugzeuge das Naherholungsgebiet Müggelsee in einer Mindesthöhe von 1150 Metern überfliegen. Außer vor den gesundheitlichen Folgen des Fluglärms warnen die Kritiker auch vor einer erhöhten Kerosin-Belastung über einem der wichtigsten Wasserreservoirs der Stadt.

„Wir wollten Wowereit daran erinnern, dass er noch im Oktober 2010, als es um die Flugrouten über Lichtenrade und den Wannsee ging, von einem Skandal gesprochen hat“, so Manfred Kurz von der Friedrichshagener Initiative. „Wir fordern nun von ihm, dass er sich genauso darüber empört, dass nun über den Müggelsee geflogen werden soll.“ Der Vertrauensschutz, den Wowereit für die Menschen im Südwesten eingefordert habe, müsse auch für die im Südosten gelten. Vergangene Woche hatte die Bürgerinitiative eine von der SPD Treptow-Köpenick organisierte Dampferfahrt auf dem Müggelsee dazu genutzt, dem Regierenden knapp 13000 Unterschriften von Bürgern zu übergeben und ihm eine alternative Flugroute südlich von Müggelheim vorgeschlagen.

Auch im Anschluss an das Treffen am Dienstagabend stellte sich Wowereit lediglich den Fragen der RBB-„Abendschau“. In der Sendung äußerte er sein Verständnis für die Proteste der Bürger von Friedrichshagen, vor allem, weil sie von einer Flugroute betroffen seien, die zuvor nicht in der Debatte war. Wowereit sicherte der Bürgerinitiative erneut seine Unterstützung dabei zu, dass die von der FBI vorgeschlagene Alternativroute zu den geplanten Überflügen über den Müggelsee von den zuständigen Bundesbehörden ernsthaft geprüft wird. Dies habe er bereits in einem Schreiben an den Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) deutlich gemacht. Wowereit sagte aber auch: „Wenn die Sicherheitsbedenken der Flugsicherung richtig sind, dann muss die Belastung hingenommen werden.“

Enttäuscht zeigte sich FBI-Sprecher Ebert darüber, dass Wowereit bei dem Treffen keine Bereitschaft signalisiert habe, auf einer der nächsten Montags-Demonstrationen direkt zu den Friedrichshagener Bürgern zu sprechen. Auch sei er nicht auf Forderungen der Bürgerinitiative eingegangen, dass das Nachtflugverbot zwischen 22 Uhr und sechs Uhr morgens vom künftigen Großflughafen konsequent eingehalten und dass daher auf Abflüge in den späten Abend- und den frühen Morgenstunden verzichtet werde.

Die dritte und wohl folgenschwerste Forderung der Bürgerinitiative betrifft den Verzicht, BER als internationales Drehkreuz auszubauen. „Für Umsteigeverkehre muss ein zweiter Flughafen außerhalb der Stadt errichtet werden“, forderte der FBI-Vertreter Manfred Kurz. Zur Begründung verwies er auf das Luftfahrtmagazin „Roger“. Dieses berichtet in seiner August-Ausgabe, dass der Airport Berlin Brandenburg BER einer Studie der TU Dresden zufolge ohnehin nicht groß genug sei, um ein weiteres Wachstum bis hin zu einem internationalen Drehkreuz zuzulassen. „BER ist zwar grundsätzlich in der Lage, Linienverkehre und auch die Businessaviation zu bedienen“, wird die Studie zitiert. Jedoch käme es in den beliebten Tagesrandzeiten möglicherweise schnell zu Kapazitätsengpässen.