Airport BER

Flugrouten-Gegner buhen Gysi und Künast aus

Bereits zum sechsten Mal sind Bürger in Friedrichshagen gegen die geplanten Flugrouten über den Müggelsee auf die Straße gegangen. Gregor Gysi und Renate Künast demonstrierten mit - allerdings nicht für alle überzeugend.

Foto: dapd / dapd/DAPD

Es ist die sechste Montagsdemo, zu der sich vor allem Müggelsee-Anwohner versammeln. Aber sie haben Verstärkung von Bürgerinitiativen aus Großbeeren, Rangsdorf, Lichtenrade, Lichterfelde und Wannsee erhalten. Rund 2500 Flugroutengegner sind es, die sich auf dem Friedrichshagener Marktplatz versammelt haben. Woher sie auch gekommen sind, sie haben eins gemeinsam: Sie sind wütend.

Einige Grünen-Fahnen wehen zwischen vielen Hundert Protestplakaten. Erst vor wenigen Wochen war bekannt geworden, dass auch die Region um den Müggelsee vom Fluglärm stark betroffen sein wird. Flugzeuge können hier bei Flughöhen über 1500 Meter von der Route abweichen und Stadtgebiete überqueren.

Die Anwohner fürchten nun um ihre Lebensqualität, sobald der geplante Großflughafen BER seinen Betrieb aufnimmt. Der Lärm werde kaum erträglich sein, da das Wasser des Sees den Schall der Flugzeuge multipliziere, heißt es. Die Preise der Grundstücke würden sinken, der durch den Lärm verursachte Stress könne unerträglich werden. Einige der Flugroutengegner fordern die Verlagerung des Flughafens nach Sperenberg. Alle plädieren für ein absolutes Nachtflugverbot von 22 bis 6 Uhr.

Renate Künast ist für viele an diesem Abend der personifizierte Kampf gegen Umweltzerstörung. Sie hoffen auf die Öko-Partei. „Grün ist es auch im Osten“, heißt es auf mehreren Plakaten. Pünktlich zu Künasts Auftritt überquert ein Flieger die Bühne, vor der sich die Menschen drängen. Die grüne Spitzenkandidatin nutzt ihre Rede für den Wahlkampf gegen den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), kritisiert die „Vertuschungspolitik des rot-roten Senats“. Überzeugen kann sie damit nicht. „Was wollen Sie denn tun?“, ruft ein Demonstrant. „Ich kann hier keine unseriösen Versprechungen machen“, sagt Künast. Sie verweist auf das Umweltbundesamt. „Für die nächsten drei Monate ist das die richtige Anlaufstelle, sie prüfen alternative Routen und Lärmbelästigung“, sagt sie. Sie helfe bei der Übermittlung der Gutachten. Da beginnen die Buh-Rufe.

Auch Gregor Gysi (Linke) ist unter den Demonstranten. Er habe Kanzlerin Angela Merkel (CDU) in einem Brief aufgefordert, sich gegen den drohenden Fluglärm einzusetzen, erzählt er. Müggelsee und Wannsee müssten geschützt werden. „An- und Abflüge am neuen Flughafen müssen auf ein Minimum reduziert werden, auch wenn damit Umwege verbunden sind.“ Auch seine zunächst mit Wohlwollen aufgenommenen Ausführungen wurden dann durch Pfiffe unterbrochen. Sowohl Gysi als auch Künast hatten sich auf Nachfragen eines Moderators nicht klar zu Sperenberg bekannt.

Auf dem Marktplatz mit dabei ist der Physiker Joachim-Friedrich Marich. Er kommt aus Lichterfelde-Ost und findet, dass viel mehr seiner Nachbarn da sein müssten. „Wir müssen uns zusammentun, aber in Lichterfelde sind viele noch nicht aufgewacht“, sagt er. Er ärgert sich über die Politik. Viele Abgeordnete hat er mit seiner Bürgerinitiative besucht. „Alle machen denselben Eiertanz“. 13000 Müggelsee-Anwohner hatten jüngst einen Brief unterzeichnet, in dem sie sich gegen den Ausbau des Flughafens BER und vor allem gegen seine Rolle als internationales Drehkreuz aussprechen. Die Unterschriftenliste liegt nun beim Regierenden Bürgermeister.

Klaus Wowereit hatte der Bürgerinitiative zugesagt, sich schriftlich bei Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) für eine Prüfung der Müggelsee-Route einzusetzen. „Als die Flugzeuge noch über Lichtenrade fliegen sollten, hat er sich persönlich engagiert“, sagt Gerhard Rochow. Müggelsee, so scheine es, sei für den Bürgermeister nicht wichtig genug.

Von Wowereit erwarten viele Flugroutengegner nur noch wenig. Zuletzt habe er versucht, über den Müggelsee zu schippern, erzählt ein Mann. „I love Müggelsee“ habe auf seinem T-Shirt gestanden. Demonstranten hatten sich auf das Boot geschmuggelt, weil sie meinten, dass der Bürgermeister den direkten Kontakt mit den Flugroutengegnern scheue.

Am heutigen Dienstagnachmittag lädt Wowereit Vertreter der Demonstranten ins Rote Rathaus ein, um über mögliche Änderungen der Flugrouten zu diskutieren. Am Mittwochnachmittag will CDU-Spitzenkandidat Frank Henkel mit den BER-Kritikern diskutieren.

Anneliese Schmidt, die mit ihren Kindern aus Lankwitz nach Friedrichshagen gekommen ist, glaubt dennoch keinem der Spitzenkandidaten. „Die wollen alle nur die Wahl gewinnen“, sagt sie. Sie werde weiter demonstrieren und protestieren. Am 28. August planen die Bürgerinitiativen, um 15 Uhr eine Menschenkette um den Müggelsee zu bilden.

>>> Das sind die neuen Flugrouten für den BER

Mehr Details zu den Flugrouten finden Sie auf den Internetseiten des Landes Brandenburg (PDF)