Naherholungsgebiet

Anwohner sorgen selbst für sauberen Mauerpark

Der Berliner Mauerpark ist eine Pilgerstätte für junge Familien, Studenten und Überlebenskünstler, aber mittlerweile auch eine wochendliche Müllkippe. Anwohner und Gewerbetreibende haben ein Konzept gegen den Dreck entwickelt.

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Der Mauerpark gilt als Berlins beliebteste Grünfläche. An sonnigen Sonntagen kommen mehr als 40000 Menschen zum Feiern, Grillen und Musikmachen. Unangenehme Begleiterscheinungen des Besucherandrangs sind Müllberge, Fäkalien und illegaler Handel. Dagegen wollen Anwohner und Gewerbetreibende jetzt vorgehen. Sie haben unter Federführung des Vereins „Freunde des Mauerparks“ ein Handlungskonzept erstellt. Nach den Sommerferien soll es schrittweise Wirklichkeit werden, ohne jedoch die Atmosphäre im Park zu beeinträchtigen. „Er muss sein einmaliges Flair behalten“, sagt Alexander Puell vom Verein.

Vorgesehen ist, dass an besucherstarken Sonntagen Ansprechpartner unterwegs sind, die auf die geltenden Regeln in der Grünanlage hinweisen. Außerdem soll ein Informationssystem für Besucher installiert werden. In das Konzept sind der Biergarten „Mauersegler“, der Flohmarkt und der Karaoke-Veranstalter einbezogen. Es ist mit dem Bezirksamt und dem Polizeiabschnitt 15 abgestimmt. Kritik an den Plänen hat die Stiftung Weltbürgerpark geäußert. Heiner Funken, einer der Vorstände, fürchtet, dass ein neuer, privater Sicherheitsdienst im Mauerpark installiert werden könnte, der vor allem die Interesse des Biergartens und des Flohmarktes vertreten wird.

Ehrenamtliche Ansprechpartner

Dies sei keineswegs vorgesehen, sagt Alexander Puell vom Verein „Freunde des Mauerparks“. „Die Ansprechpartner sollen ehrenamtliche Kräfte sein, freundlich im Auftreten und mehrsprachig“, sagt Puell. „Und sie sollen nicht die Aufgaben von Polizei oder Ordnungsamt übernehmen.“ An vier bis acht Personen sei gedacht, die mehrere Stunden lang im Einsatz sind und vom Verein ausgesucht werden. Gäste, die grillen, werden auf die Abfallbehälter hingewiesen und bekommen kostenlos Mülltüten. Musiker werden auf Lautstärke-Limits und Nachtruhe aufmerksam gemacht. Auch die fliegenden Händler werden angesprochen, gegebenenfalls werden Ordnungsamt oder Polizei informiert. Denn, so Puell, „am Sonntag ist der Verkauf per Gesetz nicht möglich“. Auch in diesem Punkt kommt Kritik von der Stiftung Weltbürgerpark. „Die fliegenden Händler sollten an der Lösung beteiligt und wenigstens teilweise legalisiert werden“, fordert Heiner Funken. Doch der Verein möchte, dass die Grünfläche frei von Kommerz bleibt. Was mit Handel zu tun hat, soll sich auf dem Gewerbegebiet abspielen, auf dem sich der Biergarten und der Flohmarkt befinden. Dort soll eine Rücknahmestelle für Pfandflaschen eingerichtet werden, dort sind die WCs. Im Park soll es keinen Verkauf von Speisen und Getränken geben, weil die Angebote im Umfeld aus Sicht des Vereins ausreichen. Einzige Ausnahme: Wenn die Besucherzahl auf über 50000 steigt, dann sollte ein Getränkestand am Infopavillon aufgebaut werden, um dem illegalen Handel mit Alkohol vorzubeugen.

Ein weiteres Ziel ist eine bessere Information für Parkbesucher. Handgemalte Schilder, nicht normgerecht, sollen Hinweise auf Grillflächen, WCs und Abfallbehälter geben. Die Texte werden in Deutsch, Türkisch, Englisch und Spanisch zu lesen sein. Sie sollen humorvoll sein, wünscht sich Alexander Puell. „Deshalb suchen wir einen Schildermaler mit langer Berufserfahrung und Liebe zum Detail.“ Vorgesehen ist, dass die Schilder am Sonntagmorgen aufgebaut und am Abend wieder entfernt werden, um sie vor Vandalismus zu schützen. Außerdem solle ein Infopavillon aufgestellt werden, sagt Puell. In ihm erfahren die Besucher, was im Park angeboten wird, sie finden Ansprechpartner und können sich über Regeln und Rahmenbedingungen informieren. Schautafeln über die Geschichte des Parks werden im Pavillon aufgestellt. „Der Pavillon wird nur dann aufgebaut, wenn es besonders voll ist im Mauerpark“, sagt Alexander Puell. „Nicht an Regentagen oder wenn nichts los ist.“

Ein weiteres Ziel: Sonntags sollen die Abfälle im Mauerpark schneller beseitigt werden. Regelmäßige Müllsammlung tagsüber soll dazu beitragen. Eine Reinigung am Morgen, um 8 Uhr, und eine am Abend gegen 18 Uhr sind vorgesehen. Das werde vom Flohmarkt organisiert, sagt Alexander Puell. Im Infopavillon wird es kostenlose Mülltüten für Besucher geben. Wenn der Park am Montag nicht mehr voller Müll sei, dann hätte das auch andere Effekte, sagt Puell. Dann könnten sich die Mitarbeiter des Grünflächenamtes auch um die Pflege des Parks, um Bäume, Wiesen und Sträucher, kümmern, statt hauptsächlich die Abfälle einzusammeln.

Extra-Kennzeichen für Müllbehälter

Vorgesehen ist auch, dass die unterirdischen Müllbehälter eine zusätzliche Kennzeichnung bekommen. Sie ist auch deshalb nötig, weil die großen oberirdischen Müllcontainer nicht mehr aufgestellt werden, sondern nur noch Aschecontainer. Nun komme es vor, sagt Puell, dass Touristen ihren Plastikmüll in die Container mit heißer Asche werfen und sich große Rauchschwaden bilden. Deshalb sei schon die Feuerwehr angerückt.

Ein Problem im Mauerpark bleiben fehlende Sanitäranlagen. Besucher können die WC-Container im „Mauersegler“ und auf dem Flohmarkt nutzen, weitere sollen auf der Gewerbefläche aufgestellt werden.

Das Konzept für den Mauerpark wird von den Beteiligten weiterentwickelt und abgestimmt. „Wir wollen ausprobieren und sehen, wie es funktioniert“, sagt Alexander Puell. Der Stadtrat für öffentliche Ordnung in Pankow, Jens-Holger Kirchner (Grüne), erwartet, dass sich „die öffentliche Ordnung im Mauerpark durch ehrenamtliches und gewerbliches Engagement nachhaltig verbessern wird“.

Der Mauerpark erstreckt sich zwischen Eberswalder Straße und Gleimstraße, im einstigen Grenzgebiet zwischen Ost- und Westberlin. Seit dem Fall der Mauer wird das Areal als Grünfläche genutzt. Das Gelände gehörte einst zum Güterbahnhof an der Eberswalder Straße. Der Park ist etwa acht Hektar groß. Eine Erweiterung ist seit Jahren im Gespräch. Im Gegenzug sollen am Rand des Parks Wohnungen gebaut werden. Der Bebauungsplan, den das Bezirksamt Mitte dazu entwickelt hat, wird von vielen Anwohnern abgelehnt.