Flughafen BER

Anwohner machen gegen Flugrouten mobil

In Berlin und Potsdam haben 20.000 Menschen gegen die geplanten Flugrouten des künftigen Hauptstadtflughafens BER demonstriert. Die Anwohner sprechen von "Horror-Flugrouten", vor allem die Strecken über den Müggelsee stehen in der Kritik.

Foto: Christian Kielmann

Rund 1500 Demonstranten haben in Friedrichshagen gegen die geplante Abflugroute vom künftigen Hauptstadtflughafen BER über den Müggelsee demonstriert. Aufgerufen zu dem „Montags-Konvent“ hatte die Friedrichshagener Bürgerinitiative gegen neue Flugrouten. „Wir fordern ein striktes Nachtflugverbot am BER von 22 bis 6 Uhr, den Verzicht auf den unabhängigen Parallelstart, das Drehkreuz am BER und die Route über den Müggelsee sowie über die Nachnutzung des BER nachzudenken“, sagte Franziska Borkenhagen vom Bündnis Südost, das die Protest-Aktion am Montag unterstützt hat.

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Demonstriert wurde mit etwa 500 Teilnehmern auch in Potsdam. Die Havelsee-Gemeinden südlich der Landeshauptstadt protestierten vor der Staatskanzlei und am Fuße des Brauhausberges gegen die geplanten Anflugrouten Richtung Osten. In Spitzenflugzeiten sollen sich die Flugzeuge über Werder, Glindow, Michendorf und Brandenburg an der Havel sortieren, um dann geordnet den BER anfliegen zu können.

Flugroute über Müggelsee sorgt für Ärger

Die Deutsche Flugsicherung hatte am 4. Juli das Flugroutenkonzept für den Hauptstadtflughafen BER in Schönefeld vorgelegt. Die Abflugroute über den Müggelsee sieht bei Ostwind, der etwa an einem Drittel der Tage im Jahr herrscht, täglich 122 Flüge in einer Höhe von 1150 Meter über dem See vor. Die Flugsicherung begründet die Müggelsee-Route mit der Entlastung von Erkner, das bereits von anfliegenden Maschinen überflogen wird. Die Entlastung Erkners war eine der Forderungen der Fluglärmkommission.

Gleichzeitig, sagte der Umweltstadtrat von Treptow-Köpenick, Michael Schneider (Linke), wurde aber auch gegen den Überflug des Müggelsees votiert. „Das ist mehrfach in den Protokollen der Fluglärmkommission vermerkt“, so Schneider. „Wir sind ziemlich sauer, dass die Deutsche Flugsicherung dies nicht zur Kenntnis genommen hat.“ Die Flugsicherung hatte bereits am 4. Juli bei der Präsentation der Routen angemerkt, dass es angesichts der unterschiedlichen Interessen widersprüchliche Forderungen aus der Fluglärmkommission gegeben habe.

Der Bezirk Treptow-Köpenick lehnt die Route über den Müggelsee entschieden ab. Befürchtet wird „eine totale Abwertung der umliegenden Wohnquartiere und eines der größten Naherholungsgebiete Berlins“. Bezirksbürgermeisterin Gabriele Schöttler (SPD) hat inzwischen einen Brief an das Bundesumweltamt geschrieben und darum gebeten, die Flugroutenvorschläge des Bezirks zu prüfen. Der Bezirk fordert, den sogenannten abhängigen Parallelstart – also den nicht zeitgleichen, sondern versetzten Start zweier Jets von beiden Startbahnen – zu prüfen.

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„Damit wäre es möglich, auch von der Nordbahn frühzeitig Richtung Süden abzukurven“, sagt Umweltstadtrat Schneider. Die Flughafengesellschaft aber macht den unabhängigen Parallelstart zur Bedingung, um die genehmigten Kapazitäten von 360.000 Flugbewegungen pro Jahr am BER auch abfertigen zu können. Um unabhängig parallel starten zu können, müssen aus Sicherheitsgründen die Abflugrouten von beiden Bahnen mindestens um 15 Grad voneinander abknicken. Dies wurde aber erst am 6. September des vergangenen Jahres bekannt, als die Flugsicherung ihren ersten Flugroutenvorschlag vorlegte. Daraufhin brach eine Welle des Protestes los, weil die Routen anders verliefen als jahrelang angenommen worden war.

"Das ist feige, Herr Platzeck"

Bei der Demonstration in Potsdam übergab die Bürgerinitiative „Fluglrämfreie Havelseen“ am späten Montagnachmittag ein 100 Meter langes, bemaltes Band mit den „Horror-Flugrouten“ an einen Vertreter der Staatskanzlei. „Wir haben sie nicht bestellt und nehmen sie auch nicht an“, sagte Grimme-Preisträger Thomas Freundner. Der „Tatort“-Regisseur wohnt in Caputh. Er forderte Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) auf, sich für die Havelsee-Region einzusetzen. Dabei kritisierte er scharf, dass die neuen Flugrouten vorige Woche verkündet wurden, als die Betroffenen vielfach schon im Urlaub waren. „Das ist feige, Herr Platzeck“, sagte Freundner.

Auch der Sprecher der Bürgerinitiative, Peter Kreilinger, warf dem märkischen Regierungschef vor, abzutauchen. „Sie müssen sich nicht im Kohlenkeller verstecken und auf die nächste Oderflut warten“, sagte Kreilinger. „Sie müssen jetzt für ihre Landeskinder eintreten.“ Die geplante Anflugroute sei eine Bedrohung für die staatlich anerkannten Erholungsorte.

Die 400 Mitglieder zählende Bürgerinitiative rechnet damit, dass künftig fast minütlich Flugzeuge über die Havelsee-Gemeinden fliegen – und zwar in nur 1000 Meter Höhe. Die Initiative fordert eine Flugroute weiter westlich außerhalb der Autobahn. Damit müsste der äußerste Zipfel von Werder an der Havel mit Fluglärm rechnen und kleine Orte wie Kloster Lenin und auch Nuthetal. „Nach den derzeitigen Plänen wären etwa 55.000 Menschen neu betroffen, nach unserem Vorschlag 5.000 Bewohner“, sagte Kreilinger.