Vroniplag

Doktorarbeit der TU Berlin unter Plagiatsverdacht

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Jürgen Goldschmidt hat an der TU Berlin promoviert - nun haben sich die Internet-Plagiatsjäger von Vroni-Plag seine Dissertation vorgenommen. Die weist unter anderem die "Super Illu" als Quelle aus. Bei der Plagiatssuche werden aber vor allem die Gutachter der TU aufs Korn genommen.

An der Technischen Universität (TU) Berlin gibt es bei einer Doktorarbeit einen Plagiatsverdacht. Internetnutzer haben auf der Plattform VroniPlag die Dissertation Arbeit des Bürgermeisters der Kleinstadt Forst (Lausitz), Jürgen Goldschmidt untersucht. Goldschmidt hatte seine Arbeit mit dem Titel „Management des Stadtumbaus unter Berücksichtigung städtebaurechtlicher Rahmenbedingungen“ im Jahr 2009 vorgelegt.

Nach dem Stand bei Vroniplag von Sonnabend finden sich in der Dissertation auf 10,35 Prozent von 454 Textseiten des Hauptteils (ohne Inhalts- und Literaturverzeichnis) unterschiedlich schwerwiegende Plagiate. Auf der Plattform - ein sogenanntes "Wiki", dessen Nutzer Inhalte lesen und auch bearbeiten können - wurden von einer Vielzahl von Internet-Nutzern mutmaßliche Plagiate in der Dissertation untersucht. Ursprünglich war Vroniplag eingerichtet worden, um die Dissertation "Regulierung im Mobilfunk" von Veronica Saß zu untersuchen, der Tochter des früheren bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber - daher der Name.

Bei Vroniplag werden mutmaßliche Plagiate anschließend abhängig vom Ausmaß der angeblichen Kopie in verschiedene Klassen eingeteilt, vom "Komplettplagiat" über die "Verschleierung" (umformulierte Orginialtexte, deren Urheber nicht angegeben wurden) bis hin zum "Bauernopfer" (der Urheber wird nur für einen unbedeutenden Textteil ausgewiesen, während wesentliche Passagen ohne Nennung übernommen wurden).

Im Fall der Dissertation von Goldschmidt wurden laut Vroniplag-Analyse mehrere Seiten verschiedener Quellen wörtlich übernommen. Bemängelt wird vor allem, dass "die Arbeit in weiten Teilen keine wissenschaftliche Tiefe erreicht". Begründung: Laut Vroniplag werden in der Dissertation Pressemitteilungen als Quellen genutzt, ebenso wie Wikipedia-Einträge und in einem Fall die Zeitschrift "Super Illu" - wobei die dort entnommene Statistik korrekt ist.

VroniPlag hat die TU über die Vorwürfe informiert. Eine Sprecherin kündigte eine Prüfung an. Goldschmidt hat bisher nicht auf die Vorwürfe reagiert. Auch die beiden Gutachter der Arbeit, Rudolf Schäfer und Harald Bodenschatz, haben sich bislang nicht zu dem Fall geäußert.

Es geht bei diesem Fall offensichtlich nicht darum, die Doktorarbeit einer bekannten Persönlichkeit auseinanderzunehmen. Die bisherige Analyse auf der Internetplattform zeigt vielmehr, für welch fragwürdige wissenschaftliche Leistung eine Universität einen Titel verliehen hat. Deshalb werden sehr wahrscheinlich die Prüfer der Arbeit und die TU erklären müssen, wie sie eine solche Arbeit annehmen konnten.

Die TU steckt damit mittendrin in der aktuellen Plagiatsdiskussion. Schäfer ist der Leiter des Fachgebiets Baurecht und Bauverwaltungslehre am Institut für Architektur der TU und Mitglied in der Deutschen Akademie für Raumforschung und Landesplanung. Bodenschatz ist Leiter des Fachgebiets Architektursoziologie am Institut für Soziologie der TU.

Der Fall Goldschmidt ist die neunte Analyse, die von der Internetplattform seit ihrem Start vor ein paar Monaten auf die Homepage gehoben wurde und somit mit voller Namensnennung im Netz steht. Die prominenten Fälle von VroniPlag waren die FDP-Politiker Silvana Koch-Mehrin sowie Jorgo Chatzimarkakis . Bisher haben alle Universitäten, die dem Verdacht von VroniPlag nachgegangen sind, diesen bestätigt und daraufhin die jeweiligen Doktortitel entzogen. Viele der Mitstreiter von VroniPlag arbeiteten zuvor bereits im GuttenPlag Wiki zusammen und wiesen in der Doktorarbeit von Karl-Theodor zu Guttenberg diverse Plagiate nach.

Der Fall Goldschmidt passt in die Entwicklung der Diskussion über Plagiate. Zunächst galten Abschreiber wie Guttenberg als Täter, die Doktorväter und Unis dagegen als Opfer, die getäuscht wurden. Mittlerweile wird aber deutlich, dass immer wieder die Bewertung von Doktorarbeiten desolat ist und die Promotionsordnungen der Unis manchmal zu viel Freiraum für möglichen Missbrauch bieten. Viele Hochschulen, darunter auch HU, FU und TU, hatten angekündigt, die Kontrollen von Doktoranden zu verschärfen.

( bew/dino )