Kein Neubau

Bayer stoppt Berliner Millionenprojekt

Dämpfer für die Berliner Wirtschaft: Der Pharma- und Chemiekonzern Bayer hat den geplanten Umbau seines Berliner Standorts gestoppt. Für die Mitarbeiter ist das ein schlechtes Signal, sie fürchten um ihre Arbeitsplätze.

Foto: Barkow Leibinger

Der Pharma- und Chemiekonzern Bayer verzichtet auf die Neugestaltung seines Berliner Standorts. Der aufwendige Umbau des alten Schering-Geländes in Wedding werde vorerst nicht in Angriff genommen, gab das Unternehmen bekannt. Derzeit wolle man seine Ressourcen auf die Entwicklung neuer Medikamente konzentrieren. Das Projekt Pharma Campus werde für zunächst zwei Jahre auf Eis gelegt.

Der Verzicht ist nicht nur für die rund 5000 Bayer-Mitarbeiter ein schlechtes Signal, sondern für die Wirtschaft der Stadt insgesamt. Der Bayer-Standort gilt neben der Charité als wichtigste Säule der Gesundheitswirtschaft in Berlin. Von dieser Branche versprechen sich Senat und Wirtschaftsverbände starkes Wachstum in den nächsten Jahren. „Natürlich hätte ich mir gewünscht, dass Bayer seine ambitionierten Planungen eines neuen Campus in nächster Zukunft realisiert“, sagte Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linke). Senatssprecher Richard Meng sagte, man verlasse sich dennoch auf Bayers Standortzusage.

Bayer hatte im vergangenen Jahr einen Masterplan vorgestellt, nach dem das 18 Hektar große Gelände rund um die Fennstraße neu bebaut werden sollte. Das derzeitige Hauptgebäude am Weddingplatz sollte abgerissen, das Gelände Richtung Heidestraße geöffnet werden. Zudem sollten laut dem Entwurf zahlreiche Gebäude neu gebaut werden, unter anderem für Labore. Das Vorhaben ist langfristig angelegt, bis 2040 sollten die Bauarbeiten dauern, angeblich rund 500 Millionen Euro in Berlin investiert werden.

„Das wäre ein gutes Signal für den Standort gewesen. Dass nun erst mal nichts passiert, kommt bei der Belegschaft natürlich nicht so gut an“, sagte Christiane Gansau, stellvertretende Betriebsratsvorsitzende von Bayer in Berlin. Schon nach der Übernahme von Schering durch Bayer im Jahr 2006 mussten rund 1000 Leute gehen. Vergangenes Jahr tilgte Bayer den Namen Schering aus dem Konzern, und Vorstandschef Marijn Dekkers kündigte einen Stellenabbau in Deutschland an. 700 Arbeitsplätze sollen im Bereich Pharma wegfallen. Der größte Pharmastandort ist Berlin.

Die Entscheidung könnte auch durch den Patentverlust bei der Antibabypille beeinflusst worden sein: „Vor dem Hintergrund des starken Drucks auf die Pharmaindustrie durch Gesundheitsreformen und Generika-Konkurrenz hat die Fokussierung unserer Mittel auf die erfolgreiche Entwicklung und Markteinführung zukunftsträchtiger Medikamente oberste Priorität“, sagte Andreas Fibig, Vorstand der Bayer-Pharmasparte. Berlin bleibe ein wichtiger Standort.

Doch daran hegen viele Zweifel. „Ich hoffe, das ist nur eine Verschiebung und keine Absage“, sagte der CDU-Wissenschaftsexperte Heiko Melzer.

Für die Wissenschaft hat aber schon der Verzug Folgen. An der Charité fürchten Forscher um ein lange vorbereitetes Kooperationsprojekt für die Entwicklung von Kontrastmitteln bei Schlaganfällen. Ein geplantes und vom Bund gefördertes Center für Molecular Imaging sei bedroht, sagte der Charité-Neurologe Ulrich Dirnagl. „Wir waren auf sehr gutem Wege“, so der Professor: „Meine Befürchtung ist, dass nun alles verloren geht.“