Verstärkte Maßnahmen

Bahn will Diebe mit markierten Kabeln überführen

Der Kabeldiebstahl in Berlin und Brandenburg nimmt weiter zu. Geklaut werden Signal-, Kommunikations- und Erdungskabel, aber auch Oberleitungen. In Zukunft sollen die Kabel markiert werden.

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Die Deutsche Bahn will konsequenter als bisher gegen Kabeldiebe vorgehen. Das kündigte der Sicherheitschef des Konzerns, Gerd Neubeck, am Dienstag an. Vor allem in Ostdeutschland schlagen die Täter immer häufiger zu. Ihre Beute: Signal-, Kommunikations- und Erdungskabel, aber auch Oberleitungen, wenn sie etwa an Baustellen zeitweilig nicht unter Strom stehen. Allein im vergangenen Jahr verursachten die Diebe bei der Bahn bundesweit einen Sachschaden von zehn Millionen Euro.

Kabeldiebstähle steigen um 40 Prozent

Eine Schwerpunktregion ist Berlin-Brandenburg. In Berlin zählte die Bahn im vergangenen Jahr 157 Fälle. Im Jahr 2009 waren es noch 128. In Brandenburg stieg die Zahl der Kabeldiebstähle im gleichen Zeitraum von 290 auf 380. Bundesweit verzeichnete der Konzern einen Anstieg um 40 Prozent. Tendenz: weiter steigend.

Auch in Berlin häuften sich zuletzt die Fälle. Im ersten Halbjahr 2011 war allein die S-Bahn 14-mal betroffen. In der Nacht zum vergangenen Montag schlugen Diebe gleich an zwei Stellen zwischen Grünau und Adlershof zu. Die Folge war ein Chaos im Berufsverkehr. Nur fünf Tage zuvor erwischte die Polizei zwei Tatverdächtige, als sie sich an Signalkabeln in Treptow zu schaffen machten. Als „schwarzer Freitag“ gilt der 9. Juli 2010, als nach mehreren Diebstählen ausgerechnet zum Ferienbeginn fast der komplette Regionalverkehr im Süden von Berlin gestört war.

Künftig codiertes Metall

Zu den Maßnahmen, die Neubeck ankündigte, zählen der verstärkte Einsatz von Sicherheitspersonal in Uniform und zivil sowie die Überwachung mit Sensoren und Videokameras. Bei einem Netz von bundesweit 34.000 Kilometern sei eine vollständige Kontrolle aber nicht möglich, sagte Neubeck. Die Bahn suche daher auch den Kontakt zu Schrotthändlern, um sie vor dem Ankauf von Bahnkabeln zu warnen und ersetze – wo möglich – das Kupfer in den Kabeln durch weniger wertvolles Metall. Zusätzlich ist künftig die Codierung von Kabeln durch unsichtbare Flüssigkeiten geplant. „In den Schwerpunktregionen werden wir unsere Buntmetalle zurückverfolgbar machen“, sagte Sicherheitschef Neubeck. „Auf dem Schrottplatz werden wir jederzeit die Täter ermitteln können.“

Nach Bahn-Angaben wird derzeit etwa jeder fünfte Täter gefasst. In diesen Fällen fordert die Bahn Schadenersatz nicht nur in Höhe des Materialwerts der Beute. Neben dem Sachschaden verursachen die Diebe enorme Verluste durch Züge, die verspätet fahren oder ausfallen, weil auf ganzen Streckenabschnitten etwa die Signale nicht mehr funktionieren. 2010 waren nach Kabeldiebstählen bundesweit etwa 8.000 Züge verspätet.

Hauptgrund für die Serie von Diebstählen ist der Preisanstieg für Metalle wie Kupfer auf dem Weltmarkt. Die Deutsche Bahn ist überzeugt davon, dass der Handel mit Buntmetallen aus Diebstählen zum Teil bandenmäßig organisiert ist. Aus Berlin und Brandenburg wird ein Teil der Beute offenbar auch nach Osteuropa transportiert.