Razzia

Berlins größter Kokainfund seit Jahrzehnten

Der Polizei ist ein spektakulärer Schlag gegen die Drogenkriminalität gelungen: Nach langer Ermittlungsarbeit wurden 40 Kilo Kokain sichergestellt - soviel wie im gesamten Jahr 2010. Für Kunden wurde ein sogar ein bequemer Lieferservice eingerichtet.

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Dem Berliner Landeskriminalamt (LKA) ist bei der Bekämpfung der Drogenkriminalität einer der spektakulärsten Fahndungserfolge der vergangenen Jahrzehnte gelungen. Nach mehrmonatigen intensiven Ermittlungen konnten am Dienstagabend bei Durchsuchungen in Schöneberg und Charlottenburg unter anderem 40 Kilogramm Kokain und mehr als eine Million Euro Bargeld sichergestellt werden. Fünf mutmaßliche Drogenhändler wurden festgenommen und am Mittwoch einem Haftrichter vorgeführt.

Monatelang hatten Spezialisten des LKA-Dezernats für organisierte Bandenkriminalität (OK) in teils mühsamer Kleinarbeit Beweise gegen die Dealer gesammelt; über einen ähnlich langen Zeitraum wurden die Verdächtigen von Beamten eines Mobilen Einsatzkommandos (MEK) rund um die Uhr observiert. Am Dienstag war dann für die Polizei der Zeitpunkt gekommen, um zuzuschlagen. Die Staatsanwaltschaft erwirkte Durchsuchungsbeschlüsse für 14 Wohnungen, am Abend rückten OK-Fahnder, Spezialkräfte, Festnahmeeinheiten einer Einsatzhundertschaft und Kriminaltechniker bei den Wohnungen an.

Die sichergestellten 40 Kilogramm Kokain haben nach Angaben eines Polizeisprechers einen Straßenverkaufswert von 2,5 Millionen Euro. Neben dem Bargeld in Millionenhöhe stießen die Beamten in mehreren Wohnungen auch auf scharfe Schusswaffen, die ebenfalls beschlagnahmt wurden. Bei den fünf Festgenommenen handelt es sich um Deutsche, Türken und Libanesen im Alter zwischen 30 und 38 Jahren. Die Ermittler sehen sie als führende Köpfe einer Dealer-Organisation, die jahrelang vor allem den Berliner Markt belieferte.

Drogen frei Haus per Lieferservice

40 Kilogramm sind die größte Menge an Kokain, die jemals in Berlin auf einen Schlag sichergestellt wurde. Zahlen aus polizeilichen Lagebildern zeigen dabei die Bedeutung des Fundes. 40 Kilogramm, das entspricht in etwa der Menge, die im gesamten Jahr 2010 sichergestellt wurde. Im Jahr davor waren es nur gerade zehn Kilogramm. Kokain spielt auf dem Drogenmarkt der Hauptstadt eine weitaus geringere Rolle als Heroin oder sogenannte weiche Drogen wie Marihuana.

Die Zahlen sagen allerdings wenig über den tatsächlichen Umfang des Handels mit der zumeist aus Südamerika eingeschmuggelten Droge. LKA-Ermittler gehen ebenso wie Zollfahnder von einer hohen Dunkelziffer aus. Denn der Handel mit dem weißen Pulver blüht noch mehr im Verborgenen, fernab bekannter Umschlagplätze, als andere Drogengeschäfte. Kokain gilt nach wie vor als „Party-Droge der Reichen und Schönen“, wie es ein Ermittler formuliert. „Und die treiben sich gewöhnlich nicht auf Bahnhöfen oder in Parks herum“, sagte der Beamte.

Die Kokain-Händler tragen den Wünschen ihrer gehobenen Kundschaft in jeder Hinsicht Rechnung. So flog beispielsweise im vergangenen Jahr eine Bande auf, die für ihre zahlungskräftigen Abnehmer einen bequemen Bestell- und Lieferservice organisiert hatte. „Die Lieferung erfolgt in der Regel frei Haus, konsumiert wird ebenfalls im privaten Bereich, häufig auf Partys. In diese abgeschottete Szene vorzudringen, ist ausgesprochen schwierig“, beschreibt ein Zollfahnder die Probleme, gerade bei der Bekämpfung des Kokain-Handels.

Das stets überregional, häufig auch international betriebene Geschäft befindet sich auch in Berlin vorwiegend in der Hand von Großfamilien nahöstlicher Herkunft sowie Mafia-Gruppen aus Süd- und Osteuropa. Aber auch Deutsche mischen mit. Anfang dieses Jahres wurden die Drahtzieher einer Gruppe verurteilt, die eineinhalb Jahre lang mehr als insgesamt 30 Kilogramm Kokain aus Südamerika nach Berlin geschmuggelt hatte. Die beiden Bosse, ein 59-jähriger Berliner mit dem Decknahmen „Panzer“ und ein 44-jähriger Brandenburger, der in der Szene als „Kanone“ bekannt war, organisierten den Schmuggel auf vielfältige Art. Für den Transport auf dem Luftweg rekrutierten sie Kuriere, die heiße Ware gegen ein Honorar von einigen 1000 Euro in eigens dafür präparierten Rollkoffern schmuggelten. Der Transport auf dem Seeweg erfolgte zumeist in Containern, deren Ziele Überseehäfen wie Hamburg, Bremen oder Antwerpen waren. Von dort ging es auf dem Landweg weiter Richtung Osten.

Im vergangenen Jahr flog eine sechsköpfige Drogenhändler-Bande – allesamt Brandenburger – auf, die das Kokain mit einer gecharterten Segelyacht aus der Karibik nach Deutschland transportierten. Bei einer Durchsuchung des Schiffes im niedersächsischen Cuxhaven wurden 17 Kilogramm sichergestellt. Sie waren für die Schickeria-Szene Berlins bestimmt.