Park-Erneuerung

Liegewiese am Lassen-Park noch immer gesperrt

Nachdem die Sanierung des Schöneberger Parks im letzten Jahr von einer Bürgerinitiative gestoppt wurde, ist der Park zum Ärger der Anwohner noch immer nicht freigegeben. Nun soll die Bezirksaufsicht das Problem lösen.

Foto: Massimo Rodari

Gerade jetzt im Sommer möchten junge Familien das Fleckchen Grün vor ihrer Haustür nutzen, doch noch immer sperrt ein Bauzaun einen großen Teil der Liegewiese im Heinrich-Lassen-Park an der Belziger Straße in Schöneberg ab. Familie Brodsky weicht mit Baby Joshua sogar schon auf den nahen Friedhof zum Spazierengehen aus. „Wir haben nie verstanden, warum der Park neu gemacht werden sollte. Einfach die Hecke wegzureißen, nur um ein paar vermeintliche Trinker loszuwerden, ist einfach völlig überzogen“, sagen Tanja Brodsky und ihr Mann Aaron. Bevor die Wege im Park neu angelegt wurden, sei es dort viel schöner gewesen.

Rückblick: Der Streit begann im November, als eine Baufirma die Wege im Auftrag des Bezirksamtes erneuerte und kurz vor der Asphaltierung von der Bürgerinitiative „Lassen Park lassen“ um Anwohnerin Stephanie Schweiger herum gestoppt wurde.

CDU und Grüne setzten anschließend in der Bezirksverordnetenversammlung einen Baustopp gegen die Pläne des SPD-Stadtrats Oliver Schworck durch. Es folgte ein Runder Tisch, an dem Kompromisse erarbeitet wurden. Doch das Bezirksamt weigert sich unter Verweis auf Vorschriften, alle Punkte umzusetzen. Der Rückbau des neuen Hauptweges sei rechtswidrig. Die geschätzten Kosten für den ersten Bauabschnitt betragen rund 200.000 Euro. Auch der Stillstand kostet Geld, die Baustelleneinrichtung und deren Sicherung wöchentlich 570 Euro.

Weniger Platz zum Spielen

Auswirkungen hat die Situation im Park auch auf den Spielplatz. Erst seit wenigen Tagen ist dort die Wasserpumpe in Betrieb. Claudia Prange und Silke Morales Kluge, die mit ihren Kindern Paulina, Lina und Luka gerne zum Spielen kommen, haben den Streit zwischen Behörde und Anwohnern verfolgt. Sie kennen die Wiese seit vier Jahren. „Für Kinder ist jetzt durch die neuen Wege weniger Platz zum Spielen. Außerdem muss man einen Riesenbogen machen, um zum Spielplatz zu kommen.“ Die Mütter haben zudem den Eindruck, dass Spielplatz und Rasen seit dem Streit kaum noch gepflegt werden.

Das Natur- und Grünflächenamt hatte ursprünglich geplant, die Wege im Park zu asphaltieren und für Radfahrer, die die Grünanlage zwischen Hauptstraße und Belziger Straße ohnehin gerne als Abkürzung nutzen, frei zu geben. „Die neuen Wege sind viel breiter als die alten, die Gefahr, dass Radfahrer auf asphaltierten Wegen durchbrettern, und zwar gleich neben dem Spielplatz, ist doch riesig. Das kann sich nur jemand am Schreibtisch ausgedacht haben“, kritisieren Claudia Prange und Silke Morales Kluge.

Die SPD gibt inzwischen zu, dass der „missglückte Start der Parksanierung“ auf ihre Kappe geht. Sie hat sich dafür entschuldigt. Auch Stadtrat Oliver Schworck bekundet, er habe das Interesse der Bürger unterschätzt und hätte die Anwohner rechtzeitig in die Planungen einbeziehen sollen. Immerhin würden jedoch neun der zehn Forderungen des Runden Tisches erfüllt, die Begradigung des neuen Weges am Spielplatz jedoch sei nicht möglich, sagt Schworck, weil dies einem Rückbau mit anschließendem Neubau gleichkäme und Regressforderungen auslösen könnte.

Anwohner hatten sich trotz des Bauzauns immer wieder Zutritt zur Liegewiese verschafft. Jetzt hat der Zaun sogar Spezialschrauben erhalten, die nicht mehr so einfach zu öffnen sind. „Verkehrssicherungspflicht“ nennt die Behörde ihren Auftrag. Rolf Schmiede von der Bürgerinitiative prangert die geplante Sanierung des Parks, die auch noch einen zweiten und dritten Bauabschnitt vorsah, als Geldverschwendung an: „Wir brauchen hier keinen hochherrschaftlichen Eingangsbereich. Noch nicht einmal Senioren aus dem Katharinenhof haben sich darüber beschwert, dass es hier ein paar Mal im Jahr matschig ist.“ Er findet es schade, dass die Leute wegbleiben. „Wir waren hier eine kleine Erweiterung des Akazienkiezes. Durch die Zerstörung des Parks leiden auch die Gewerbetreibenden.“

Geschäftsleute haben Einbußen

Das bestätigt Salvatore Nardozza, Chef der Gelateria Italiana Berlin gleich gegenüber dem Park. Er habe Einbußen von mindestens 30 Prozent. Auch in der Cafe-Bäckerei „Hippe Schrippe“ läuft das Geschäft nicht mehr so wie vor der Baumaßnahme. Und ebenso im Kinderbuchladen „Purzelbuch“ gleich nebenan merkt Ulrike Hasenfuß, dass die Laufkundschaft nicht mehr da ist. Sie sammelt Unterschriften dafür, dass der Baustopp so schnell wie möglich beendet wird. Doch der Streit ist noch nicht vorbei. Am Mittwoch treffen sich die Bezirksverordneten um 17.30 Uhr zu einer außerplanmäßigen Versammlung im Rathaus Schöneberg. Die Opposition aus CDU und Grünen will den Fall der Bezirksaufsicht, der Senatsinnenverwaltung, übergeben. Auch bei der Sonder-BVV fallen Kosten an: 1500 Euro Sitzungsgeld.