50 Cent

Berliner CDU verkauft Wahlprogramm am Kiosk

"100 Lösungen für Berlin" verspricht das Wahlprogramm der Berliner CDU zur Abgeordnetenhauswahl im September. Das gibt es schriftlich: Für 50 Cent können Interessierte die Broschüre auch an Berlins Kiosken kaufen.

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Manch ein Berliner wird sich in den nächsten Tagen wundern, wenn er am Morgen wie üblich seine Zeitung kauft. Denn an 1000 Kiosken in der ganzen Stadt wird seit Dienstag auch das Wahlprogramm der Berliner CDU zum Kauf angeboten. 50 Cent kostet es – eine Schutzgebühr, die Kioskbetreiber und Vertrieb erhalten, nicht die Partei, wie Generalsekretär Bernd Krömer betont. Es sei als „Bekenntnis der CDU zu ihrem Programm“ zu werten, dass man es jetzt auch kaufen könne, so Krömer.

Außerdem bietet die Kiosk-Idee die Möglichkeit, auf großen Plakaten dafür zu werben – bevor im August alle Parteien mit der offiziellen Wahlwerbung in der Öffentlichkeit beginnen dürfen. Mit der Vorstellung dieser bislang einmaligen Kampagne haben Krömer und Spitzenkandidat Frank Henkel am Dienstagmittag den Wahlkampf eingeläutet. Gegenüber dem Berliner Dom stellten sie die Plakataktion der Partei vor: ein überlebensgroßes, sich drehendes und beleuchtetes Schwarz-Weiß-Porträt des Spitzenkandidaten, versehen mit dem orangefarbenen Hinweis: „100 Lösungen für Berlin – jetzt am Kiosk“. 230-mal ist das Motiv nun überall in der Stadt zu sehen.

Am Abend wurde der „Startschuss in den Wahlkampf“ ergänzt durch das Sommerfest des Kreisverbandes Charlottenburg-Wilmersdorf am Breitscheidplatz – mit Unterstützung der Bundes-CDU in Person von Bundestagsfraktionschef Volker Kauder. Die drei wichtigsten Themen der CDU seien die Probleme an Schulen, die Kriminalität und Verwahrlosung in der Stadt und die hohe Arbeitslosigkeit, sagte Henkel.

„Choreografischer“ Wahlkampf

Man muss für das Wahlprogramm nicht zwangsläufig 50 Cent auf den Ladentisch legen, natürlich ist es auch bei der CDU selbst erhältlich oder im Internet anzuschauen. Aber mit der Kiosk-Aktion will sich die Union auch bewusst „innovativ“ zeigen. „Wir haben in den letzten Monaten viele frische Ideen ausprobiert“, sagte Henkel. In der Tat ging die Berliner CDU zuletzt ungewöhnliche Wege, um auf sich aufmerksam zu machen. Mal wurden die Berliner per Internet befragt, welche Probleme die Stadt ihrer Meinung nach habe, mal hört sich Henkel in einer Telefonkonferenz die Meinung der Bürger an, mal gibt er sich im Cabrio-Bus vor potenziellen Wählern als Stadtführer. Der Wahlkampf sei „choreografisch“ aufgebaut, erklärte Henkel. Erst sei gefragt worden, was sich ändern müsse, dann seien die Lösungen für die Probleme als Wahlprogramm präsentiert worden, und jetzt werbe die Partei mit dem Slogan „Damit sich was ändert“. Begleitet wurden die Schritte jeweils mit passenden Plakatierungen.

Eine gewisse Präsenz im Stadtbild sei mitentscheidend für einen Stimmungswechsel in der Stadt, sagte Henkel. Er merke schon, dass er mittlerweile noch häufiger auf der Straße erkannt werde. Sagten im vergangenen Sommer noch 72 Prozent der Berliner in einer Umfrage von Infratest dimap, dass sie Henkel überhaupt nicht kennen, waren es zuletzt, Anfang Juli, noch 56 Prozent. Die Partei selbst landet mit etwas über 20 Prozent derzeit in den Umfragen stets nur auf dem dritten Platz hinter SPD und Grünen. „Wir stabilisieren uns gegenüber dem Bundestrend“, kommentierte Henkel. Im Übrigen wolle er keine Umfragen, sondern Wahlen gewinnen.

Um dieses Ziel zu erreichen, will die CDU nun den Wahlkampf „langsam hochfahren“. Die jetzt hängenden Plakate sind erst der Anfang, 40.000 sollen insgesamt ab August zu sehen sein, dazu wird es Anzeigen und Steckaktionen bei 250.000 Haushalten geben. Eine Million Euro gibt die Berliner CDU für diesen Wahlkampf aus. So viel wie noch nie, 40 Prozent mehr als 2006. In diesem Budget sei auch die aktuelle Kampagne enthalten, sagte Henkel. Wie viel so ein schickes, elektrisch betriebenes Hightech-Plakat wie an der Karl-Liebknecht-Straße kostet, mochte er nicht verraten. Es seien ja auch nicht alle 230 Plakate derartig modern ausgestattet.