Fahndungserfolg

Brandstifter gesteht neun Taten in 36 Stunden

Es sah so aus, als ob die Polizei nur hilflos zuschauen könnte: Aber am Sonnabend haben Beamte einen Brandstifter in Berlin-Marzahn auf frischer Tat ertappt. Der 32-Jährige hatte neun Brände innerhalb von nur 36 Stunden gelegt.

Sie versetzen Berliner in Angst und Schrecken – die seit Monaten fast täglich von verschiedensten Tätern inszenierten Brände in Treppenhäusern und Hausfluren im gesamten Stadtgebiet. Die Polizei konnte, so empfanden es viele Menschen in der Stadt, nur hilflos zuschauen. Doch jetzt hat die Hartnäckigkeit der Fahnder, die sich auch durch die sprichwörtliche Suche nach der Nadel im Heuhaufen nicht abschrecken ließen, zu einem ersten großen Erfolg geführt. In der Nacht zu Sonntag konnten gleich drei mutmaßliche Brandstifter festgenommen werden. Einer von ihnen, ein 32-Jähriger, der in Marzahn gefasst wurde, hat inzwischen neun Taten gestanden.

Es war am Sonnabend gegen 18.30 Uhr, als dem 32-Jährigen seine Leidenschaft für das Feuerlegen zum Verhängnis wurde. Polizeibeamte des Abschnitts 62 hatten beobachtet, wie der Mann ein Mehrfamilienhaus an der Borkheider Straße betrat. Nach wenigen Minuten kam er wieder hinaus. Die Beamten schauten sofort in den Hausflur, entdeckten dort den brennenden Schacht eines Müllschluckers und nahmen daraufhin die Verfolgung des mutmaßlichen Täters auf. Kurz darauf wurden ihm an der nahe gelegenen Straßenbahnhaltestelle Niemegker Straße Handschellen angelegt.

In seiner anschließenden Vernehmung schilderte der gebürtige Erfurter den staunend zuhörenden Beamten, wie er seit dem frühen Freitagmorgen nahezu ununterbrochen im Marzahner Kiez unterwegs war und gleich mehrfach Feuer gelegt hatte. Er verübte seine Taten am Belziger Ring, der Bärenstein- und der Havemannstraße sowie an der Trusetaler Straße und zuletzt an der Borkheider Straße, wo er schließlich gestellt wurde. Insgesamt räumte der 32-Jährige neun Brandstiftungen innerhalb von nur 36 Stunden ein. Dabei setzte er stets Müllschlucker in Brand, nach Expertenmeinung ein ausgesprochen gefährliches Vorgehen, da solche Schächte durch das gesamte Haus führen und sich auf jeder Etage Öffnungsklappen befinden. Der Mann hat in Berlin keinen festen Wohnsitz und hielt sich nach ersten Erkenntnissen der Ermittler in der Vergangenheit häufig bei Bekannten in Marzahn auf. Am Sonntagnachmittag wurde gegen ihn Haftbefehl erlassen

Hausbewohner in Angst

Nicht einmal zwei Stunden nach der Festnahme des mutmaßlichen Serienbrandstifters aus Marzahn konnte auch die Polizei in Pankow einen Erfolg vermelden. Anwohner der Hadlichstraße hatten gegen 20.15 Uhr zwei Jugendliche beobachtet, die mit einem brennenden Gegenstand einen Hausflur betraten. Sie alarmierten daraufhin Polizei und Feuerwehr. Der Feuerwehr gelang es schnell, die von den beiden 17-Jährigen angezündeten Briefkästen zu löschen. Die Polizei konnte die Jugendlichen aufgrund einer präzisen Personenbeschreibung eines Anwohners kurze Zeit später am nahe gelegenen S-Bahnhof Pankow festnehmen.

Bei den beiden 17-Jährigen wird jetzt routinemäßig geprüft, ob sie möglicherweise weitere Taten begangen haben. Allerdings gibt es darauf offenbar im Moment keine Hinweise. Daher wurden die Jugendlichen nach ihrer Vernehmung ihren Eltern übergeben. Die sollen, wie es am Sonntag aus Polizeikreisen hieß, ausgesprochen überrascht gewesen sein, was ihre Söhne in der Freizeit tun.

Fahnungserfolg sorgt für Erleichterung

Im Fall des 32-Jährigen aus Marzahn überprüfen die Ermittler ebenfalls, ob der Festgenommene noch für weitere Brandstiftungen als Täter in Frage kommt. Marzahn-Hellersdorf gehört zu den Berliner Bezirken, in denen es in den vergangenen Monaten besonders häufig brannte. Betroffen waren dabei neben zahlreichen Wohnhäusern in Plattenbausiedlungen auch ein Kita-Gebäude und eine Grundschule. Die Vielzahl der Brände hat nicht nur für erhebliche Unruhe unter Bewohnern der betroffenen Kieze gesorgt. Es hat auch mehrfach Vorschläge und Ankündigungen von Selbsthilfemaßnahmen von Anwohnern gegeben.

Auch vor diesem Hintergrund sorgte der Fahndungserfolg am Wochenende gerade bei der Polizei für Erleichterung. „Es ist wichtig, dass die Öffentlichkeit weiß, die Polizei tut etwas. Irgendeine Art von Bürgerwehr, die Recht und Gesetz in die eigenen Hände nimmt, ist das letzte, was wir gebrauchen können“, sagte ein Ermittler am Sonntag.

Weitere Brände in Gesundbrunnen und Reinickendorf

Angst und Unruhe sind unter den Berlinern weit verbreitet, seit es derart oft brennt. Die Ängste sind aber ganz offenbar bei weitem noch nicht so ausgeprägt, dass sie zu einer Änderung des Verhaltens der Bewohner in den betroffenen Gegenden führt. Seit Monaten warnen Polizei und Feuerwehr nahezu gebetsmühlenartig davor, Kinderwagen, Fahrräder, Sperrmüll oder sonstiges in Hausfluren abzustellen oder Haustüren offen zu lassen. „So etwas ist fast eine Einladung an Brandstifter“, hieß es dazu seitens der Polizei. Viele der Warnungen werden offenbar ignoriert. „Wir könnten auch mit einer Hauswand reden, das Ergebnis wäre das gleiche“, stellte am Sonntag ein Feuerwehrmann resigniert fest.

Der Grund für diese Resignation wurde auch in der Nacht zu Sonntag wieder deutlich, ungeachtet des zweifachen Fahndungserfolges. In einem Mehrfamilienhaus an der Soldiner Straße in Gesundbrunnen setzten Unbekannte gegen 0.45 Uhr im Hausflur abgestellte Papierstapel in Brand. Knapp zwei Stunden vorher zündeten Brandstifter in einem Wohnblock im Märkischen Viertel (Reinickendorf) zahlreiche achtlos im Treppenhaus deponierte Mülltüten an. Minuten später durchzog dichter Qualm das gesamte Treppenhaus. In beiden Fällen konnte die Feuerwehr die Brände löschen, bevor sie sich weiter ausdehnten und Menschen in Gefahr bringen konnten.