Straßenarbeiten

Sommer-Baustellen lähmen Berlin

Weil in den Sommerferien weniger auf Berlins Straßen los ist, werden zeitgleich an mehr als 120 Stellen Fahrbahnen saniert. Das führt zu einer großen Staugefahr und Kritik vom ADAC.

Foto: dpa / dpa/DPA

Wer in diesen Tagen mit dem Auto durch Berlin fährt, kann schnell den Eindruck gewinnen, dass in der gesamten Tiefbaubranche eine Urlaubssperre herrscht. Seit Beginn der Sommerferien rücken Hunderte Arbeiter mit schwerem Gerät an, um Straßen zu erneuern. Mehr als 30 Baustellen sind seit Ferienbeginn neu aufgemacht worden. Aktuell listet die Berliner Verkehrsinformationszentrale mehr als 120 Baustellen an Hauptverkehrsstraßen und Autobahnen im Stadtgebiet auf. An etwa jeder dritten wird vor Staugefahr gewarnt. Urlaubszeit ist Buddelzeit – und das ist durchaus so gewollt. Eine Karte finden Sie unten.

„Die Stadt ist verhältnismäßig leer. In den Ferien sinkt das Verkehrsaufkommen um 30 bis 40 Prozent“, sagt Mathias Gille, Sprecher der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Deshalb würden langfristig planbare und zeitlich begrenzte Arbeiten bewusst in die Ferien gelegt. In diesem Jahr betrifft das zwölf Baumaßnahmen. Die sogenannten Sommerbaustellen führen dennoch zu teilweise erheblichen Verkehrsbehinderungen. Gebaut wird – meist bis Mitte August – an Späthstraße, Landsberger Allee, Köpenicker Landstraße, Kniprodestraße, Karl-Liebknecht-Straße, Hennigsdorfer Straße, Heinrich-Heine Straße, Hardenbergstraße, Gatower Straße und Gartenfelder Straße. An diesem Wochenende ist eine neue Sommerbaustelle hinzugekommen, die für erhebliche Behinderungen in Spandau sorgt. Seit Freitagabend ist der komplette Kreisverkehr am Falkenseer Platz gesperrt. Auch die Zufahrtsbereiche Am Juliusturm (bis Breite Straße) und Neuendorfer Straße (bis Bismarckstraße) sind betroffen. Noch bis Montagfrüh, etwa 5 Uhr, werden dort Straßenschäden beseitigt. Auch für das kommende Wochenende ist eine Vollsperrung des Verkehrsknotens geplant – sofern das Wetter die Arbeiten zulässt.

Neue Baustellen ab Montag

Am Montag werden dann zahlreiche neue Baustellen aufgerissen – unter anderem an der Kreuzung Kniprodestraße/Danziger Straße in Prenzlauer Berg, am Hultschiner Damm in Mahlsdorf, am Pastor-Niemöller-Platz in Niederschönhausen, an der Kantstraße in Charlottenburg und an der Drakestraße in Lichterfelde.

Der Eindruck, dass im Sommer 2011 besonders viel gebaggert und asphaltiert wird, täuscht jedoch, wie Gille betont. Im Juni und Juli dieses Jahres zählt die Senatsverkehrsverwaltung in der gesamten Stadt insgesamt 315 Straßenbaustellen. Im Sommer 2010 waren es 328.

Besonders trifft es den Bezirk Mitte. 55 Baustellen sind in diesem Sommer dort geplant oder schon in Arbeit. An diesem Montag kommt eine dazu – an besonders prominenter Stelle. Bis zum 8.August wird die Straße des 17.Juni zwischen der Yitzhak-Rabin-Straße und dem Platz des 18.März voll gesperrt. Vom 28.Juli bis zum 12.August ist dann zusätzlich die nördliche Fahrbahn zwischen dem Kleinen und dem Großen Stern für den Autoverkehr dicht. In beiden Bereichen sind Sanierungsarbeiten an der Fahrbahn geplant, zum Teil finanziert aus dem Schlaglochsonderprogramm des Senats.

Schon jetzt sorgen zahlreiche Dauerbaustellen rund um Friedrichstraße, Alexanderplatz und Unter den Linden täglich für erhöhte Staugefahr – so etwa im Autotunnel am Alexanderplatz. In der gut 300 Meter langen Unterführung unter der Kreuzung Grunerstraße und Alexanderstraße steht derzeit nur jeweils eine Spur pro Fahrtrichtung zur Verfügung. Der Grund: Im Frühjahr waren an mehrere Stellen Fliesen von den Seitenwänden abgeplatzt und auf die Fahrbahn gefallen. Dabei hat der Senat den 1969 eröffneten Alex-Tunnel erst 2004/05 für 6,1 Millionen Euro sanieren lassen. Doch offenbar war dabei gepfuscht worden. Genaueres sollen nun Gutachter im Auftrag der Senatsverkehrsverwaltung klären. Zunächst war vorgesehen, für die Untersuchungen jeweils eine der beiden Fahrspuren pro Richtung zu sperren, und zwar stadteinwärts (in Richtung Potsdamer Platz) bis 29.Juli und stadtauswärts (Richtung Otto-Braun-Straße) bis 18.August. „Doch da jetzt auch schon damit begonnen wurde, die Schäden auch gleich zu beseitigen, überlegen wir derzeit, die Sperrung für beide Fahrbahnen bis Mitte August aufrechtzuerhalten“, sagt Behördensprecher Gille. Eine endgültige Entscheidung darüber soll in der kommenden Woche fallen. Zumindest finanziell werden die Reparaturen die Berliner nicht so stark treffen. Ein Großteil der Schäden werde von den Baufirmen im Rahmen der Gewährleistung beseitigt, so Gille.

ADAC: Großer Sanierungsstau

Der ADAC Berlin-Brandenburg sieht die Vielzahl der Straßenbaustellen mit gemischten Gefühlen. Grundsätzlich begrüßt der Automobilklub es, wenn die vielerorts durch Winterschäden und jahrelange Vernachlässigung schlechten Berliner Straßen instandgesetzt werden. Immerhin schätzt der ADAC den Sanierungsrückstau für das hauptstädtische Straßennetz inzwischen auf stolze 600 Millionen Euro. Allerdings kritisiert der ADAC die nach wie vor mangelhafte Koordinierung der unterschiedlichen Baumaßnahmen.

Das Problem: Nicht immer sind es schadhafte Verkehrsanlagen wie der Tunnel am Alex, die marode Fahrbahn der Avus oder die Schlaglochpiste am Falkenseer Platz in Spandau, die für Bauarbeiten samt Staugefahr sorgen. Wasserbetriebe, Energieversorger, die Deutsche Bahn und die Berliner Verkehrsbetriebe, sie alle bauen in Berlin. Es werden Leitungen verlegt oder saniert wie an der Stargarder Straße, Brücken gebaut wie an der Sundgauer Straße, U-Bahn-Tunnel abgedichtet wie am Mehringdamm. Für die Genehmigung sind meist die Bezirke, in einigen Fällen aber auch die Senatsverwaltung zuständig. Bisweilen führt das dazu, dass wichtige innerstädtische Verbindungen gleich von mehreren Baustellen gleichzeitig betroffen sind. Der ADAC fordert daher seit Langem eine zentrale, beim Senat angesiedelte Baustellenkoordinierung. Bislang jedoch ohne Erfolg. Wer also ganz sichergehen will, dass auf seiner Route keine Baustelle für Staus sorgt, sollte sich am besten vor der Fahrt informieren.

Das sind Berlins Sommerbaustellen:

Legende - aktuelle Straßenbaustellen über die Ferienzeit hinaus:

1.Holzhauser Straße (Reinickendorf)

2. Pankgrafenstraße (Pankow)

3. Schönholzer Straße (Pankow)

4. Alt Blankenburg, Karower Damm

5. Stargarder Straße (Prenzlauer Berg)

6. Müllerstraße (Mitte/Wedding)

7. Behrenstraße (Mitte)

8. Unter den Linden (Mitte)

9. Spandauer Straße (Mitte)

10. Leipziger Straße (Mitte)

11. Karl-Liebknecht-Str. (Mitte)

12. Tunnel Alexanderplatz (Mitte)

13. Mollstraße (Mitte)

14. Torstraße (Mitte)

15. Invalidenstraße (Mitte)

16. Mehringdamm (Kreuzberg)

17. Urbanstraße (Kreuzberg)

18. Frankfurter Allee (Friedrichshain)

19. Treskowallee (Karlshorst)

20. Alt Biesdorf, Blumberger Damm

21. Mahlsdorfer Straße (Köpenick)

22. Glienicker Weg (Treptow)

23. Adlergestell (Adlershof)

24. Hermannstraße (Neukölln)

25. Hauptstraße (Schöneberg)

26. A103 AS Filandastraße (Steglitz)

27. Albrechtstraße (Steglitz)

28. Sundgauer Straße (Zehlendorf)

29. A115 Avus (Nikolassee)

30. Kurfürstendamm (Charlottenburg)

31. Tauentzienstraße (Charlottenburg)

32. Spandauer Damm (Charlottenburg)

33. Heerstraße (Spandau)

Legende - Sommerbaustellen im übergeordneten Straßennetz:

1. Hennigsdorfer Straße (Reinickendorf)

2. Kniprodestraße (Prenzlauer Berg)

3. Straße des 17. Juni (Tiergarten)

4. Karl-Liebknecht-Straße (Mitte)

5. Heinrich-Heine-Straße (Mitte)

6. Landsberger Allee (Marzahn)

7. Köpenicker Landstr. (Baumschulenweg)

8. Späthstraße (Baumschulenweg)

9. Hardenbergstraße (Charlottenburg)

10. Gatower Straße (Spandau)

11. Falkenseer Platz (Spandau)

12. Gartenfelder Straße (Spandau)

Eine aktuelle Baustellen-Übersicht gibt es bei der Verkehrsinformationszentrale: www.vmz-info.de