Hansa-Haus

Berlins Ostsee-Perle startet in die letzte Saison

Noch bis Ende September können sich die letzten Gruppen und Familien aus dem Bezirk Reinickendorf sich im Hansa-Haus in Kühlungsborn erholen, dann wird Berlins Ostsee-Perle zum Verkauf ausgeschrieben.

Das schlossartige weiße Gebäude direkt am Ostseestrand kostete seinerzeit 230.000 Goldmark. Die Stadt Berlin erwarb 1929 das Hansa-Haus in Kühlungsborn, um dort ein Kindererholungsheim einzurichten. Nun ist die Ära kostengünstiger Urlaube für arme Kinder aus der Hauptstadt in dem noblen Ostsee-Bad vorbei. Noch bis Ende September können sich die letzten Gruppen und Familien aus dem Bezirk Reinickendorf im Hansa-Haus erholen. Dann ist Schluss.

Der Liegenschaftsfonds des Landes Berlin bietet das Objekt inzwischen zum Verkauf an. Unter den Baugrundstücken, Wohnimmobilien oder Gewerbearealen, die sonst im Verkaufskatalog auf Interessenten warten, sticht die Ostsee-Perle unter dem Titel „Sonne, Strand und Meer“ hervor. Der Wert des Hansa-Hauses und des 5000 Quadratmeter großen Grundstücks wird auf fünf bis sechs Millionen Euro geschätzt.

Der Bezirk Reinickendorf hatte sich im vergangenen Jahr nach heftigen Debatten durchgerungen, sein nobles Erholungsheim zu verkaufen. „Das Haus hat unser Budget jedes Jahr mit zwischen 120000 und 180000 Euro belastet“, sagte Jugendstadtrat Andreas Höhne (SPD). „Das Geld brauchen wir an anderer Stelle dringender.“ Natürlich wäre es traumhaft, dieses Kleinod weiter betreiben zu können. Aber dazu müsste das eben kostenneutral möglich sein.

Ganz einfach dürfte die Vermarktung der Ferienimmobilie nicht werden. Der Bau mit dem markanten Eck-Türmchen und dem repräsentativ geschwungenen Giebel steht unter Denkmalschutz. Zwar wurde er seit seiner Eröffnung 1905 als Hotel genutzt und galt als eines der schönsten Häuser in Kühlungsborn, aber schon bald darauf wurde es eben zur Gruppenerholung genutzt.

11.000 Übernachtungen

So blieb es auch zu DDR-Zeiten, als das Haus am Strand als Kinderheim und als Hilfsschule diente. Es fiel an Berlin zurück und wurde 1996 umfangreich renoviert. Aus dem Haus etwa ein Luxushotel zu machen, wäre ziemlich aufwendig, zumal in Frage steht, ob der Denkmalschutz notwendige Umbauten genehmigen würde.

Unabhängig vom Vermarktungserfolg des Liegenschaftsfonds hat Reinickendorf das Objekt aus seinem Fachvermögen entlassen und somit zum Verkauf freigegeben. Elftausend Übernachtungen zählte der Bezirk pro Jahr im Hansa Haus. Schulklassen, Kitas, Jugendgruppen, aber auch ärmere Familien genossen die Ferien am Ostseestrand.

Zwar hatte die Bezirksverordneten-Versammlung mit einer Mehrheit aus CDU und FDP vor einem Jahr beschlossen, das Hansa Haus abzugeben. Aber immer wieder tauchten Forderungen auf, das Erholungsheim eben doch lieber einem freien Träger zu übergeben, der es im bisherigen Sinne weiterführen könnte.

Zuletzt war im Frühjahr 2011 von einem Investor die Rede, der das Haus einem freien Träger aus dem Sozialbereich überlassen wollte. Aber seit der Liegenschaftsfonds nun das offizielle Bieterverfahren für das Haus mit seinen 2800 Quadratmetern Nutzfläche eingeleitet hat, geht es um einen Verkauf an den Meistbietenden. Von sozialen Bindungen ist im Exposé nicht die Rede.

Aus Sicht des Bezirks ist der Verlust des Objektes zwar bedauerlich, aber es gebe auch andere Unterkünfte an der Ostsee, die für Gruppen von Kindern und Jugendlichen günstige Tarife anböten, sagte Jugendstadtrat Höhne.

Der Bezirk erhält einen Teil des Kaufpreises und spart die bis zu 200.000 Euro, die der Betrieb des Hauses bisher jedes Jahr verschlungen hat. Es sei wichtiger, die Jugendfreizeitheime im Berliner Norden zu halten, sagte der Stadtrat.