BER-Routen

2000 demonstrieren gegen Müggelsee-Überflug

Rund 2000 Menschen haben gegen die geplanten Flugrouten über dem Müggelsee protestiert. Die Friedrichshagener Bürgerinitiative fordert, alternative Routen zu prüfen. Der Bezirk fordert, den sogenannten abhängigen Parallelstart.

Foto: Michael Brunner

Rund 2000 Menschen haben am Montag in Friedrichshagen erneut gegen die geplante Abflugroute vom künftigen Hauptstadtflughafen BER über den Müggelsee demonstriert. Unter den Politikern, die der Einladung der Friedrichshagener Bürgerinitiative gefolgt waren, gehörte der Wirtschaftssenator und Spitzenkandidat der Linke, Harald Wolf, Grünen-Fraktionschef Volker Ratzmann sowie der Vorsitzende der FDP-Fraktion, Christoph Meyer. Die Grünen-Spitzenkandidatin Renate Künast und der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hatten aus Termingründen abgesagt.

Unter den Demonstranten war auch Theaterregisseur Leander Haußmann, der in Friedrichshagen aufgewachsen ist und heute am Müggelsee wohnt. „Wenn die da oben nicht hören und die Entscheidung nicht zurücknehmen, werden wir hier einen eigenen kleinen Staat gründen und Entscheidungen treffen, die richtig wehtun“, sagte Haußmann. Die von der Deutschen Flugsicherung geplante Route über den Müggelsee sieht bei Ostwind täglich 122 Flüge in einer Höhe von 1150 Meter über dem See vor.

Wirtschaftssenator Wolf ermunterte am Montagabend die Demonstranten „weiter Druck zu machen“ und forderte „Änderungen im Südosten“. „Wir werden eine gemeinsame Lösung finden. Die Naherholungsgebiete müssen geschützt werden. Es müssen Alternativrouten gesucht werden, die die geringste Belastung für alle Menschen darstellen.“ Von den Demonstranten erntete der Linke-Politiker dafür verhaltenen Applaus.

Wolf verwies auch auf das Wahlprogramm der Linke, das ein Nachtflugverbot zwischen 23 und 6 Uhr vorsieht. Wenn das Bundesverwaltungsgericht im September zu den Nachtflugzeiten entschieden habe, sei die Politik gefragt. Auch Volker Ratzmann von den Grünen sprach sich für ein Nachtflugverbot aus. „Lärmschutz ist das oberste Ziel und das für die ganze Stadt“, sagte Ratzmann. Buhrufe erntete Christoph Meyer von der FDP. Er hatte gesagt, dass die Standort-Entscheidung für den Flughafen gefallen sei und man nun „das Beste daraus machen“ müsse.

Die Friedrichshagener Bürgerinitiative forderte am Montag den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) auf, alternative Routen an die Deutsche Flugsicherung weiterzuleiten.

Es lägen mehrere Vorschläge vor, die die Müggelsee-Region und die Stadt Erkner vom Fluglärm entlasten könnten heißt es in einer Erklärung des Sprecherrates der Friedrichshagener Bürgerinitiative (FBI). Überdies verlangt die Bürgerinitiative, dass eine „für die Öffentlichkeit verständliche Kartierung zur Lärmbetroffenheit“ erarbeitet wird.

Der Bezirk Treptow-Köpenick und mittlerweile auch die CDU, SPD und die Grünen lehnen die Müggelsee-Route ab und plädieren dafür, dass Flugzeuge nach dem Start von der Nordbahn relativ schnell nach Süden über die Gosener Wiesen abdrehen. Der von der Flughafengesellschaft geforderte unabhängige Parallelstart wäre damit möglich, wenn die von der Flugsicherung vorgesehenen elf Geradeausstarts von der Südbahn auf die Nordbahn verlegt würden. Für diese Lösung plädieren neben dem Umweltstadtrat von Treptow-Köpenick, Michael Schneider, auch Baustadtrat Rainer Höllmer (SPD) sowie die CDU-Fraktion in der Bezirksverordneten-Versammlung Treptow-Köpenick und die SPD.

Am Montag sprach sich auch der parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus, Christian Gaebler, für das Abdrehen von der Nordbahn nach Süden aus. „Der Routenvorschlag ist ein guter Beitrag zur Versachlichung der Debatte über die Flugrouten. Es geht um eine möglichst verträgliche Routenführung im Südosten“, sagte Gaebler. Diese Alternativroute würde die Erholungs- und Wohngebiete rund um den Müggelsee entlasten und sollte daher von den zuständigen Bundesbehörden in die weitere Planung der Routen einbezogen werden.

Kritik aus der Müggelsee-Region, der Osten werde bei der Flugroutenplanung benachteiligt, wies Christian Gaebler am Montag zurück. „Eine Verlagerung von West nach Ost hat es nie gegeben. Dies ist schon wegen der Abhängigkeit von der Windrichtung nicht möglich.“