Verunreinigtes Trinkwasser

Spandauer Trinkwasser ist wieder genießbar

Nach dem Fund von coliformen Keimen im Spandauer Trinkwasser ist bei weiteren Labortests das Trinkwasser als unbedenklich eingestuft worden. Da die Verschmutzungsquelle ist weiterhin unklar ist, wird das Wasser mit Chlor desinfiziert.

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Die Entwarnung kam um die Mittagszeit: Das Wasser in Spandau kann seit Sonnabend wieder unbesorgt genossen werden. Nachdem die Berliner Wasserbetriebe (BWB) das Trinkwassernetz „umfänglich beprobt“ und unbedenkliche Untersuchungsergebnisse erhalten hätten, habe „das Gesundheitsamt das am Donnerstag ausgesprochene Abkochgebot für das Trinkwasser aufgehoben“, hieß es in einer Mitteilung. Nach der Verschmutzungsquelle wird aber weiterhin gesucht.

Zwei Tage lang sollten rund 200.000 Bewohner eines Gebietes nördlich der Heerstraße und westlich der Havel auf Anraten der Behörden das Wasser aus der Leitung 20 Minuten lang abkochen, bevor sie es in Getränken oder Speisen zu sich nahmen. Hintergrund war der Fund coliformer Keime bei Routinetests. Alle zwei Tage werden derartige Tests in den Berliner Wasserwerken durchgeführt. „Das ist öfter, als es die Trinkwasservorordnung vorsieht“, sagte BWB-Sprecher André Beck. Die Darmbakterien waren im Rohwasser im Wasserwerk Spandau aufgetreten. Als solches bezeichnen Fachleute das, was Grundwasserbrunnen aus 60 bis 100 Metern Tiefe zu Tage fördern. Nach der Belüftung und Filterung, die vor allem dem Entfernen von Mangan- und Eisenverbindungen dienen, fließt das Wasser im Wasserwerk Spandau in drei Reinwasserbehälter. In Folge des Keimbefunds am Donnerstagvormittag wurden diese Behälter gereinigt, das Trinkwasser wird seither mit Chlor desinfiziert. Zusätzlich wurden von insgesamt 30 in Betrieb befindlichen Brunnen 22 ältere vom Netz genommen. Der Rückgang der Wasserförderung von 70.000 auf 25.000 Kubikmeter pro Tag wird durch Einspeisungen vom Wasserwerk Tegel kompensiert. Dort wie auch in anderen Teilen Berlins gab es keine auffälligen Laborergebnisse.

Auf die Chlorzugabe zum Trinkwasser wollen die BWB vorerst nicht verzichten, solange die Ursache der Probleme nicht gefunden ist. Zur Sicherheit: Die bisherigen Untersuchungen an rund 30 Probepunkten an Brunnen und Leitungsnetz „ermöglichen zuverlässige Aussagen über die Qualität im gesamten Gebiet“, versicherte BWB-Sprecher Beck. Auch das Landeslabor Berlin-Brandenburg hatte im Auftrag des Spandauer Bezirksamtes fünf Proben aus den Leitungen von Kinder- und Pflegeeinrichtungen untersucht. Endgültige Ergebnisse liegen noch nicht vor, die Tests seien bisher aber unauffällig, sagte die zuständige Bezirksstadträtin Daniela Kleineidam (SPD). Alle acht Brunnen des Wasserwerkes an der Pionierstraße, die derzeit die Spandauer Haushalte beliefern, sind nach Angaben der BWB nicht älter als fünf Jahre. „Das sind moderne Anlagen, im Übrigen wurde dort das Rohwasser erneut beprobt“, so Beck.

Auf Herz und Nieren geprüft werden dafür jetzt die 22 stillgelegten Brunnen älterer Bauart aus beiden Brunnengalerien im Spandauer Forst. Beck: „Das Alter der Anlagen muss kein Indiz, aber kann Teil der Fehlerquelle sein. Solange wir nichts wissen, können wir keine mögliche Ursache ausschließen.“ Infrage kämen neben technischen Defekten Verschmutzungen durch Tiere, Fäkalien oder das Oberflächenwasser.

Auch in Potsdam und im Landkreis Barnim war im Juli das Trinkwasser belastet. In Potsdam hatten tote Mäuse und ein toter Maulwurf in einem Becken die Verunreinigung ausgelöst. Probleme gibt es außerdem im Landkreis Oder-Spree sowie in der Prignitz. „Diese Häufung ist uns nicht verborgen geblieben“, sagte André Beck. Eine Erklärung habe derzeit niemand, auch seien die Fälle nicht wirklich vergleichbar.

Trotz Dauerregens hatten sich am Sonnabend vereinzelt Bürger zum Rathaus aufgemacht und vergeblich das Infomobil der Wasserbetriebe gesucht. Dieses hätte laut Ankündigung des Unternehmens im Internet dort stehen sollen, wo schon am Freitag BWB-Mitarbeiter 1,5-Literbeutel mit keimfreiem Wasser verteilt und Fragen beantwortet hatten. Es habe Probleme mit der Internetseite gegeben, gesteht André Beck die Informationspanne ein. Im Web sei fälschlicherweise das Infomobil auch für Sonnabend angekündigt gewesen; die Seite sei zu spät korrigiert worden. Um die Bürger über die neue Sachlage zu informieren, setzten die BWB laut Beck auf die Medien und die Verteiler des Bezirksamtes. Dieses hatte schon am Donnerstag das Abkochgebot für das Trinkwasser an Krankenhäuser und Betreuungseinrichtungen weitergegeben. Verwirrung hatten allerdings Aussagen aus dem Bezirksamt zur Abkochdauer hervorgerufen: Während laut Stadträtin Kleineidam Gesundheitsbehörden fünf Minuten Kochen für ausreichend hielten, rieten die BWB zu 20 Minuten. Dazu Beck: „Die Verschmutzung könnte auch durch Einträge aus dem Erdreich verursacht gewesen sein. Damit hätten auch Sporen im Wasser sein können, und das erfordert 20-minütiges Kochen.“