Airport BER

Wowereit will Flugrouten erneut prüfen lassen

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hat sich am Dienstagabend für eine nochmalige Überprüfung der Flugrouten für den neuen Großflughafen ausgesprochen. Einen entsprechenden Brief habe er bereits fertig in der Schublade.

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Nachhaltigkeit ist das Stichwort der Proteste im Köpenicker Ortsteil Friedrichshagen, die sich gegen die Flugrouten zum künftigen Großflughafen BER richten. An der fünften Montagsdemonstration nahmen nach Angaben des Veranstalters, der Friedrichshagener Bürgerinitiative (FBI), rund 3000 Demonstranten teil. Am Dienstagabend verliehen die Bürger ihren Forderungen erneut Nachdruck. Die Bürgerinitiative nutzte die vom Ortsverein der SPD in Treptow-Köpenick jährlich organisierte „Politische Dampferfahrt“ über den Müggelsee, um den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) endlich mit den Forderungen der Friedrichshagener konfrontieren zu können. Und er sagte den Anwohnern zu, die Flugrouten für den künftigen Großflughafen Schönefeld erneut prüfen zu lassen. Er werde Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) und auch die Flugsicherung in einem Brief darum bitten, den er schon fertig in der Schublade habe, sagte Wowereit. Sollte es keine bessere Lösung geben, müsse man die bisher geplanten Flugrouten aber auch akzeptieren, schränkte er ein.

Die Bürgerinitiative hatte zuvor ihrem Ärger über Wowereits Politik Luft gemacht. „Wir wollen nicht streiten, aber mit unseren Interessen auch nicht hinter dem Berg halten“, sagte die Vorsitzende des Bürgervereins Friedrichshagen, Sigrid Strachwitz. Auch der Fraktionsvorsitzende der SPD in Treptow-Köpenick, Oliver Igel, sprach sich für alternative Flugrouten aus.

Die Flugrouten sind aber nicht der einzige Grund für die Empörung der Friedrichshagener: Die Bürger fühlen sich zurückgesetzt. Sowohl Klaus Wowereit als auch seine Herausforderin, die Grünen-Spitzenkandidatin Renate Künast, haben die Einladungen der Bürgerinitiative gegen die Müggelsee-Flugroute bislang aufgrund von „Terminproblemen“ ausgeschlagen. Für die Flugroutengegner von Lichtenrade hätten der Regierende Bürgermeister und seine Herausforderin Zeit gehabt, kritisiert die Friedrichshagener Bürgerinitiative. „Wir sind enttäuscht, dass sich Klaus Wowereit den Problemen der Bürger an dieser Stelle verschließt“, sagte der FBI-Sprecher Manfred Kurz.

Nach der Abfahrt des Dampfers am Dienstagabend, bei den Tischgesprächen in vertrauter Runde, übergab die Bürgerinitiative Klaus Wowereit eine Liste mit Unterschriften – und ein T-Shirt mit der Aufschrift „I love Muggelsee“. 12.000 Müggelsee-Anwohner haben nach Angaben der Initiative mit ihrer Unterschrift gegen den Ausbau des Flughafens zum internationalen Drehkreuz und gegen die geplanten Flugrouten über den Müggelsee protestiert. Außerdem fordern sie ein Nachtflugverbot zwischen 22 Uhr und 6 Uhr. „Man muss auch mal ganz klar sagen, dass Klaus Wowereit jedes Jahr auf dem Müggelsee schippert und bekennt, wie schön es hier ist. Und dann will er das alles zerstören?“, empörte sich Strachwitz. Doch der Regierende Bürgermeister zeigte sich konziliant: Artig bedankte er sich für das T-Shirt in XL („M passt mir nämlich nicht“) und bot der Bürgerinitiative in der kommenden Woche ein Gespräch im Roten Rathaus an.

Die Bürgerinitiative beeindruckte das wenig. Es gelte weiter zu verhindern, dass Flugzeuge ausgerechnet über den Müggelsee fliegen. Enttäuscht sind die Friedrichshagener nach der Dampferfahrt aber trotzdem nicht: „Klaus Wowereit hat sich sehr viel Zeit genommen“, sagte Sigrid Strachwitz.

>>> Das sind die neuen Flugrouten für den BER

Mehr Details zu den Flugrouten finden Sie auf den Internetseiten des Landes Brandenburg (PDF)