Anschlagserie in Berlin

Autobrandstifter weiten ihr Gebiet aus

In der Nacht zu Freitag haben Unbekannte vier Fahrzeuge in Schöneberg und Charlottenburg angezündet. Damit steigt die Zahl der zerstörten Autos auf beinahe 250. Trotz großem Fahndungsaufwand kann Polizei kaum Brandstifter fassen.

Nur 24 Stunden nach der Brandanschlagsserie in Zehlendorf und Steglitz haben Unbekannte in Schöneberg und Charlottenburg erneut Autos in Brand gesetzt. Insgesamt vier Fahrzeuge wurden in der Nacht zu Freitag beschädigt, darunter ein Dienstfahrzeug der Bezirksverwaltung Pankow. Menschen kamen bei den jüngsten Anschlägen nicht zu Schaden. Der Staatsschutz ermittelt. Die Anzahl der von Brandstiftern seit Jahresbeginn zerstörten Autos stieg damit auf beinahe 250.

Der erste Brandanschlag wurde am Freitag in Schöneberg unweit des Nollendorfplatzes verübt. Unbekannte hatten gegen 0.30 Uhr in der Courbièrestraße einen geparkten Audi A4 angezündet. Der Geschäftsführer eines Lokals bemerkte die Flammen zuerst, alarmierte Polizei und Feuerwehr. Letztere brauchte jedoch nicht mehr einzugreifen. Einem Lokalgast gelang es, den Brand noch vor dem Eintreffen der Feuerwehr zu löschen und so einen größeren Sachschaden zu verhindern. Dennoch war die Limousine nicht mehr fahrtüchtig, so die Feuerwehr.

Kein Bekennerschreiben

Erheblich größeren Schaden richteten Brandstifter kurz darauf im Charlottenburger Norden an. Auf dem Gelände eines Autohandels an der Franklinstraße standen um 1.15 Uhr plötzlich zwei Fahrzeuge in Flammen. Der oder die Täter hatten auf dem Betriebsgelände einen VW-Polo des Pankower Ordnungsamtes und einen Mercedes 190 in Brand gesetzt. Die von einem Anwohner alarmierte Feuerwehr löschte die Brände. Sie konnte aber nicht verhindern, dass ein neben dem Polo geparkter VW ebenfalls am Kotflügel beschädigt wurde. Hinweise auf die Täter gibt es nicht. Auch ein Bekennerschreiben liegt nach Angaben eines Polizeisprechers nicht vor. Der Staatsschutz untersucht jetzt, ob eine politische Tatmotivation in Betracht zu ziehen ist.

Trotz eines erheblichen Fahndungsaufwandes tut sich die Polizei nach wie vor schwer, die Brandstifter zu fassen. Es ist eines der größten Probleme, dass die Tat ganz schnell, in nur wenigen Sekunden ausgeübt werden kann. Selbst wenn Verdächtige in der Nähe eines Tatortes gestellt werden und Beamte bei ihnen Spuren von Brandbeschleunigern finden, führt dies mitunter nicht zu einer Verurteilung. „Im Prinzip müssten die Täter bei ihren Straftaten beobachtet oder fotografiert worden sein oder von einer Überwachungskamera aufgenommen worden sein, um ihnen zweifelsfrei die Brandstiftung nachzuweisen“, sagte ein Beamter, der bereits mehrfach „frustriert mit ansehen“ musste, dass Tatverdächtige nicht belangt werden konnten oder mangels Beweisen frei gesprochen wurden.

Fast in der ganzen Stadt

Erst am Mittwoch wurde ein 43-Jähriger wegen eines politisch motivierten Brandanschlages zu einer Freiheitsstrafe verurteilt, die jedoch – nach zweimonatiger Untersuchungshaft – zur Bewährung ausgesetzt wurde. Ihm wurde vorgeworfen, im Februar in Friedrichshain einen BMW angezündet zu haben. Dem arbeitslosen Mann wurde auferlegt, 300 Stunden gemeinnützige Arbeit zu leisten. Der vorsitzende Richter zeigte sich überzeugt davon, dass der Angeklagte nicht rückfällig werden würde. Die Staatsanwaltschaft indes hatte für den wegen politisch motivierter Sachbeschädigung von Autos bereits vorbestraften Mann eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und drei Monaten gefordert. Die Tatsache, dass die Brandstifter nicht mehr nur in den Stadtteilen Kreuzberg, Mitte, Friedrichshain und Lichtenberg zuschlagen wie noch 2007 und 2008, sondern zunehmend in der ganzen Stadt zündeln, erschwert die Arbeit der Polizei noch zusätzlich. Ihr fehlen die Vollzugsbeamten, um auch in früher verschont gebliebenen Wohngebieten in Zehlendorf, Steglitz oder Heiligensee ausreichend Fahnder einsetzen zu können.

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