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"Körting verhält sich vollkommen falsch"

Nachdem das Verwaltungsgericht die Neubesetzung des Polizeipräsidenten gestoppt hat, ist unklar, wann Berlin einen neuen Polizeichef bekommt. Michael Purper, Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, spricht im Interview über das "unwürdige Verfahren".

Foto: Amin Akhtar

Morgenpost Online: Herr Purper, rechnen Sie damit, dass Berlin noch vor der Wahl einen Polizeipräsidenten bekommt?

Michael Purper: Ich vermute, wir schaffen das nicht mehr. Wenn der Innensenator Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht einlegt, wird das Verfahren noch ein paar Wochen dauern. Und sollte das Auswahlverfahren direkt neu aufgenommen werden, braucht auch das einen gewissen Vorlauf.

Morgenpost Online: Was sollte denn jetzt aus Ihrer Sicht von der Politik unternommen werden?

Michael Purper: Für die Polizeibehörde ist ein unglaublicher Schaden eingetreten. Die Bewerber selbst können für die ganze Geschichte nichts, es geht um die Art und Weise des Auswahlverfahrens. Hier muss nachgebessert werden. Am wichtigsten ist dabei Transparenz und Nachvollziehbarkeit der Entscheidungen. Daran hat es bisher sehr gemangelt. Herr Körting muss deutlich sagen, was für Fehler gemacht wurden und ob und wie diese nun behoben werden können. Hauptsache, der Schaden wird von der Polizeibehörde abgewendet. Nichts wäre schlimmer, als am Ende einen Präsidenten zu bekommen, bei dem keiner weiß, wie er an den Posten gekommen ist.

Morgenpost Online: Welche Auswirkungen hat es, wenn kein Polizeichef im Amt ist?

Michael Purper: Wir haben zum Glück eine weiterhin funktionierende gute Struktur in der Behörde. Wir haben eine Vizepräsidentin, die ihre Aufgabe offensichtlich gut macht. Soweit das Positive. Aber die GdP hat von Anfang an gesagt, der Posten muss schnell besetzt werden. Sonst leidet nicht nur der Ruf, auch wichtige Grundsatzentscheidungen können nicht getroffen werden. Da kann sich Frau Koppers als Vize einfach nicht so verhalten, als sei sie Chefin.

Morgenpost Online: Frau Koppers wird von allen Seiten gelobt. Könnte sie die lachende Dritte werden?

Michael Purper: Denkbar ist das schon. In den letzten Jahren verfolgt man für die Behördenleitung die Politik, ein Gespann zu installieren, das Einsatzerfahrung und juristische Kompetenz mitbringt. Das hat sich bewährt. Es ist nirgends festgelegt, dass die Person mit der juristischen Kompetenz immer die Nummer zwei sein muss.

Morgenpost Online: Der designierte Chef Udo Hansen wird als Hardliner kritisiert. Wie sehen Sie das?

Michael Purper: Ich kenne ihn nicht persönlich. Ich kann da kaum Position beziehen. Ich mag es nicht, wenn jemand im Vorfeld verurteilt wird, ohne dass er tatsächlich zeigen kann, wie er auf dem Posten agiert.

Morgenpost Online: Innensenator Körting hält trotz der breiten Kritik an seinem Wunschkandidaten Udo Hansen unbeirrt fest.

Michael Purper: Aus meiner Sicht verhält er sich vollkommen falsch. Er trägt nicht dazu bei, mehr Transparenz in das Verfahren zu bringen, sondern macht die ganze Thematik noch ominöser. Einfach nur noch einmal festzustellen, dass Hansen für ihn der richtige Kandidat ist, reicht nicht aus. Ich finde, er sollte in die Offensive gehen, Fehler einräumen oder endlich seine Vorgehensweise nachvollziehbar machen. Wie er jetzt agiert, macht den Ruf der Behörde kaputt – und auch den der Bewerber.

Morgenpost Online: Wie diskutieren die Beamten innerhalb der Polizei das Thema?

Michael Purper: Die einen schmunzeln und wundern sich, dass nicht mal auf dieser Ebene etwas klappt, salopp gesagt. Die anderen fragen sich, welchen Stellenwert die Polizei eigentlich hat, dass so mit ihr umgegangen wird. Es muss dem Innensenator doch klar sein, dass die Polizei unter diesem unwürdigen Verfahren leidet.

Morgenpost Online: Man hat ja die Ernennung des Polizeichefs aus dem Parlament genommen, um sie zu entpolitisieren, jetzt ist das Gegenteil eingetreten. Ist das Amt stets ein politisches?

Michael Purper: Ja, zu hundert Prozent. Wir haben eine Führungsstruktur, bei der die Führungsebene die polizeitaktischen Aufgaben erledigen kann, der Präsident muss im politischen Raum stehen und dort die Polizei vertreten.