Betäubungsmittel

Ingenieure betrieben Cannabisplantage in Berlin

Bei einem Feuerwehreinsatz im Mai 2010 wurde in einem Ingenieurbüro eine professionelle Cannabiszucht entdeckt. Nun stehen drei Männer vor Gericht. Sollte sich der Vorwurf des bandenmäßigen Vorgehens erhärten, droht ihnen lange Haft.

Foto: Polizei Lüneburg

Es sollte nur ein kleiner Brand gelöscht werden, am 30. Mai vergangenen Jahres in einem Bürokomplex in der Weddinger Gerichtsstraße. Anwohner hatten aus einem der Fenster eine Rauchwolke aufsteigen sehen. Als die Feuerwehrleute anrückten und die Eingangstür gewaltsam öffneten, machten sie jedoch eine überraschende Entdeckung: In drei Räumen des 220 Quadratmeter großen vermeintlichen Ingenieurbüros befanden sich Cannabisplantagen. Zudem wurden bei der Durchsuchung der Räume zehn Kilogramm Rauschgift gefunden.

Seit Freitag müssen sich nun drei Männer vor einer Moabiter Strafkammer wegen unerlaubten Anbaus von Betäubungsmitteln verantworten. Dazu gehören der 69-jährige Reiner S. und sein 47-jähriger Sohn Frank S. Beide sind tatsächlich Ingenieure in den Fachrichtungen Lüftung und Heiztechnik. Ein technisches Wissen, das sich für die komplizierte Aufzucht der Cannabispflanzen vermutlich als vorteilhaft erwies. Im Anklagesatz werden ein „professionelles Belüftungs- und Bewässerungssystem“ und eine „professionelle Vakuumiermaschine“ zum Verpacken der Drogen erwähnt. Gemietet hatte Reiner S. die Räume schon im Jahr 2006. Er soll als Hauptmieter auch die Kosten getragen haben. Darunter rund 1700 Euro, die für die aufwendige Aufzucht monatlich an Stromkosten anfielen.

Der dritte Angeklagte Peter M. ist ein gelernter medizinisch-technischer Assistent, der sich den Ermittlungen zufolge „mit der Pflege und Verarbeitung der erntereifen Cannabispflanzen“ beschäftigte. Dafür soll er zwölf Euro Stundenlohn bekommen haben.

Diese Mitarbeit indes könnte Reiner und Frank S. im Nachhinein noch weitaus teurer zu stehen kommen. Die Staatsanwaltschaft geht von einem „bandenmäßigen Vorgehen aus“. Das bedeutet, dass die Strafen bei mindestens fünf Jahren Gefängnis beginnen.

Angeklagte schweigen vor Gericht

Genau von diesem Vorwurf wollen die Angeklagten wegkommen. Erste Vorgespräche mit den Verteidigern, sagte der Vorsitzende Richter, seien jedoch ohne Ergebnis abgeschlossen worden. Das Gericht habe sich nicht darauf einlassen wollen, den Vorwurf des bandenmäßigen Handelns im Tausch gegen partielle Geständnisse einfach ad acta zu legen.

Bei polizeilichen Vernehmungen soll Reiner S. nach Aussage eines als Zeugen geladenen Kriminalbeamten die Beteiligung an der Cannabis-Plantage zunächst auf Peter M. geschoben haben. Angeblich sei er bei ihm Untermieter gewesen sein, den aber schon seit Monaten nicht gesehen habe. Peter M. habe zugegeben, einen großen Teil der technischen Ausrüstung besorgt zu haben. Das sei angeblich seine einzige Tatbeteiligung gewesen. Frank S. wiederum habe nur „sehr pauschal eine Gärtnertätigkeit“ gestanden. Vor Gericht schweigen die Angeklagten. Folgen wird eine lange Beweisaufnahme. Alle drei Angeklagten sind trotz der drohenden hohen Strafen aber weiter auf freien Fuß.