Grundwasser-Problem

Verregneter Sommer sorgt für nasse Keller

Nach den vielen Regenfällen in den vergangenen Wochen hat sich das Grundwasser-Problem in Berlin verschärft. Bei vielen Hausbesitzern und Betrieben sind die Keller nass. Das führt zu hohen Kosten.

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Wochenlange Niederschläge haben nicht nur Touristen und Schülern die Sommer-Bilanz verhagelt. Sorgen bereitet die nasse Saison auch Immobilienbesitzern, denen derzeit wieder das Wasser in die Keller steigt. Je länger die Folgen steigenden Grundwassers in Berlin ignoriert würden, desto stärker gefährde dies auch Arbeitsplätze und Investitionen, warnt jetzt die Industrie- und Handelskammer (IHK).

Schon heute beklagt die IHK einen „massiven Standortnachteil für die Berliner Wirtschaft“ und fordert gemeinsam mit Interessenverbänden von Wohnungswirtschaft und Grundeigentümern die Politik auf, der Grundwasserproblematik in Folge sinkenden Wasserverbrauchs aktiv zu begegnen. In einem Schreiben an das Abgeordnetenhaus nennen die Unterzeichner als dringendsten Schritt die Einrichtung einer Grundwasserkonferenz. Besetzt mit Fachleuten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik, solle diese Lösungen für siedlungsverträgliche Wasserstände finden. Konkret schlagen die Autoren niedrigere Wasserpreise, Grundwasserregulierung durch Brunnen und Hilfen für betroffene Hauseigentümer vor.

Und davon gibt es nicht wenige. 900 Gebäude mit rund 19.000 Wohneinheiten sind der Wohnungswirtschaft berlinweit bekannt, bei denen Keller und Mauern oft mehrmals im Jahr nass werden. Dazu kommen Eigenheimbesitzer. Entlang des Urstromtales, das Berlin von Nordwesten nach Südosten durchzieht, sind manche Kieze wie das Blumenviertel in Rudow fast flächendeckend betroffen.

Bei einer aktuellen Umfrage der IHK unter Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes gaben 13 von 52 Firmen an, unter steigendem Grundwasser zu leiden. Das ist jedes vierte der beteiligten Unternehmen. Die Folgekosten sind hoch: Allein zur Beseitigung akuter Schäden an 6000 Wohnungen beziehungsweise deren Kellern mussten Wohnungsunternehmen seit 2006 nach Angaben des Verbands Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen insgesamt acht Millionen Euro aufwenden. Mehrere 100.000 Euro rechnet die Türklitz Grundstücksgesellschaft, wollte sie ein Objekt an der Bülowstraße gegen eindringendes Wasser sichern. Teilflächen würden nicht genutzt, sagt Möbel Hübner-Chef Albert Türklitz. Die Immobilienfirma gehört zur Hübner-Gruppe. Bei den starken Regenfällen im Frühjahr 2011 mussten Waren vermieteter Lagerflächen „mit Riesenkosten und -aufwand in andere Etagen gebracht werden“. Siemens fördert seit Jahren auf eigene Rechnung Grundwasser im stillgelegten Wasserwerk Jungfernheide. Auch den BMW-Motorradwerken in Spandau steht das Wasser im Keller. Ralf Thon, Standortleiter der ebenfalls betroffenen MAN Diesel & Turbo in den Borsigwerken, sieht für den Vorstoß der Verbände trotzdem wenig Hoffnung. Die Politik werde erst reagieren, „wenn es zu einem ernsthaften Risiko für die Unternehmen wird.“

Das Land hatte eigenen Handlungsbedarf – mit Rückendeckung des Verwaltungsgerichts – stets zurückgewiesen. Matthias Gille, Sprecher der Stadtentwicklungsverwaltung: „Die Verantwortung liegt eindeutig bei den Eigentümern.“